Der  Reitbegleithund

 

 

Reiter kennen das Phänomen- in manchen Reitställen scheint es mehr Hunde als Pferde zu geben. Nicht nur die als Reiterhunde bekannten  Jack-Russel-Terrier lassen sich in unseren Reitställen antreffen, sondern auch viele andere Rassen und Mischungen tummeln sich zwischen Pferden und Menschen.

Da dies nicht immer konfliktfrei abgeht, gibt es an vielen Reitställen mittlerweile eine strikte Leinenpflicht. So sind die Reiterhunde oftmals zur Boxenhaft während der Reitzeit verdammt.

Spätestens in der Freiluftsaison führt das sicherlich bei so manchem Hundebesitzer zu Gewissenskonflikten.

Welcher seinen Hund liebende Mensch denkt bei einem ausgedehnten Ausritt nicht mit einem weinenden Auge an seinen in der Box eingesperrten treuen Begleiter?  

Was liegt also näher, als den Hund einfach mitzunehmen?

Sind Pferd, Hund und Reiter ein eingespieltes Team, dann gibt es nichts Schöneres, als gemeinsam durch die Natur zu streifen.

 

Damit dies auch für alle ein entspannendes Erlebnis werden kann, gilt es einiges zu beachten.

Der Hund muss selbstverständlich körperlich in der Lage sein, die Strecken mitzulaufen. Aufbautraining ist bei allen Ausritten, die länger als eine Stunde dauern und/oder schneller als Schritttempo geritten werden, nötig! Bei längeren Ausritten sollten genügend Pausen & Trinkmöglichkeiten einkalkuliert werden. Ein trainierter Hund hält im gemütlichen (Hunde!-)Trab auch längere Strecken durch, muss er aufgrund des höheren Grundtempos des Pferdes aber viel galoppieren oder gar rennen, ist er relativ schnell erschöpft. Dann wird der Ausflug schnell zur Tortur. Dass man bei heißem Wetter nur in den kühleren Morgen- oder Abendstunden reitet, ist für jeden verantwortungsvollen Reiter sicher selbstverständlich.

 

Ein Hund, der schon bei normalen Spaziergängen nur mäßig hört, wird seinem Besitzer bei einem Ausritt, egal ob angeleint oder freilaufend, so manches eher spannende als entspannende Erlebnis bescheren - wenn nicht sogar schlimmeres passiert.

Deshalb sollten die Kommandos „bei Fuß“, „Stopp“, „komm“, „weiter“ im Vorfeld bereits sicher funktionieren. Denn auf dem Pferd sitzend kann man nicht mal eben ins Halsband greifen, wenn Bello nicht gehorchen will.

Hilfreich ist es außerdem, wenn der Hund Kommandos wie „links“, „rechts“ & evtl. sogar „runter“ kennt und beim Spaziergang nicht ständig den Weg kreuzt. „Runter“ als Kommando für einen Bodenbelagwechsel empfiehlt sich sehr, wenn man viel auf Feldwegen unterwegs ist um den Hund von den eingesäten Feldern fern halten zu können, ohne ihn jedes Mal zu sich rufen zu müssen.. 

 

Will man den Hund angeleint mitnehmen, sollte man statt Halsband lieber ein gut sitzendes Geschirr benutzen, damit sich der Hund bei Tempowechseln nicht versehentlich stranguliert. Zudem sollte die Leine lang genug sein, so dass der Hund mit Abstand am Pferd mitlaufen kann und auch in den höheren Gangarten nicht in Bedrängnis kommt. Bewährt hat sich ein ca. 3-3,5m langes Segelseil, das es in vielen Baumärkten in verschiedenen Stärken und Farben als Meterware zu kaufen gibt. Normale Leinen sind meist zu kurz, Schleppleinen zu lang und Flexileinen erweisen sich in der Praxis als zu unhandlich und aufgrund des Aufrollmechanismus´ als nicht ganz ungefährlich.

 

Ein Hund der stark zieht, gehört natürlich nicht ans Pferd, egal wie groß (oder klein) er ist! Zum einen macht es auf dem Pferd sitzend noch weniger Spaß, so einen Hund zu führen und zum anderen ist die Unfallgefahr zu groß wenn der Hund in eine andere Richtung zieht als Pferd und Reiter.

Hier ist im Vorfeld auf jeden Fall ein Leinentraining nötig.

Und auch an der Leine sollten die Grundkommandos sitzen, damit der Hund nicht einfach nur durch die Gegend gezerrt wird.  

Dass der Hund niemals an Pferd oder Reiter festgebunden wird, sollte selbstverständlich sein.

 

Soll der Hund frei mitlaufen, muss er sich selbstverständlich bei Wild abrufen lassen.

Die Gefahr von Wildbegegnungen darf nicht unterschätzt werden. Rehe z.B. sehen in Pferden keine Gefahr und sind deshalb bei Reitern oft deutlich weniger scheu als bei Fußgängern. Und ein vom Hund am Wegesrand aufgescheuchter Fasan hat schon so manchen Reiter seine Sattelfestigkeit unter Beweis stellen lassen.

Während der Balz der Feldhasen ab Januar und in der Aufzuchtzeit der Rehkitze im Mai/Juni sollte man seinen Hund lieber nur angeleint mitführen. Feldhasen vergessen in der Balz nahezu jede Vorsicht und jagen sich oft kreuz und quer über die Felder – eine unwiderstehliche Einladung für jeden auch nur halbwegs laufbegeisterten Hund (und nur so einen nimmt man klugerweise mit auf einen Ausritt).

Und die jungen Kitze liegen versteckt in den Wiesen rund um die Wälder und verlassen sich einzig und allein auf ihre Tarnung.

Ich denke, kein Hundebesitzer bricht in Freudentaumel aus, wenn Fiffi mit Bambi oder Meister Lampe im Maul zurückkommt. Der zuständige Jagdaufseher wird es auf jeden Fall nicht! Laut § 25 des Jagdgesetzes NRW ist dieser berechtigt, wildernde Hunde abzuschießen. Laut Jagdgesetz gelten Hunde als wildernd wenn sie „ im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung ihres Führers Wild aufsuchen, verfolgen oder reißen…“

Also bitte Vorsicht, auch wenn Bello „doch nur mit Bugs Bunny und Co um die Wette laufen wollte und niemals zubeißen würde“! Das können weder das Wild noch der Jagdaufseher wissen (manchmal weiß es ja noch nicht einmal der Hund). Davon abgesehen schwächen unnötige Verfolgungsjagden das Wild u. U. so, dass unsere Sorglosigkeit indirekt doch den Tod des Tieres verschuldet. 

 

Neben den Eigenschaften und Voraussetzungen, die der Hund erfüllen sollte, gibt es natürlich auch noch das ein oder andere, was Pferd und Reiter mitbringen sollten.

Der Reiter muss so sicher reiten, dass er der Doppelbelastung, im Gelände auf Pferd und Hund zu achten, gewachsen ist. Ansonsten bleibt die Erholung ganz sicher auf der Strecke.

Außerdem ist es sinnvoll, sich und das Pferd vorher ein wenig mit der einhändigen Zügelführung vertraut zu machen. Wenn man den Hund an der Leine mitführen muss, kann es sonst zu ungewünschten Verzögerungen bei Brems- und Lenkmanövern kommen.

Ein verkehrssicheres, an den Hilfen stehendes und an Hunde gewöhntes Pferd verpackt den „Unruhefaktor Hund“ sicherlich deutlich besser als ein ohnehin schon eher nerviges, leicht erregbares Pferd. Besonders in den höheren Gangarten fühlen diese Pferde sich schnell verfolgt und gehen u.U. einfach durch, wenn der Hund ihnen dicht auf den Fersen ist. Ebenso kann das Galoppieren  aber auch den Hetztrieb beim Hund auslösen! Da sollte man schon ein Pferd haben, was auch dann noch seinem Reiter vertraut und sich durchparieren lässt.

 

Ist man sich all der Gefahren bewusst und kann die Risiken und den Spaßfaktor für alle als im gesunden Verhältnis zueinander stehend  bewerten, steht einer wunderbaren Ausreitsaison gemeinsam mit dem Partner Hund nichts mehr im Wege.

 

 

Ich wünsche allen Reitern und ihren Pferden eine wunderschöne Freiluftsaison und hoffe, dass so mancher beste Freund des Menschen eines der schönsten Hobbies, die „Mensch“ haben kann, zukünftig mit ihm teilen darf.

 

copyright: Nicole Zinn, Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.; Pferdewirtin FN geprüfte Bereiterin, mobiler Reitunterricht in NRW, Einzelunterricht und Korrekturberitt Tel. 0172-2125142

Fotos copyright: Irene Schellenbeck/Nicole Zinn

 

Anmerkung der Redaktion zu den Fotos:

 

Schon die Vorbereitungen für solche Fotos machen Arbeit. Das Pferd muss gestriegelt werden, die Hunde gebürstet werden, der Reiter muss ich vorbildlich kleiden ...

 

Schon mal versucht 4 - 5 Lebewesen gleichzeitig in Bewegung zu fotografieren, ohne dass einer verwackelt oder die Augen geschlossen hat ? Und ich spreche dabei nicht von einer tollen schnellen Kamera, sondern von einer trägen Digitalkamera. Probieren Sie es einmal. Für den Bericht haben wir gut 30 Minuten lang versucht Nicole, Quitti, Casper, Sukie und Jule dazu zu bewegen freundlich in die Kamera zu schauen. Unermüdlich mussten sie den Weg rauf und runter laufen - wieder und wieder versuchten wir gute Fotos hinzukriegen. Nicole versuchte dabei nicht ihr "Tierhilfe Licht im Dunkeln - T-Shirt" durchzuschwitzen, Quitti fragte sich, wann es denn endlich nach draußen ins Gelände ginge, Sukie wollte endlich neben dem galoppierenden Pferd herlaufen, Casper stank es an der Leine zu laufen - denn schließlich hätte ER das ja nicht nötig (wir wollten aber auch mal zeigen, dass es auch mit Leine geht) und Jule hatte schon nach 3 Versuchen die Nase gestrichen voll. Nicole schwitze auch unter der Reitkappe, die als leuchtendes Beispiel für alle Leser aufgesetzt hatte. Ganz lieben Dank also an die Fotomodelle, dass sie sich für unsere Leser so "gequält" haben.

 

Nicoles Pferde und Hunde hören hervorragend, sind super aneinander gewöhnt und haben schon viele Ausritte miteinander genossen. Und doch sollte man immer bedenken, dass Tiere - auch wenn sie noch so gut hören und noch so eine gute Ausbildung genossen haben - immer unberechenbar sind und entsprechend auch das Gelände für den Ritt gut auswählen.

 

Wir danken den "Germanys next horse-dog-rider-top-models" für Ihre Geduld. Für UNS seid IHR die Größten!" :-)