
Der Tierarztbesuch - Diagnosen beim Tierarzt
Führt man sein krankes Tier beim Tierarzt vor, führt ein gescheiter Tierarzt viele Untersuchungen durch, die nur gemeinsam betrachtet eine Diagnose möglich machen. Wir möchten diese hier ein wenig für Laien erläutern. Doch es beginnt bereits zu Hause, wo Sie selber den Tierarztbesuch vorbereiten sollten.
Häusliche Vorbereitungen - im Vorraum der Tierarztpraxis
Wer ein krankes Tier zum Tierarzt bringt, ist häufig aufgeregt und macht sich große Sorgen. Das hat zur Folge, dass man beim Tierarzt mal wieder die Hälfte vergisst zu sagen. Nehmen Sie daher einen Notizblock und einen Stift mit. Notieren Sie bereits zu Hause einige Eckdaten, die dem Tierarzt helfen können die richtige Diagnose zu stellen. Einige dieser Daten hat ein Tierarzt zwar in der Kartei oder im PC und er kennt vielleicht Sie und Ihr Tier seit Jahren, aber der Tierarzt behandelt viele Tiere und Daten mühsam aus einer Kartei lesen oder im PC suchen, kostet Zeit. Sie können also die Zeit beim Tierarzt heftig für sich und die anderen wartenden Patienten verkürzen, wenn Sie eine gewisse Vorarbeit leisten. So betreten wir z. B. den Raum und sagen z. B.:
Pudel, Rüde, kastriert, 8 Jahre, Gewicht: 4,5 kg, Temperatur normal und sagen dann, was Ihnen aufgefallen ist an dem Tier, z. B. er schleift die Hinterpfoten hinterher..., hat Probleme beim Aufstehen nach Ruhezeiten...., erbricht eine Stunde nach den Mahlzeiten...., hat wässrigen Durchfall..., beknabbert seine Pfoten..., beleckt seinen After..., schüttelt seinen Kopf ... (ja, auch diese Angaben sind wichtig, sie geben ggf. Auskunft über Schmerzen oder Juckreiz, die irgendwo vorhanden sind.). Eine Kotprobe, Probe des Erbrochenen... liegt der Helferin bereits vor...
Zu diesem Zweck haben wir zuvor zu Hause in ruhiger und gewohnter Umgebung mit dem Digitalthermometer Fieber gemessen (bitte etwas Vaseline auf die Spitze geben, damit das Fieberthermometer leicht in das Tier gleitet und hinterher die Reinigung des Thermometers nicht vergessen, damit es in Notfällen gleich wieder einsatzbereit ist für die nächste Messung) und in der Praxis den Hund im Vorraum gewogen und das Gewicht von der Tierarzthelferin bei Anmeldung des Tieres in die Kartei oder den PC übertragen lassen und auch für uns notiert (z. B. unter Bemerkungen mit Bleistift im Impfpass hinten unter Anfügung des Datums). Im Impfpass haben wir ebenfalls mit Bleistift hinten vermerkt, wann das Tier zuletzt entwurmt wurde oder eine Parasitenbehandlung (Flohschutz, Zeckenschutz pp.) mit welchem Mittel erhalten hat. Denn auch dies wird - je nach Symptomen des Tieres erfragt. Natürlich ist es dazu erforderlich den Impfpass mitzubringen ;-).
Ebenfalls mitbringen sollten Sie bei Erbrechen oder Durchfall eine Probe des Erbrochenen oder eine Kotprobe. Zu diesem Zweck ist es sinnvoll sich ein paar Kotprobenröhrchen und fest schließende Plastikbehälter in die Hausapotheke zu legen. Sie erhalten diese bei Ihrem Tierarzt oder in der Apotheke. Die Proben beschriften Sie bitte mit Datum, Uhrzeit, Name des Tieres und Name des Tierhalters und geben Sie bei der Anmeldung des Tieres bereits der Sprechstundenhilfe. Das hat den ungemeinen Vorteil, dass Sie nicht mit einer unschön anzusehenden Kotprobe im Wartezimmer herumsitzen ;-).
Allgemeiner optischer Befund
Schon wenn Sie mit dem Tier zur Tür herein kommen, wird der Tierarzt mit der Untersuchung beginnen. Führen Sie einen Hund in die Praxis, sollte ein aufmerksamer Tierarzt bereits darauf achten, wie das Tier steht, sich bewegt und wie es läuft. Zugegeben, manchmal ist dies bei Betreten der Untersuchungszimmer schwierig, weil z. B. Frau Müller ihren kleinen Westi in der Box herein trägt oder Herr Braun größte Probleme hat seinen ängstlichen Berner überhaupt ins Untersuchungszimmer zu schleifen und dieser die 4-Pfoten-Bremse reingerammt hat und eher auf dem Po rutschend ins Zimmer bugsiert werden muss. Daher sollten diese Betrachtungen ggf. vom Tierarzt nach den anderen Untersuchungen noch einmal - bei verschlossener Untersuchungszimmertür - versucht werden.
Warnung !!!
Es sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein, dass Sie Ihren Tierarzt darauf aufmerksam machen, wie Ihr Tier sich beim Tierarzt verhält, BEVOR er es anfasst !!!
Der Tierarzt wird die Untersuchungen auch danach ausrichten, wie sie dem Tier den wenigsten Stress vermitteln. So sollte der Tierarzt BEVOR er das Tier anfasst wissen:
Muss er eine erfahrene Helferin zum Festhalten hinzuziehen, weil Sie vielleicht keine Übung haben die Ratte oder den Vogel festzuhalten?
Sollte er dem Hund lieber einen Maulkorb anlegen? (Bei außergewöhnlichen Schnauzenformen sollten Sie selber einen Maulkorb mitbringen, der Ihrem Tier gut passt. Tierärzte haben meist Nylonmaultüten und Plastikmaulkörbe in verschiedenen Größen da, aber bei einem Pekinesen, einem Boxer oder einem beißfreudigen Schäferhund, kann ein Maulkorb in besonderer Passform oder aus stabilem Metall angebracht sein.)
Benötigt der kleine Hund vielleicht eine Decke über dem Kopf, um sich anfassen zu lassen? (Gerade panische Tiere sind oft viel ruhiger beim Tierarzt, wenn sie NICHT sehen können, was mit ihnen gemacht wird oder die Katze vielleicht fest in eine Decke eingewickelt wird...). In einem solchen Fall sollten Sie eine geeignete Decke mitführen.
Benötigt das Tier ggf. ein Beruhigungsmittel vor näheren Untersuchungen? (Es gibt große und gefährliche Wachhunde, die ggf. vorher beruhigt werden müssen, damit der Tierarzt die Untersuchung überlebt ;-). Es gibt Hunde, die hyperventilieren und fallen um, wenn sie nur einen Untersuchungsraum betreten müssen (Hier ist es natürlich angezeigt, ggf. schon vorher bei der Anmeldung auf solche Fälle hinzuweisen. Tiere, die sich im Wartezimmer schon sehr aufgeregt sind, warten ggf. besser auf der Straße oder im Auto bis sie dran kommen. Auch hierauf bitte die Sprechstundenhilfe hinweisen. Sie kommt dann ggf. zum Auto oder vor die Tür, um Sie aufzurufen.)
Sollte für die Impfung der Katze vielleicht ein Zwangskäfig geholt werden? (Tierärzte verfügen über Gitterkäfige in denen die Katze mittels eines Schiebers fixiert werden kann für eine Impfung. Dies ist keine Tierquälerei, sondern für viele Tiere wesentlich stressfreier als der ellenlange Versuch sie zu fixieren, bei dem sie sich nur aufregen.)
Ist es sinnvoll, dass der Tierarzt lieber Schutzhandschuhe trägt, weil das Tier kratzt oder beißt? (Denken Sie selber an die Mitnahme von Schutzhandschuhen für sich, wenn Ihre Katze von Ihnen selber festgehalten wird und schnell kratzt oder beißt.)
Sind Sie in der Lage Ihr Tier besser selber festzuhalten, weil es dann erfahrungsgemäß ruhiger ist?
Sind Sie selber sehr aufgeregt? (Es kann dann ggf. sinnvoller sein, Sie schauen zu und eine erfahrene Tierarzthelferin hält das Tier, weil sich die Unruhe von Ihnen auf das Tier überträgt.)
Es sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein, den Tierarzt auf solche Gefahren hinzuweisen. Tierärzte werden leider oft genug in der Ausführung ihres Amtes verletzt. Das ist vermeidbar bei guter Zusammenarbeit des Tierhalters mit dem Tierarzt! Sie möchten doch nicht, dass Ihr Tierarzt die nächsten Wochen wegen entzündeter Wunden krank feiert, oder?
Gerade deshalb sollten Sie mit Ihrem Tier immer wieder Untersuchungssituationen simulieren und trainieren, damit das Tier sich so natürlich wie möglich verhält und nicht "unter dem Linoleum" in die Praxis gekrabbelt kommt. Besuchen Sie also ruhig auch einmal kurz ein Wartezimmer oder nehmen Sie das Tier auch zur Gewöhnung einmal mit zum Tierarzt, ohne dass es dort gleich schmerzhafte oder unangenehme Erlebnisse hat. Unsere eigenen Tiere benehmen sich beim Tierarzt deshalb schon relativ gelassen, weil wir sie immer dabei haben, wenn wir ein krankes Tier zum Tierarzt bringen müssen, was bei Tierschützern nicht gerade selten vorkommt.
Nach der Schilderung der Probleme wird ein gescheiter Tierarzt zunächst einen Blick in Augen, Ohren, auf die Nase, auf das Zahnfleisch (ggf. mit Druckprobe, um die Durchblutung zu prüfen) und ggf. den After werfen oder wird die ggf. vorhandene Verletzung anschauen und dazu ggf. angelegte Hundeschuhe oder Verbände entfernen.
Tastbefund
Als nächstes sollte ein Tastbefund erfolgen. Der Tierarzt tastet das Tier ab und stellt dabei fest, ob das Tier irgendwo schmerzhaft reagiert (Wirbelsäule, Magen, Darm, Pfoten...) oder ob Organe Veränderungen in der Größe oder der Härte zeigen (Milz, Magen, Darm ...). Ggf. wird auch der Puls des Tieres gefühlt. Rücksichtsvolle Tierärzte machen einige dieser Untersuchung auf dem Boden, wenn Ihr Tier große Angst hat auf den Tisch zu müssen, doch einige Untersuchungen sind einfach auf Augenhöhe einfacher. Daher sind die Untersuchungstische höhenverstellbar. Fragen Sie Ihren Tierarzt, ob die Untersuchung auf dem Boden stattfinden kann oder ob er ggf. den Untersuchungstisch zunächst herabsenken kann.
Weitere Befunde
Je nach Symptomen und Untersuchungsergebnissen wird der Tierarzt nun evt. weitere Untersuchungen vornehmen oder bereits behandeln, wenn er sich relativ sicher ist, was das Tier hat. Weitere Befunde können z. B. sein:
Spaltlampenuntersuchung
Tränenflüssigkeitstest
Ultraschall
Röntgen
EKG
Abstriche
Tupferproben
Antibiogramme
Augenuntersuchungen oder auch die
Überweisung zu einem Spezialisten,
der weitere Untersuchungen anstellt. Insbesondere bei Augenproblemen, Herzproblemen, Knochenproblemen kann dies besonders sinnvoll sein, weil dort weitere Untersuchungen auch davon abhängig sind, dass gute Geräte vorhanden sind und Ergebnisse auch fachlich kompetent ausgewertet werden. So hat z. B. nicht jeder Dorftierarzt ein hochwertiges Ultraschallgerät, ein Röntgengerät, was auch Feinheiten zeigt oder ein EKG oder Endoskop. Im Augenbereich sind weitere Spezialgeräte ggf. erforderlich über die nicht jeder Tierarzt verfügt. Zudem kann - je nach Gesundheitszustand des Tieres und je nach Untersuchung - eine Vollnarkose für weitere Untersuchungen erforderlich sein. Je nach Untersuchung ist vielleicht eine Inhalationsnarkose angezeigt, die nicht jeder Tierarzt in seiner Praxis durchführen kann.
Für manche Untersuchungen und Behandlungen ist es erforderlich, dass das Tier eine Weile unter tierärztlicher Beobachtung steht und nicht jeder Tierarzt hat die Möglichkeit einer stationären Unterbringung größerer Tiere. Dies ist evt. nur in einer Klinik möglich. Bitten Sie Ihren Tierarzt um eine Klinikempfehlung. Er weiß in der Regel, wer in der Umgebung über die entsprechenden Ausstattungen verfügt. Moderne Kliniken sind auf die Zusammenarbeit mit Tierärzten eingestellt. Bevor Sie zu einem Spezialisten fahren oder in eine Klinik, fragen Sie Ihren Tierarzt nach seiner E-Mail-Anschrift und notieren Sie die Postanschrift des Tierarztes, damit evt. diagnostische Ergebnisse an den "Haustierarzt" gesandt werden können. Kliniken verschicken inzwischen sogar Röntgenaufnahmen per Mail oder CD, die der Haustierarzt dann ebenfalls anschauen kann.
Der Spezialist in der Praxis
Viele Tierärzte arbeiten inzwischen mit fachlich kompetenten Spezialisten, Kliniken oder auch Physiotherapeuten und Krankengymnasten oder gar geschulten Tierfriseuren zusammen, die an gewissen Tagen in deren Praxis kommen. So kann es erforderlich sein, dass der Tierarzt einen weiteren Termin mit Ihnen vereinbart. Es kann also auch nicht schaden, wenn Sie Ihren Terminkalender mit zum Tierarzt nehmen ;-), um Ihrem Tier schnellstmöglich zu helfen.
Wir wünschen Ihrem Tier GUTE BESSERUNG und Ihnen dicke Nerven!
Das Team der Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.