
Altdeutsche Hütehunde

Man findet nicht viel über Altdeutsche Hütehunde in Büchern und Veröffentlichungen - und wenn dann steht in den Büchern meist nicht die Rasse an sich, sondern die Erziehung zum Hüten im Vordergrund. Dies liegt wohl mit daran, dass viele Schäfer ihre Hunde nicht als Partner bei der Arbeit, sondern als "Arbeitsgeräte" sehen. Und doch begleiten uns Altdeutsche Hütehunde seit vielen Jahren und kommen auch im Tierschutz gar nicht so selten vor. So gerät mancher Tierfreund an eine Rasse, über die er gerne mehr wissen möchte, aber nicht erfährt.
Sie sind keine VDH anerkannten Rassen, denn die Schäfer, die sie züchten, achten mehr auf Hüteeigenschaften als auf ein einheitliches Aussehen. Das Fell muss jedem Wetter trotzen, ein Interesse am Schaf oder am Rind und an der Hütearbeit muss vorhanden sein, gepaart mit ordentlichem Arbeitseifer und dem Willen sich führen zu lassen. Sie dürfen nicht zu "hart am Schaf" arbeiten und die Schafe nicht schädigen. Sie sollten leicht motivierbar sein. Viele, viele Kilometer - bei oft schwierigen Bodenverhältnissen - müssen sie laufen können, denn die Hütearbeit verlangt viel von ihnen. Erforderlich ist ein gutes Gebäude zum Laufen und Springen, aber auch stabile Gesundheit sollte vorhanden sein, denn ein Wanderschäfer kann nicht mal eben die Herde alleine lassen und mit dem Hund zum Tierarzt gehen. So sollten auch die Pfotenballen und Krallen widerstandsfähig sein, um viele, viele Kilometer laufen zu können - ohne einen Tierarztbesuch oder eine Lahmheit zu provozieren. Eine gute Muskulaturanlage muss vorhanden sein und wird in der Jugend gefördert. Dabei sollten sie nicht zu misstrauisch gegenüber Fremden sein, denn Schäfer kommen viel herum und müssen auch an Kindern und Dorfbewohnern vorbei, die heil bleiben sollten. Ein Hund, der dabei zuschnappt, würde den Schäfer nicht beliebt machen. Sie sollten sich mit anderen Hütehunden vertragen und sich nicht von Dorfhunden, denen sie begegnen, ablenken oder provozieren lassen.

Ein gewisses Desinteresse an anderen, fremden Hunden ist daher erwünscht. Spieltrieb wird nicht sonderlich gefördert, der Hund soll arbeiten. Der Schäfer soll der Mittelpunkt ihres Lebens sein und natürlich die Schafe oder Rinder. Sie müssen sensibel und feinfühlig sein, ein sehr gutes Gehör haben, damit sie die Kommandos des Schäfers über weite Distanzen hören können oder bei Gegenwind erahnen können. Damit ist eine gewisse Sensibilität verbunden, sich auf den Hundeführer einzustellen und auch dessen Gedanken manchmal selbst zu interpretieren. Mit den anderen Tieren auf dem Hof sollten sie verträglich sein, denn gerissene Hühner und angefressene Katzen stehen nicht auf der Wunschliste der Schäfer. Zudem führten früher die Wanderschäfer häufig einen Lastesel mit sich, der den tragbaren Pferch für die Nacht schleppte und auch heute noch haben manche Wanderschäfer eine Ziege mit in der Herde, weil die Ziegen - jung an den Schäfer gewohnt - sehr anhänglich werden und so die Herde Schafe anführen können, wenn schwierige Passagen kommen, da sie dem Schäfer eher folgen und die Schafe dann folgen. Die sollte dann natürlich auch nicht von den Hunden angegriffen werden.

Hohe Ansprüche, die die Schäfer da stellen - wie viele Welpen aus einem Wurf erfüllen diese wohl? Wie viele Schäfer sind so gute Hundeführer, dass sie die Welpen auch gut sozialisieren können, damit sie diese Voraussetzungen erfüllen können?
Das empfindliche Gehör macht die Hütehunde jedoch auch gelegentlich zu geräuschempfindlichen Hunden, die dann ggf. auch Angst vor Gewitter, vor Ballons oder Krachern entwickeln können, denn diese Rassen "hören die Flöhe husten". Laute Haushalte sind daher purer Stress für einen Hütehund. Dafür sind sie früh an laufende Maschinen und Trecker gewöhnt worden und manchmal kann man sie selbst mit dem lauten Staubsauger absaugen ;-). Natürlich ist dies für einen Hütehund äußerst misslich, denn was will ein Schäfer mit einem Hund, der bei jedem Gewitter wegläuft, vor Ballons flüchtet, die gerade in ländlichen Gegenden fliegen und Kracher hört man gerade auf dem platten Land auch über weite Distanzen. Der Schäfer will ja nicht bei jeder Fehlzündung eines Mopeds im Dorf ohne Hütehund da stehen.

Dieser Strobel stammt aus Hessen und vereinigt Intelligenz, Durchsetzungsvermögen, aber auch Schutztrieb in einem kraftvollen, muskulösen Körper. Daher das Halti auf unserem Sommerfest.
Früher wurden auch sehr viele hochbeinige und große Schläge gezüchtet, da viel im "weiten Gehüt" über riesige Distanzen gearbeitet wurde und kleine Hunde in den tiefen Furchen kaum zu sehen waren. Einige davon stehen heute auf der Roten Liste der aussterbenden Rassen, denn sie wurden gezüchtet, um Wanderschäfer zu begleiten, die es heute in unseren eng bebauten Gebieten kaum noch gibt. So ging auch die Zucht zurück. Mehr und mehr Schafe werden in Koppeln mit Zäunen gehalten und da ist eine andere Hütearbeit gefragt als auf dem offenen Land. Wo der frühere, große Altdeutsche Hütehund kilometerweit in den Furchen lief, um zu verhindern, dass die Schafe Gebiete betraten, wo Ihnen Gefahr drohte, wo frisch eingesät war oder der jeweilige Bauer das Weiden nicht erlaubte, werden heute Hütehunde benötigt, die kleiner und wendiger sind und im Pferch oder am Pferch ihre Arbeit ebenso gut verrichten. So fassten mehr und mehr Hütehunde wie der kleine, wendige Border Collie Fuß, die auch prima mal über den Rücken der eingepferchten Schafe laufen können oder unter dem Zaun durchpassen.

Seinen Arbeitseifer setzt die Eigentümerin für Agility und Ziel- und Objektsuche und neuerdings für Treibball ein.