Da war doch noch was? - Ein ganz normaler Tag

eines Tierschützers ...

Der Wecker reißt mich brutal aus den Federn. 6:30 Uhr!!! Der zweite Wecker unterstreicht die Dringlichkeit. Müde haue ich auf die Schlummertasten. Haben wir nicht Wochenende? Ja, schon, aaaaaaber..., Tiere kennen ja kein Wochenende. Da war doch noch was? Was war es denn nur? Ach, ja, Auto beladen, Sachspenden für Ungarn wegbringen, Spenden für Spanien sortieren, Sägespäne auffüllen, Katzenstreu gleich mit ... Ich werfe die schöne, warme Decke auf die andere Seite des Doppelbettes. Mää-ääähhhh, macht es entsetzt von der anderen Seite des Doppelbettes und Katze rast aus dem Bett und verschwindet beleidigt. Ich hatte sie versehentlich unter der Decke vergraben. ENTSCHULDIGUNG! Jetzt wird sie wieder mindestens 30 Minuten beleidigt mit mir sein - armes Tier! Ob ich ihr eine Visitenkarte vom Tierschutzverein geben soll, damit sie sich beschweren kann? Ne, lieber füttern, das wirkt eher als Ablenkung. Langsam lasse ich einen Fuß aus dem Bett hängen und taste nach festem Untergrund. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIgitttt, was ist das denn? Ich zucke zurück und schalte das Licht an. Ach, so, nur ein nassgekauter Büffelhautknochen. Ich setze mich auf und bücke mich, um meine Hausschuhe unter dem Bett hervorzuklauben. Schlapp! "Oh, ja, danke für den Morgenkuss, mein Schatz, aber ich wollte mich erst gleich waschen.", sage ich zu meiner Hündin. Zum Dank bekomme ich noch eine Gesichtswäsche, während ich den zweiten Schluppen suche.

Für Frühstück ist es schon etwas knapp, wenn ich noch den Zwerghamster versorgen will, die Katzenclos reinigen muss und Hund und Katze Frühstück machen will bevor es weiter geht. Passt eine Menge rein in so einen Kombi und der Helfer muss ja pünktlich abgeholt werden. Irgendwas wollte ich doch noch auf dem Morgenspaziergang erledigen, was war es noch gleich? Ach, ja, die Glasscherben im Park wollte ich aufsammeln, bevor ein Tier rein tritt und die nasse Wolle aufsammeln im Park, bevor sie ein Vogel als Nistmaterial nimmt und sich die Füßchen abschnürt und verheddert. Und dann noch die Kronkorken an der Parkbank einsammeln von den Jugendlichen - ich hab immer Angst eine Elster verschluckt mal so ein Teil auf der Suche nach Glitzerbeute. Also, eine Mülltüte an die Klinke hängen und die Müllzange daneben gestellt, damit wir das nicht vergessen. Katzenfutter auf dem Fummelbrett verteilen. Vielleicht verzeiht sie mir ja so schneller? Müde tapse ich die Treppe herunter und räume die Saftfutterreste der nächtlichen Hamsterfressorgie weg. Wie ein so kleines Tierchen so viel fressen kann? Ich trete vom Nagerterrarium zurück und fliege fast auf die Nase. Ach, Katttttttttttttttttze!!!!! - jetzt habe ich wohl vollständig für heute verschi...., ENTSCHULDIGUNG!  Vielleicht doch eine Visitenkarte vom Tierschutz neben den Katzennapf legen?

Rasch gewaschen, Zähne geputzt, angezogen. Wo sind denn meine Schuhe? Ach, ja gestern war Junghundbesuch da. Selbst Schuld, wer bei einem Junghund nicht ordentlich ist. Ich finde den Schuh im Wohnzimmer unter dem Tisch. Wer braucht schon Schnürsenkel - Hauptsache er hat ihn nicht verschluckt. Ach, nein, da liegt er. Ich nehme den traurigen Rest meiner neuer Tennisschuhsenkel und entsorge ihn in der Mülltonne. Gerade will ich noch das Verpackungspapier von gestern wegräumen, da springt mir ein Kastenteufel aus dem Seidenpapier entgegen. Och, Katze, ENTSCHULDIGUUUUUUUUUUUUNG! Es tut mir leid, dass ich Deinen neuen Spielplatz jetzt ins Altpapier bringen muss, aber ich brauche Platz im Flur für Sachspenden.

Mit Verspätung brechen wir zum Morgenspaziergang auf. Die Müllzange will heute mit mir zanken und klemmt. Ist es ihr auch zu früh? Ich hebe die Glasscherben auf dem Weg mit der Hand auf. Nach dem Spaziergang.... - packen. Mit Verspätung geht es auf die Autobahn. Schnell eine SMS an den Helfer "komme etwas später". Die Autobahn ist frei, Gott sei Dank. Hoffentlich bleibt das heute so. Und hoffentlich wird es nicht zu warm. Tiertransporte in Hitze sind immer doof. Klimaanlagen machen die Tiere krank und ohne geht es auch nicht, weil es dann zu heiß im Auto wird. Fenster auf ist ein Risiko - Zugluft.

Der Helfer ist nicht am verabredeten Ort, aber ein anderer Helfer erbarmt sich - trotz der frühen Stunde - ob er auch noch kein Frühstück hatte? Spenden für Ungarn raus, Spenden für Spanien und für die Pflegestelle rein. Da fragt schon die Hängerfahrerin per Handy an, ob sie mit dem Pferdehänger starten soll - wie weit ich denn wäre. Wir starten aus unseren jeweiligen Städten gleichzeitig. Der Hänger ist langsamer, also rasch noch ins befreundete Tierheim, wir nehmen einen Teil einer trächtigen Meerschweinchenschwemme. Zum Dank erhalten wir Futter für Ungarn. Eine Hand wäscht die Andere. Wir steuern noch etwas Würfelzucker und Milch für die Tierheimküche bei - bei uns steht grad keine Veranstaltung an, wo wir dies rechtzeitig aufbrauchen könnten. Das Tierheimpersonal freut sich. Die Pfleger hatten noch kein Frühstück und da ist Kaffee mit Milch ein Ersatz.

Vor dem Tierheim steht ein Vater und erklärt seiner Tochter beleidigt, dass man jetzt nicht zu den Tieren könne, weil die Tiere noch ihr Frühstück verdauen müssen und Ruhe brauchen. Beide zeigen kein Verständnis, dass sie in einer Stunde wieder kommen sollen. Man hatte den Ausflug ins Tierheim ja schließlich JETZT geplant. Eine Familie kommt mit einer Katze auf dem Arm. Na, dann wollen wir mal hoffen, dass kein Hund um die Ecke geschossen kommt, die Katze erschreckt und verschwindet. Manche Leute sind einfach völlig schmerzfrei mit ihren Tieren. Sie verschwinden im Büro. Ich gehe mit, muss noch die Übergabepapiere für die Tiere ausfüllen. Die Familie erklärt, dass die vertrauensvoll schnurrende Katze auf ihrem Arm gerade erst zugelaufen wäre. Wie bitte? Wer soll das denn glauben? Für wie dumm halten die Leute uns Tierschützer eigentlich? Eine Frau erscheint: "Haben Sie vielleicht meinen Hund gefunden?  Er ist meinem Mann entlaufen, der mich benachrichtigt hat." Man hat, aber die Dame kann die erforderlichen Gebühren nicht zahlen, hat kein Geld dabei. Man schickt sie zum Geldautomaten. Schließlich war extra ein Mitarbeiter raus gefahren und hatte Wuffie eingesammelt. Futterauslagen kommen hinzu. Irgendwie muss das ja schließlich alles finanziert werden.

Ich trinke keinen Kaffee wie die Pfleger - also kein Frühstück, auch keinen Kaffee mit Milch. Wozu auch? Gibt genug zu tun. Futter umladen in der nächsten Sammelstelle. Die Helfer stehen bereits parat. Wir tauschen: Futter für Ungarn gegen Spendenfliesen für unsere Quarantäne. Noch rasch ein Spaziergang mit unseren 5 Hunden bevor wir wieder auf der Autobahn sind. Ein Schluck Cola während der Fahrt und ein Stückchen Käsekuchen aus der Tupperdose tun es auch als Frühstück. Wo sind die schönen Zeiten hin, wo Freiwillige uns noch bei der Arbeit mit gespendeten Mahlzeiten an Arbeitstagen unterstützten?

Rasch noch mit dem Helfer telefoniert, der heute morgen verschlafen hatte. Er muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln nachkommen. Der Pferdehänger startet Richtung Quarantäne, ich Richtung Endstation Schwebebahn, um den Helfer einzusammeln. Diese fährt nicht. Tja, Wuppertaler Rundschau kriege ich nicht mehr seit meinem Umzug, sonst hätte ich das vielleicht gelesen. Ich warte auf den Schwebebahnexpress. Viele andere Menschen auch. Der Hänger ist inzwischen an der Quarantäne eingetroffen, ich warte noch immer. Endlich kommt der Helfer. Wir starten rasch. An der Quarantäne hat man bereits ohne uns begonnen Fliesen auszuladen. Der Helfer kann gleich loslegen als wir ankommen. Treppauf, Treppab rennt er mit den Fliesen. Ich lade medizinische Hilfsgüter aus und stapele sie neben der Haustür. Erst einmal Katze wegpacken, bevor die Haustür geöffnet werden kann. Ich sehe sie gleich. Ein Helferhund ist mit rein gehuscht. Katze explodiert der Föhn. "Ach, Katze, das ist doch ein katzenverträglicher, Pflegestellen-erprobter Hund. Sei doch nicht gleich wieder beleidigt". Ich hab vergessen die Visitenkarte vom Tierschutz neben den Katzennapf zu legen. Bestimmt will sie sich jetzt beschweren.

Einen Kaffee für die Helfer, ein paar Kekse dazu. Rasch einen Schluck Cola für mich, dann weiter. Eine Helferin bestellt Pizza, ich bringe rasch den anderen Helfer nach Hause. Schnell noch ein paar Sachspenden bei ihm im Keller deponiert. Wir nutzen jedes Kleckschen Lagerplatz, was wir kostenlos gestellt bekommen. Jede Fahrt muss bei diesen Spritpreisen mit vollem Auto erfolgen. Wieder zu Hause. Die Meeries müssen noch versorgt werden. Irgendwie habe ich das Gefühl etwas vergessen zu haben. Was war es denn noch? Ach, egal, Frühstück am späten Nachmittag. Die Pizza schmeckt toll, doch die sehnsuchtsvollen Augen der 5 Hunde verbieten es mir keinen Rest zu lassen. Wir besichtigen die neue Außenvoliere - huch, da geht das elektrische Rollo runter, rasch schlüpfe ich drunter her, die Kollegin auch - es ist nachts definitiv noch zu kalt, um auf dem Balkon zu schlafen. Oh, diese Technik! Irgendwann muss ich mal die Gebrauchsanleitung lesen und umprogrammieren, wennnnn ich denn mal Zeit dazu habe und sie zwischen den vielen Telefonnotizen wieder finde. Das Telefon klingelt. Jemand fragt, ob wir auch Bartagame hätten. Nö, zur Zeit nicht - das hätte uns noch gefehlt. Ich verweise an eine Tierschutzkollegin. Der nächste Hundespaziergang steht an - dann die Meeries. Sie quieken nach Saftfutter - ok, ich komm ja schon. Schwangere können furchtbar ungeduldig sein, wenn man ihre Wünsche nicht rasch erfüllt.

Die Katze hat inzwischen in einen frisch gereinigten und desinfizierten Meerschweinchenkäfig gepinkelt, also wieder von vorne. Ich liebe meine Tiere. War da nicht noch was? Fällt mir gerade nicht ein. Die ganze Zeit denke ich, dass ich etwas vergessen habe... Das Hamsterrad quietscht - rasch einen Tropfen Olivenöl an das Lager getupft. Trockenkräuter im Käfig verteilt. Er soll sich seinen Lebensunterhalt ja erarbeiten. Also, Katzenclos reinigen, Näpfe für die Nacht vorbereiten. Drei Telefonate erledigen. Acht Mäuler möchten gefüllt werden. Verbandmittel müssen sortiert werden. Käfige müssen geschrubbt werden. Die neue Voliere muss eingerichtet werden. Und ... und... und...

Noch schnell die Mails kontrolliert und beantwortet. Warum nur habe ich die ganze Zeit das Gefühl ich habe etwas vergessen? Egal, rasch noch die Katzenstreu aufsaugen, die Katze im Eifer des Gefechts verteilt hat. Staubsauger weggeräumt. Verflixt, in die Dusche hat sie auch gepinkelt. Klar, wenn es aus dem Ausguss nach fremden Düften riecht, da muss man ja sein Revier abgrenzen. Also kurz die Dusche geputzt. Ich trete zurück, um die blitzblanke Duschtasche zu begutachten. "Och, ENTSCHULDIGUNG Katze, ich wusste ja nicht, dass Du hinter mir stehst. Ich wollte Dich wirklich nicht schubsen". Ebay habe ich noch nicht kontrolliert. Ein Angebot ist zurückgezogen worden - ok, dann morgen nicht nach Köln, auch gut, aber die Ambulanz hat dadurch noch keinen Edelstahltisch. Angebote prüfen, neue Angebote unter Beobachtung nehmen. Facebook erinnert mich an drei Geburtstage von Bekannten. Na, die sind ja noch nicht. Hoffentlich vergesse ich es nicht später zu gratulieren. Zweimal überboten worden - ok, dann legen wir noch mal was drauf. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Könnten wir noch etwas sparen wäre das auch nicht schlecht. Wäre mehr Geld für Tierarztkosten übrig.

Endlich etwas Ruhe - hatte ich nicht was vergessen? Ach, egal, das Telefon klingelt. Hoffentlich kein langes Gespräch, ich bin müde und muss noch duschen. Während des Telefonates versuche ich Ordnung zu schaffen. "Klar kannst Du morgen mal vorbeischauen", sage ich zu meinem Bruder, "wie komme ich zu der Ehre? Weil ich WAS ?????

- daaaaaaaaas war es, was ich vergessen hatte - meinen Geburtstag !!!!!"

Happy Birthday - liebe Tierschützer auf der ganzen Welt! Vergesst Ihr auch immer Euren eigenen Geburtstag?

Happy Birthday - liebe Tierschützer auf der ganzen Welt! Vergesst Ihr auch immer Euren eigenen Geburtstag?