
Abschied von Trude
Trude lernte ich kennen als ich in einer Tierschutzauffangstation half. Die schwierige Hündin war in der Vermittlung des Tierschutzes gelandet, weil sie Verhaltensauffälligkeiten zeigte. Damals konnten fremde Menschen nicht in ihre Nähe kommen - sofort knurrte und biss sie. Hier musste man nach einem passenden Menschen suchen, der für Trude Verständnis und Geduld aufbringen würde. Lange blieb sie im Tierschutz, dann fand auch Trude ihr liebes Zuhause.
Die zierliche, afrikanische Windhündin wurde adoptiert von einer Aktivhelferin des Vereines, die viele Monate brauchte bis Trude ihr vertraute. Klar das bei so intensiver Aufbauarbeit eine besondere Beziehung entsteht. Viele erfüllte Jahre verbrachte Trude bei ihrem Frauchen, bekam Windhundgefährten, lernte mit Katzen zu leben und auch verschiedene andere Kleintiere zu akzeptieren.
Mit den Jahren gelang es auch einer geduldigen, tierlieben Nachbarin Trudes Vertrauen zu gewinnen und wer Trude in Hundeauslaufgebieten mit ihrem Rudel antraf, konnte sich kaum mehr vorstellen, wie schwierig sie einmal gewesen war. Viele erfüllte Jahre im Kreise "ihres Rudels" durfte Trude verbringen, bevor ihre alten Knochen nicht mehr wollten. Nur wenige Tage schlechten Befindens hatte sie, bevor die Organe ihren Dienst müde einstellten. Dreizehneinhalb Jahre war sie geworden - ein stolzes Alter für die Rasse.
Trude verstarb leise und still zu Hause, inmitten ihres Rudels, liebevoll zugedeckt auf dem Sofa. Nach einigen Tierarztbesuchen schlief sie ein und hörte auf zu atmen. Wir waren froh, dass wir sie heimgeholt hatten und sie in vertrauter Umgebung zwischen Freunden Abschied nehmen konnte. Doch wohin jetzt mit einem Gefährten, der so viele Jahre Freude in das eigene Leben gebracht hatte. Man besaß zwar einen Garten, aber leider steinig mit Hanglage und überaus ungeeignet für eine Beerdigung. Trudes Frauchen, noch schwer geschlagen von dem Verlust, suchte sich Hilfe bei Freunden, aber eine optimale Lösung für dieses besondere Wesen gab es nicht. Die Zeit drängte. Warm war es geworden und ewig kann man unter diesen Bedingungen kein totes Tier aufbewahren, wenn man nicht entsprechend ausgestattet ist. Kaum vorstellbar war es für die Hundehalterin die geliebte Freundin in ein Loch zu versenken. Ist es bei einem Hund dieser Größe auch nicht so einfach ein Grab auszuheben, denn gesetzliche Vorschriften verlangen eine erhebliche Tiefe des Grabes und die eingetretene Starre macht es nicht einfacher. Windhunde haben verdammt lange Beine.
Wir empfahlen das Unternehmen
in Wuppertal
und waren beim Transport von Trude behilflich. Im Auto der Tierhilfe, Frauchen
folgend, machten wir uns auf den Weg zum Bestatter. Allerdings bietet Antares
Tierbestattungen auch Hilfe beim Transport an und hat dafür einen Tag- u.
Nachtdienst mit Notrufnummer und entsprechend ausgestattete Fahrzeuge. Denn
nicht jeder Hundehalter hat ein "tragbares" Tier oder ist körperlich und
psychisch in der Lage dies alleine zu bewerkstelligen. Oft leben Hundehalter
alleine, Tiere versterben in der Nacht, wo niemand hilft, man alleine ist und
häufig sind viele Treppenstufen zu überwinden. Nicht jeder hat einen Parkplatz
gleich vor der Haustür und man denke mal an den Transport eines Bernhardiners
oder anderer schwerer Rassen.
Bei Ankunft auf dem Parkplatz von Antares kam die Chefin mit einem hübschen Körbchen für Trude ans Auto. Weich ausgepolstert war das große Hundebett in das wir Trude betteten. Man reichte uns eine weiche Flauschdecke mit Pfötchenmuster mit der wir Trudchen zudeckten. Hier gab es einen Parkplatz gleich vor dem Eingang, was den Transport einfach machte. Gemeinsam trugen wir Trude in ihrem Bettchen in den Abschiedsraum. Stilvoll eingerichtet mit liebevollem Ambiente fanden wir hier einen kleinen, hübsch abgedeckten Rollwagen auf dem das Körbchen abgestellt wurde. Sogleich legte die Chefin eine Efeuranke um das Körbchen. Eingerahmt von hübschen Kerzenleuchtern und Pflanzen lag Trude friedlich gebettet dort. Nun hatte ihr Frauchen Gelegenheit in Ruhe von Trude Abschied zu nehmen und sie noch einmal zu streicheln.

Jeder braucht seine ganz persönliche Zeit um Abschied zu nehmen, jeder trauert anders und hier nahm man darauf Rücksicht. Im Nebenraum wurden dann später pietätvoll die Personalien und Daten aufgenommen. Geduldig ließ sich die Chefin des Unternehmens erzählen, was für eine wundervolle Hündin Trude gewesen war und erzählte auch von ihren eigenen Hunden und der Tierarztpraxis der Tochter. Rund um uns standen - in schlichten Regalen - verschiedene Tierurnen. Schlichte, bunte, ausgefallene Urnen gab es in verschiedenen Größen. Richtige Kunstwerke waren dabei. Per Katalog am Tisch sitzend oder auch durch persönliche Besichtigung konnte Trudes Frauchen die Urnen anschauen, anfassen und eine passende Urne für ihr Trudchen aussuchen.
Sie entschied sich für eine schlichte Tonurne, die farblich zum Fell der Hündin passte und sehr gut das Ursprüngliche der Urrasse des eleganten Azzawakhs unterstrich. Einzeln sollte Trude eingeäschert werden, mit Identitätsnachweis, jedoch gab es auch preisgünstigere Gemeinschaftseinäscherungen auf einem idyllischen Tierfriedhof. Wir wurden aufgeklärt über die Vorgehensweise und dass Trudchens Frauchen bald schon die Urne mit Trudes Asche wieder abholen könne. Die letzten Tage mit den tierärztlichen Behandlungen waren teuer und Trudchens Frauchen ist keine Millionärin. Auch darauf war man bei Antares eingestellt und so wurde zunächst eine Anzahlung fällig, damit auch der Tierarzt, der so viele Stunden außerhalb seiner Sprechzeiten gearbeitet hatte, noch zu seinem Recht kam. Über den Restbetrag wurde eine Zahlungsvereinbarung getroffen.
Noch lange unterhielten wir uns mit der Chefin des Unternehmens über Trudchen, Tierschutztiere und Trauerfälle. In den Erzählungen erfuhren wir, wie unterschiedlich Menschen mit Trauer umgehen und fühlten uns in unserer Trauer um diesen wundervollen Hund verstanden. Die Chefin erzählte uns, dass manche Menschen die Urne heimholen, aber erst in einen abgelegenen Teil stellen bis der Schmerz über den Verlust nachlässt. Viele Trauernde hätten ihr erzählt, dass sie erst nach einer Weile die Urne hervorholten und dann ganz unterschiedlich damit verfuhren. Manchen wollten den Gefährten immer bei sich haben, andere Trauernde würden noch nachträglich die Urne beerdigen. Schon bei der Wahl der Urne waren wir auf diese Möglichkeiten hingewiesen worden, denn die Beschaffenheit der Urnen ist unterschiedlich und dem Zweck angepasst. So gibt es unglasierte, teilglasierte und glasierte Urnen. Einige lassen sich sogar mit persönlichen Kunstwerken und Namen selbst beschriften und bemalen.
Abschließend trafen wir uns noch zu Hause auf einen "Beerdigungskaffee" um die letzten ereignisreichen Stunden zu verkraften und Freunde über das Ableben von Trude zu informieren. Wir kümmerten uns dann um die noch lebenden Hunde und machten abschließend einen gemeinsamen Hundespazierr das Ableben von Trude zu informieren. Wir kümmerten uns dann um die noch lebenden Hunde und machten abschließend einen gemeinsamen Hundespaziergang - ohne Trude - .
Wir jedenfalls hatten das angenehme Gefühl Trude in die richtigen Hände gegeben zu haben - und bald schon würde sie ja auch nach Hause zurück kehren...

Familie C. aus Wuppertal hat uns freundlicherweise diese Fotos zur Verfügung gestellt. In dieser "katzengerechten" Urne ist Kater Max nach Hause zurück gekehrt, nachdem seine Familie ihn schweren Herzens nach langer Krankheit erlösen musste. Max bleibt so bei seiner Familie - dort wo er so lange so glücklich gelebt hat.