Böckchensprung im Mikro-Kosmos

An der hinteren Tür weist ein glänzendes Schild darauf hin, dass jeder Schritt bedächtig zu setzen ist, wenn man den dahinter liegenden Mikro-Kosmos betritt: „CAVIES CROSSING - Meerschweinchen kreuzen“. Der Schlüssel steckt im Schloss, das daran schwingende Band führt eine gravierte Plakette mit sich, die beim Klackern an der Tür daran erinnert, dass dieser selbstverständlich herumzudrehen ist, wenn Mensch aus der Mikrowelt in seinen Alltag zurückschlüpft.

Auf der anderen Seite der Tür leben selig Pebbles & Crid. Hunde und gefiederten Freunde teilen sich den Rest des Refugiums am Binsenpfad Nr. 3. Sowohl Hund als auch Federvieh lieben es flott, frech, heiter und auch gerne mal lauter. Die bunte Schar schwatzt, zwitschert, krächzt, bellt und heult um die Wette. Ein Klingeln an der Tür oder die klappende Wagentür entzückt die Einen so sehr, wie die Anderen beschwingte Musik, das läutende Telefon oder eine gepfiffene Melodie. Lebensfreude und gute Laune werden hier ohrenbetäubend herausposaunt, während Schweinchen ihr feines Gehör nicht derart zu belasten wünschen.

Eben diese trippeln vornehm wiegend im Gänsemarsch heran, wenn die winzigen Öhrchen Gemüseschnitzen ausgemacht haben oder die raschelnde Hose sich sachte nähert. Auf ein gesäuseltes „Schätzelein“ antworten Pebby & Crid einstimmig mit zuckersüßem, erwartungsfrohem Gequieke. Blanke Äuglein zwinkern, zwei spitze Näschen recken sich in die Höhe, um herauszufinden, wo die Leckereien denn dieses Mal versteckt werden. Zu jedem Schritt ein leises „Oink, Oink“ produzierend, laufen Pebby & Crid dem Duft des Grünzeugs entgegen.

Im Schweineland ist es niemals hektisch. Feierlich wird gemümmelt und mit Vorliebe ausgestreckt gedöst. Gemüse und Obst werden farblich und dem Duft nach sortiert und favorisiert - eben eine Oase der Ruhe. Gras aus dem Garten, Löwenzahn, Wegerich sowie Gänseblümchen & Co. stehen auf der Hitliste ganz weit oben.

Aus der heilenden Muße des Schweinetages entspringt aber auch immer mal wieder eine ausgelassene Flitzerei, die von witzigen Bocksprüngen gepeppt wird. Wer dabei ernst bleiben kann, ist wahrhaft ein Stein. Schweinemäßige Fröhlichkeit und Ausgelassenheit machen derart gute Laune, dass Mensch sich zügeln muss, um den Absprung zur Arbeit nicht zu verpassen und den Tag stattdessen im Schweineland zu verbringen.

Pebbles & Crid sind zwei kecke Bürschchen, die sich neben ihrer Nagervilla auch ganz Schweineland im Binsenpfad teilen. Es gibt viele Verstecke, die abwechselnd alle mal Lieblingsplatz sind. Es braucht Etagen aus Holz, Röhren aus Kork, Kuschelsäcke und –tunnel. Und wer hat schon das Schweinchen mit dem Krönchen im Mini-Wigwam entdeckt? Es ist Crested Crid, der hat es als Erster gecheckt. Eigens für den Schweineurlaub gibt es noch ein großes Wohnchalet auf Rollen - darunter die "Dreamsuite" ausgelegt mit weichen Decken und Handtüchern, darauf noch Kuschelsachen zum Wohlfühlen. Pebby & Crid liegen gerne dort, von wo aus sie saftiges Grün und duftendes Heu gleichermaßen gut erreichen. Für ein ausgiebiges Schläfchen hopsen die Zwei in die Suite und kuscheln sich gemütlich ein. Die Äuglein fest verschlossen, auf der Seite grunzend, alle Beinchen ausgestreckt – bis zur nächsten Knabber- oder Flitzrunde.

Leichte Geräusche nimmt Crid, unser König - schließlich trägt er ja Krone in Form eines Schopfwirbel auf dem Kopf - überhaupt nicht wahr. Des Menschen Bemühen dankt Crid mit unumstößlichem Grundvertrauen. Stealth Pebby, wirbeliger Flitzer, dessen wildes Haarkleid ein Phänomen ist, welches die Kameratechnik nicht zu bannen vermag, kontrolliert lieber die Lage und blinzelt einäugig auf, wenn es verdächtig wird. Gemeinheiten wie Pediküre oder Gesundheitscheck mit Waage, duldet Crid ohne nachtragend zu sein. Pebby hingegen ist ein wahrer Zappelphilipp, der seinen Unmut über die Behandlung zeigt, indem er leicht vier lange, scharfe Schneidezähnchen an einer Hautfalte des Unruhestifters ansetzt. Liebevolles Zureden besänftigt die Schweinchen und kaum werden sie aus Menschenhand entlassen, blicken sie zurück, recken die Köpfchen und schnuppern einer Erbsenflocke oder einer Ackerbohne entgegen. Ja, jeder möchte die erste..., die beste ..., die größte Belohnung. Da wird geknattert, gerattert und hörbar werden die Zähnchen gewetzt. Großer Einsatz für eine kleine Gabe. Aber Schweinchen machen eben alles mit Hingabe. Und es darf auch gerne mehr sein - von allem natürlich.

Überhaupt ist Crid wahrscheinlich das kleinste Geschöpfchen, das allerschnellstens kauen kann. Ober- und Unterlippe bewegen sich dabei so rasch hin und her, dass es eine wahre Esskunst zu sein scheint. Das mahlende Kaugeräusch dabei ist göttlich. Pebby ist da bescheidener. Er isst stetig  - aber bedächtig. Gut, er wiegt dafür auch einige hundert Gramm weniger, als sein Kumpan dickes Crid. Wenn der nämlich läuft, wackelt neben den Öhrchen auch ein wahrer Kragenspeck. Doch lässt gerade dieser ihn äußerst seriös und weise wirken. Crid ist eben ein vernünftiges Schweinchen; und der imposante Schnurrhaarbart unterstreicht dabei die lässige Lebenseinstellung von Herrn Crid.

Pebbles ist eher witzig - ein lieber Spaßmacher. Im Schweineland gibt es ein Plüschkörbchen. Pebby & Crid lieben es, hintereinander her um dieses blaue Körbchen zu flitzen. Pebbels, die kleine Spaßbacke, hopst im vollen Galopp seitlich aus der Bahn und aus dem Bocksprung heraus ins Plüschnest und in einem Zug wieder heraus - sofort den nächsten Bocksprung vollführend. Und das, Ihr Lieben, sieht zum Schreien urkomisch aus! Ein Böckchensprung ist DAS Höchste der Gefühle im Schweineland. Der Böckchensprung ist Lebensfreude pur, gute Laune und sprühende Energie, vollführt von einem Winzling. Genau das macht den Böckchensprung so einzigartig. Im Hopser zeigen die Vorderfüße mal in die eine Richtung, die Hinterfüße mal in die Andere. Und ein Quiek setzt noch eines oben drauf. Ein Böckchensprung kommt übrigens selten allein - Böckchensprünge sind hochansteckend! Selbst ein strammer Bursche, wie Crid, legt dabei eine flotte Sohle aufs Spreu.

Äußerlich und charakterlich so unterschiedlich und doch als Knatterboy-Duo so harmonisch und unzertrennlich. Zwar stupsen sich die Schweinchen mit den Nasen an, um „geh´ mal eben da weg“ zu sagen, sie recken auch die Köpfchen in die Höhe, wiegen dabei den ganzen Körper hin und her und knattern, was das Zeug hält, um sich wechselseitig zu imponieren, aber so sind sie eben – die Männer! Eine Auseinandersetzung jedoch ist niemals nötig, um sich Respekt zu verschaffen. Die "Zwei-Böckchen-WG" ist eben eine runde Sache und einfach nur wunderbar.

Sogar ein kleines Geräusch von außen wird missmutig zur Kenntnis genommen. Vogel zwitschert - Schweinchen knattert, Hund macht "böff" -  Schweinchen knattert, Mensch niest - Schweinchen knattert... Die Beiden haben sich, und das scheint der Glückseligkeit genug zu sein. Universum im Schweinchenzimmer; so klein, so rein und doch so ausgeklügelt.

Natürlich gibt´s in warmen Monaten auch Ausflüge auf die Wiese, wo dann gecampt wird: Kuschelsack muss dann natürlich mit und die Korkröhre dient als prima Unterschlupf. Als Pebby & Crid einen solchen Ausflug zum ersten Mal genießen konnten, wunderten sie sich nicht schlecht, dass die Grashalme trotz Kaubewegung nicht näher ins Mäulchen kamen – vielmehr galt es in dieser Angelegenheit den Säbelzahn Richtung Erdboden vorzuarbeiten. Wenig später bemerkten die Racker allerdings schon, dass ein kurzes, kräftiges Anrucken den Halm auch aus der Verankerung des Erdreiches lösen kann. Meerschweinchen lernen schnell - wenn es denn ums Essen geht. Sie sind eben echte Gourmets und Genießer in jeder Lebenslage!

So kann denn auch ein Mikro-Kosmos irgendwie ganz groß sein!

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copyright: Text S. Kammel, Fotos B. Rubbens, Tierhilfe Licht im Dunkeln

Darsteller: Pebbles & Crid

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Über die Darsteller:

Pebbles und Crid sind Handaufzuchten aus unserem Verein.

Pebbles wurde nachts um 22:00 Uhr im eiskalten Winter und Schnee kleinen Kindern am Busbahnhof abgeschwatzt, die mit ihm "spielen und ihn dann im Wald freilassen wollten" und war fast verhungert und erfroren. Sie hatten ihn von "einem Mann" geschenkt bekommen und ihre Eltern hatten gesagt "bringt ihn dahin, wo ihr ihn her habt" - ohne sich weiter darum zu kümmern. Was soll man anderes von Eltern erwarten, die ihre kleinen Kinder nachts am Busbahnhof alleine rumlaufen lassen?

Crid lebte zunächst bei Mama und Brüderchen in einem befreundeten Tierschutzverein, wo sie geboren wurden. Crid wurde vom Brüderchen nicht an Nahrung gelassen. Sein Bruder war 4 mal so groß und schwer wie er. So wurde die Familie getrennt und Crid zusätzlich per Fläschchen mit Pebbles hochgepäppelt.

Solche Spezial"fellchen"liegen uns natürlich besonders am Herzen und daher haben ätzlich per Fläschchen mit Pebbles hochgepäppelt.

Solche Spezial"fellchen"liegen uns natürlich besonders am Herzen und daher haben wir uns sehr gefreut, dass sie von Aktivhelfern in unserem Verein adoptiert wurden, die uns obendrein regelmäßig mit tollsten Fotos aus dem "Schweineland" beglücken, die wir für unsere Homepage - und hoffentlich zu Ihrer Freude - immer gut gebrauchen können. Eine Homepage lebt von Bildern und wir freuen uns immer über Fotos, die uns zur Verfügung gestellt werden.

Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.