Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr? Erziehung ganz nebenbei...

Welpen werden durch vieles abgelenkt - sie können sich nur kurz konzentrieren und dürfen beim Training nicht überfordert werden. Die lustige Nuba wurde für dieses Foto beim Spielen gestört.

Spätestens wenn Interessenten bei uns nach Welpen oder Junghunden verlangen, hören wir es immer wieder : "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!", wird da behauptet. So möchten viele Menschen einen jungen Hund oder Welpen, weil "der ja noch alles lernen kann". Aha! Wir können dies absolut nicht bestätigen! Bei uns lernt auch jeder erwachsene Hund und das wesentlich schneller als die jungen Hunde, die noch viel zu unkonzentriert und abgelenkt sind und die jeden kleinen Erziehungsfehler "krumm" nehmen.

Gerade in den letzten Monaten habe ich meiner Hündin (9 Jahre alt) wieder Neues "beigebracht". Habe ich es ihr wirklich beigebracht? Nein! Denn unsere Hunde können viel mehr als wir denken, sie bieten uns so vieles an, was wir nur nutzen müssen. Wir müssen nur die - für uns "richtigen" Verhaltensweisen fördern und unerwünschtes Verhalten NICHT fördern.

In jedem Hund steckt ein Wachhund. Der eine verteidigt Ressourcen wie Platz, Haus, Auto oder Futter, andere warnen das Rudel vor Gefahren. Wachsamkeit liegt in den Genen, bei einer Rasse mehr, bei der anderen weniger. Beckham bellt eher aus Angst und warnt die anderen Hunde.

Bisher wohnte ich in einem Mehrfamilienhaus. Obendrein kann ich Kläfferei nicht ausstehen. So haben wir es immer so gehandhabt, dass die Hunde, die bei uns lebten, anschlagen durften und sie dann aufgefordert wurden sich ruhig zu verhalten. Gelobt wurde also das kurze Anschlagen und danach wurde dem Hund signalisiert "jetzt übernehmen wir und Du hältst Dich zurück". Der Hund gewöhnte sich im Mehrfamilienhaus an viele Menschen, die durchs Treppenhaus gingen, schlug aber nur an, wenn etwas Außergewöhnliches an Geräuschen im Treppenhaus aufkam oder direkt vor der Wohnungstür etwas "stattfand". Und ich war äußerst dankbar dafür als jemand nachts versuchte am Schloss zu manipulieren und der Hund böse knurrte und dann laut anschlug (auch wenn es "nur" meine Tochter war, die nach einer ausgiebigen Feier Probleme hatte das Schlüsselloch zu finden - ich stand bereits bewaffnet hinter der Tür ;-)).

Aufmerksam bewacht Alex das Grundstück

Nun bewohnen wir ein freistehendes Haus, wo mehr Wachsamkeit angebracht ist und einmal mehr bellen gar nicht falsch ist und obendrein die Nachbarn nicht so stört. Unmöglich kann ich selber alles wahrnehmen bei so einem großen Haus. Da saugt man im Keller und hört den Paketboten nicht klingeln, da ruft jemand im Garten, aber man telefoniert und hört es nicht... Da ist Wuffies Nase viel feiner, das Gehör des Hundes viel schärfer. Der Hund wird also nun gelobt, wenn er anschlägt. Ich nehme seine "Nachrichten" ernst und schaue jedes Mal SOFORT nach, wenn die "Dame des Hauses" meldet: "Da passiert etwas direkt am Haus. Frauchen, komm mal gucken!" Sie freut sich, dass ich sie ernst nehme, lobe und ist froh mir Arbeit abnehmen zu können. Inzwischen ist sie weitaus aufmerksamer, wenn sich jemand ums Haus bemerkbar macht.

Bei Aveiro sieht man deutlich, wie er streicheln genießt. Der zufriedene Blick spricht Bände. Es muss nicht immer ein Leckerchen sein, womit man seinen Hund belohnt.

Man musste dem Hund lediglich klar machen, was man von ihr erwartet und schon hatte sie es kapiert. Hunde möchten gefallen und nichts macht ihnen mehr Freude als Aufgaben zu erfüllen. Dabei bieten Sie so viele Verhaltensweisen von Natur aus an. Es liegt lediglich an uns, dem Hund mit kleinen Gesten zu signalisieren, was wir gut finden, wann wir es gut finden und was und wann nicht. Alles weitere ist nur eine Frage der Partnerschaft zwischen Hund und Mensch und dafür benötigen wir nicht mal eine Hundeschule oder Training. Wir respektieren uns einfach und mögen uns und zeigen uns das auch. Der Rest läuft dann so ganz einfach nebenbei.

Bindung und Partnerschaft ist alles. Doch dazu muss man auch versuchen seinen Hund zu verstehen.

Restaurantbesuch mit ruhigem Hund

Beim Besuch im Straßenrestaurant liegt Gloria zufrieden im mitgebrachten Korb und kaut einen Knochen. So kann Frauchen in Ruhe Spaghetti wickeln.

Versuchen Sie es doch einmal. Loben Sie Ihren Hund doch für das, was Sie an seinen Verhaltensweisen mögen. Sie möchten einen ruhigen Hund, der Sie unauffällig überall hin begleiten kann? Dann nehmen Sie Ihren Hund auch häufig mit. Ja, Sie hören richtig, denn es ist der erste Schritt auch Trainingssituationen zu schaffen, in denen Sie dem Hund zeigen können, was Sie mögen und was nicht. Sie möchten, dass der Hund ruhig zu ihren Füßen im Restaurant liegt? Ok, dann gehen Sie doch zu Fuß zum Restaurant. So hat der Hund vorher einen Spaziergang und kommt schon müde und ausgelastet dort an. Nun soll er sich hinlegen und sich mit sich selbst beschäftigen? Dann weisen Sie ihm doch zunächst einen bequemen Platz zu, wo er sich ausruhen kann. Nehmen Sie seine Lieblingsdecke mit. Es gibt heute wunderschöne, weiche Outdoordecken aus Stepp, die sich in handliche Bezüge verstauen lassen. Das Restaurant findet es sicher auch gut, wenn die Hundehaare auf der Decke bleiben, statt auf dem Teppich. Wie liegt Ihr Hund gerne?

Lernen Sie die Vorlieben Ihres Hundes kennen. Diese Maus hat gerne ein Dach über dem Kopf und schläft zufrieden in einer Schublade unter der Eckbank. Im Restaurant könnte man ihr ein Höhlenkörbchen oder ein Körbchen unter einer Bank anbieten.

Mag er ein Dach über dem Kopf (Tisch, Bank), hat er gerne eine Wand im Rücken? Bevorzugt er eine Ecke? Liegt er gerne nah bei Ihnen oder so, dass er sie bequem beobachten kann? Suchen Sie schon danach den Tisch aus. Wo ist genügend Platz für den Hund - ohne, dass der Kellner auf ihn tritt oder ihn stört? Vielleicht ein Eckplatz? Neben welchem Tisch oder unter welchem Tisch ist genug Platz? Wo gibt es eine Ecke, die den Lieblingsliegeplätzen ihres Hundes am meisten entspricht? Dorthin kommt seine Decke. Der Hund bekommt nun das Kommando sich dort hin zu legen. Er bekommt es kurz, knapp und eindeutig. Legt er sich, wird er gelobt.

Winni und Trus kauen simultan zufrieden ihre Ochsenziemer. Sie sind völlig mit sich beschäftigt.

Jetzt soll er sich mit sich selbst beschäftigen. Wann tut er das zu Hause? Unter welchen Bedingungen? Hundeerziehung beginnt immer mit der Beobachtung des Hundes. Was bietet der Hund von selbst an? Sind dabei Verhaltensweisen, die wir in anderen Situationen gebrauchen können? Ihr Hund liegt zu Hause ruhig zu Ihren Füßen? Prima, denn das soll er im Restaurant ja auch. Also loben wir Wuffie auch zu Hause häufig, wenn er ruhig zu unseren Füßen liegt. Das ist schon Training für unterwegs, für den Restaurant- oder Verwandtenbesuch, für das Warten beim Einkaufen, für geruhsames Autofahren. Loben Sie den Hund nicht nur einmal. Loben Sie ihn jedes Mal, wenn er ruhig bei ihnen liegt. Glauben Sie uns, er wird es sich merken. Hunde werden - wie Menschen auch - gerne gelobt. Je öfter sie für ein bestimmtes Verhalten loben, um so öfter wird der Hund es anbieten.

Wie beschäftigt sich der Hund zu Hause selber? Wann liegt er versonnen auf seinem Platz und ist sich selbst genug? Wenn er einen Knochen kaut? Ok, dann nehmen Sie doch ins Restaurant ein Stück getrocknetes Rindfleisch mit und geben es ihm, wenn er sich artig auf seine mitgebrachte Decke gelegt hat. Er liebt Büffelhautknochen, dann nehmen Sie den mit. "Mein Hund braucht doch keine Decke", mögen Sie jetzt sagen. Nein, braucht er vielleicht nicht, aber Sie werden sehen, dass es wesentlich einfacher ist, Wuffie eine bestimmte Ecke auszusuchen, wenn man diese kennzeichnet. Die mitgebrachte Decke zeigt dem Hund "das ist MEIN Platz" und Ressourcen lieben alle Hunde. Es fällt so wesentlich einfacher dem Hund eine bestimmte Ecke - fern ab von Kellnerbeinen oder vorbeilaufenden Kindern und Hunden - zuzuweisen. Beherrscht der Hund später die Routine im Restaurant, können Sie die Decke weglassen und ihm einfach einen Platz zuweisen, es sei denn, es ist ein Windhund, dann gönnen Sie ihm die Decke doch immer. Aber ehrlich gesagt: Unsere Hunde genießen es, wenn "ihr Platz" mitgenommen wird und das ist uns das Tragen der Decken wert. Übrigens, Hunde, die gerne apportieren können auch lernen die eigene Decke zu apportieren ;-).

Bob & Melvin beim Verwandtenbesuch - Die Decke zeigt ihnen, wo sie sich hinlegen sollen.

Ellior beim Tierschutzstammtisch - die mitgebrachte Decke und der Schwappnapf mit Wasser sorgen für Komfort, damit der Hund sich im Restaurant wohl fühlt.

Trus & Lilli teilen sich eine Decke beim Tierschutzstammtisch, Toffee zieht ein Körbchen mit Sachspenden als Ruheplatz vor beim Stammtisch.

Xena & Kira haben zur Jahreshauptversammlung im Restaurant ihren Wassernapf und eine Decke mitgebracht. Das ist ihr kleines Revier auf fremden Terrain und gibt ihnen Sicherheit.

Der Hund knabbert nun sein getrocknetes Rindfleisch. Nutzen Sie die Zeit. Loben Sie Ihren Hund. Er liegt still, er liegt auf dem zugewiesenen Platz, den Sie nach seinen Lieblingsliegekriterien ausgesucht haben. Prima. Dann loben Sie ihn. Nicht einmal, sondern oft. Erzählen Sie dem Hund begeistert, dass er dies prima macht. Er wird es genießen und sich entspannen. Entspannung macht müde und nun können Sie Ihre Bestellung aufgeben.

Der Kellner kommt. Freuen Sie sich darüber, aber halten Sie die Leine kurz, falls Ihr Hund die Ressource Futter gerne verteidigt, sonst frisst er nachher den Kellner, der dem Rindfleisch zu nahe kommt. Begrüßen Sie den Kellner freundlich, das freut den Kellner, aber signalisiert auch dem Hund, dass der Kellner kein böser Feind ist, der ihren Tisch oder dem Hund das Rindfleisch klauen will. Loben Sie den Hund, wenn der Kellner am Tisch steht und der Hund sein Rindfleisch weiter kaut. Bei einem sensiblen Hund reicht ein freundliches Lächeln in seine Richtung, da brauchen Sie nicht vor dem Kellner große Reden mit ihrem Hund zu schwingen. Nun weiß der Hund, dass Sie nicht von ihm erwarten, dass er den Kellner verbellt oder vom Tisch vertreibt. Tut er dies, sagen Sie dem Hund ruhig, dass es ok ist, dass der Kellner an den Tisch kommt. Tun Sie auch dies mit einem kurzen Kommando "ist ok, platz". Achten Sie darauf, dass der Hund liegen bleibt. Liegen entspannt! Lassen Sie nun den Kellner nicht den Hund streicheln oder ansprechen. Der Hund soll ja ruhig liegen bleiben und nicht den Tisch verteidigen. Machen Sie dies dem Hund klar. Mit schlichten, kurzen und eindeutigen Kommandos und nicht mit Diskussionen wie "Du sollst doch nicht bellen!" Das ist "blablabla" für Ihren Hund. Sagen Sie "aus" und dann "platz", wenn der Hund aufsteht, um den Kellner vom Tisch zu vertreiben. DAS versteht er. Und loben Sie ihn sofort, wenn er das Kommando ausführt. Macht er dies nicht, wiederholen Sie das Kommando und verlangen seine Aufführung. Nie das Loben vergessen, wenn der Hund hört. Immer gelassen und freundlich bleiben, aber konsequent.

Bleiben Sie nun in der Trainingsphase nicht ellenlang im Restaurant und bestellen Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise. Es ist nur eine Übung. Halten Sie die Trainingseinheit kurz. Es reicht, wenn Sie anfangs nur ein Glas Wasser bestellen. Dies können Sie austrinken, während der Hund sein Trockenfleisch kaut und zahlen und gehen dann. Machen Sie danach einen netten, kleinen Spaziergang und Wuffie wird das kurze Training genießen.

Beim nächsten Mal dürfen Sie dann schon ein Stück Kuchen dazu bestellen und einen Kaffee trinken. Wiederholen Sie alles wie gehabt: Guten Platz aussuchen, Decke auslegen, Hund Platz zuweisen, loben, Rindfleisch aushändigen und während der Hund kaut, wieder loben. Trinken Sie den Kaffee und essen ein Stück Kuchen. Zahlen Sie und machen Sie einen netten Spaziergang.

Wuffie wird schnell kapieren, dass Restaurantbesuche schön sind, dass es da viel Lob gibt, ein gutes Knabberleckerchen und wird bald darauf brennen mit Ihnen Restaurants aufzusuchen.

Mit 9 Hunden im Urlaub in ein kleines Restaurant am Hafen - es geht, wenn alle artig sind. Darüber waren nicht nur die Kellner, sondern auch alle vorbeilaufenden Touristen erstaunt. Die Hunde waren vorher ausführlich spazieren, haben im Teich getrunken und beim Metzger ein Stück Hundewurst bekommen. So sind sie satt, zufrieden und ausgeglichen. Unsere Tierschutzhunde haben es allerdings auch trainiert - so ganz nebenbei, denn wir essen gerne ;-) und unsere Hunde sind überall dabei.

Geübte Hunde nehmen es auch nicht krumm, wenn mal keine Decke dabei ist.

Windhunde jedoch schon - sie würden die ganze Zeit stehen bleiben, wenn Herrchen nicht seinen Anorak als Schlafplatz geopfert hätte. Sie lieben es weich, denn sie haben kein polsterndes Unterfell...

... wie Husky oder Schäferhund.

Auf diese Art haben bei uns viele, viele - oft sehr betagte - Hunde gelernt, dass wir im Restaurant auch ihre Bedürfnisse berücksichtigen und es Spaß macht, wenn man im Restaurant ruhig liegen bleibt. Ein satter Hund, der einen netten Spaziergang hinter sich hat und sich lösen konnte, würde der natürlichen Veranlagung nach sowieso jetzt ein Nickerchen halten. Nutzen Sie diese natürlich Verhaltensweise und loben Sie den Hund, was das Zeug hält.  Die Gedanken des Hundes sind dann vermutlich: "Super, ich bekomme alles, was ich sowieso machen wollte und Frauchen ist auch noch stolz auf mich dafür und lobt mich. Das gefällt mir. Das ist einfach, das kann ich."

 

Also, ganz klar "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans später viel schneller"! Und "Erziehung so ganz nebenbei" funktioniert immer nach dem selben Prinzip:

Bedürfnisse des Hundes ermitteln und befriedigen

(Was braucht er um sich wohl zu fühlen? Bewegung, Abwechslung? Dann eben einen Spaziergang vorab. Futter, Wasser, Liegeplatz, Schatten, Sonne, Ruhe, Dach über dem Kopf? Ok, dann bekommt er halt einen Schwappnapf, eine Ecke an der Wand unter dem Tisch und einen Streifen getrocknetes Rindfleisch mit viel Lob serviert)

Vorher schon Hund gut beobachten und angebotene Verhaltensweisen nutzen

(Wann schläft der Hund sowieso? Dann gehen wir eben um diese Zeit ins Restaurant. Wann verhält er sich ruhig und beschäftigt sich mit sich? Dann lassen wir ihn eben einen Knochen kauen.)

Wann ist der Hund glücklich mit uns?

(Wenn wir ihn loben? Dann tun wir das doch. Wenn er ein Leckerchen bekommt? Dann geben wir ihm doch eines. Machen wir doch unsere Hunde glücklich!)

Was ist falsch an einem Leckerchen zur Belohnung, wenn der Hund etwas gut macht - inzwischen versuchen "Experten" dies teilweise kaputt zu reden. Lassen Sie sich nicht beirren. Liebe geht durch den Magen - ein Leckerchen zur rechten Zeit zeigt dem Hund "das war prima". Bei diesem Podenco und seinem Frauchen stimmt die Kommunikation.

Wie lange hält der Hund diese Verhaltensweise durch?

(Einen Knochen lang? Dann bestellen wir halt nur ein Getränk, wir sind ja noch in der Übungsphase.)

Welche Bedürfnisse hat der Hund hinterher?

Luna reicht auch als Belohnung der Ball - jeder Hund hat andere Vorlieben.

(Er möchte Ball spielen? Dann gehen wir doch hinterher auf die Hundewiese und schmeißen ihm den Ball. Er mag frische Schnüpperchen, dann lassen wir ihn doch vor dem Restaurant schnuppern. Er möchte nach Hause, weil er sich dort am Wohlsten fühlt, dann gehen wir doch auf dem kürzesten Weg nach Hause - was bitte spricht dagegen den Hund glücklich zu machen?)

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Nach dem selben Prinzip können Sie nun den Hund z. B. zur Wachsamkeit erziehen oder ihm das Bellen abgewöhnen:

Wachsamkeit fördern

Herdenschutzhundmix Chillan hat die Wachsamkeit in den Genen. Herdenschutzhunde wurden gezüchtet, um die Herde zu schützen und im Notfall zu verteidigen. Doch auch sie müssen trainieren ihre Anlagen richtig einzusetzen.

Bedürfnis des Hundes: Aufpassen. Das Rudel warnen. Ressource Heim verteidigen. Befriedigen: Er darf bellen, wenn jemand kommt. Er darf Gefahren anzeigen. Nur das Verteidigen übernehmen bitte wir. Er darf dabei bestenfalls helfen und das nur im Notfall. Wann ein Notfall ist, wird der Hund sowieso an Ihrer Verhaltensweise merken.

Schäferhündin Valeria beobachtet aufmerksam alles, was auf ihrem Grundstück passiert.

Beobachten: Er bellt immer, wenn jemand vor dem Haus parkt oder jemand vor der Tür steht. Prima. Angebotene Verhaltensweise nutzen: Wir loben ihn, wenn er bellt, wenn jemand vor dem Haus parkt oder vor der Tür steht und klingelt oder klopft. Wir loben ihn, wenn er gehört hat, dass der Briefträger Post in den Briefkasten geworfen hat.

Wann ist der Hund glücklich? Wenn wir ihn ernst nehmen, ihn beachten, ihm Sicherheit geben. Wir schauen mit dem Hund gemeinsam nach, was er entdeckt hat und loben ihn, dass er etwas entdeckt hat, nämlich einen Menschen, der vor dem Haus parkt. Wir "stellen uns der Gefahr" und schützen ihn davor.

Wie lange hält der Hund diese Verhaltensweise durch? Wir gehen sofort mit ihm an die Tür und schauen nach, in der Zeit, wo der Parker vor dem Haus noch interessant für ihn ist.

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Kläffen abgewöhnen

Jasper ist ein "Warngeber". Einen Warngeber hat jedes Hunderudel. Das Sprichwort "Hunde, die bellen, die beißen nicht", stimmt zwar nicht, aber häufig sind die kläffreudigen Warngeber eines Rudels nicht die Mutigsten. Sie weisen nur die Rudelführer auf das Herannahen einer Gefahr hin. Nutzen Sie die Anlagen ihres Hundes für die Erziehung - es nimmt Ihnen Arbeit ab.

Bedürfnis des Hundes: Aufpassen. Rudel warnen. Ressource Heim verteidigen. Befriedigen: Er darf anschlagen, wir schauen nach und bekunden unser Interesse, er bekommt dann ein Abbruchkommando, wir stellen uns der Gefahr und der Hund wird aber erst gelobt, wenn er abbricht.

Beobachten: Er bellt immer, wenn jemand vor dem Haus parkt. Angebotene Verhaltensweise nutzen: Wir loben ihn, wenn er bellt, wenn jemand vor dem Haus parkt. Wir schauen nach, wer da ist, dann untersagen wir weiter zu bellen, wir übernehmen das Aufpassen, stellen uns vor den Hund und stellen uns der "Gefahr", der Hund steht hinter uns, wir loben, wenn er ruhig ist und uns die weitere Vorgehensweise überlässt. Wir sagen ihm, wir haben die Lage geprüft "ist ok, war nur der Nachbar, z. B.". Der Hund hört an unserer Stimmlage, dass keine Gefahr droht.

Welches Bedürfnis hat der Hund hinterher? Möchte er lieber gestreichelt werden oder möchte er ein Leckerchen oder einen Spaziergang? Gönnen wir ihm das doch.

Auch ein Spaziergang kann eine Belohnung für einen gehorsamen Hund sein. Der Auslauf sorgt dafür dass die temperamentvolle Schnauzer-Terrier-Hündin Sukie hinterher gelassen im Restaurant liegt, belohnt aber auch nach dem stillen Herumliegen und sorgt für Ausgleich bei dem jungen Hund. Also Restaurantbesuch zwischen zwei Spaziergänge legen.

Wann ist der Hund glücklich? Wir schauen mit dem Hund gemeinsam nach, was er entdeckt hat und loben ihn, dass er etwas entdeckt hat, nämlich einen Menschen, der vor dem Haus parkt. Wir übernehmen nun die Führung, wir lösen den Hund von seiner Aufpasseraufgabe ab, indem wir ihn ruhig stellen, ihm die Aufgabe abnehmen und selbst nachsehen, wer dort ist. Wir loben ihn, wenn er aufs Abbruchkommando folgt und artig hinter uns steht.

Wie lange hält der Hund diese Verhaltensweise durch? Wir gehen sofort mit ihm an die Tür, schauen nach. Sagen, dass alles ok ist und schicken den Hund auf seinen Platz. Dort loben wir ihn. Auf dem Platz bekommt er ein Leckerchen.

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Der Hund soll sich artig die Pfoten abtrocknen lassen?

Bedürfnis des Hundes: Trockene Pfoten. Anfassen an den Pfoten mag er nicht, das Gleichgewicht verlieren auch nicht. Befriedigen: Wir trocknen rasch mit Kleenex die Pfoten. Wir berühren den Hund dafür nur leicht, Kleenex saugt auch bei rascher und zarter Berührung. Wir stützen den Hund oder lassen ihn abliegen, damit er nicht das Gleichgewicht verliert. Wir halten die Pfote nicht fest.

Hund beobachten und angebotene Verhaltensweisen nutzen: Der Hund legt sich hin und leckt die Pfoten. Wir lassen ihn "platz" machen und trocknen dann rasch die Pfoten. Wir nehmen ihm also die Arbeit ab, die er eh machen würde.

Wann ist der Hund glücklich mit uns? Wenn wir ihn loben, ihm helfen trockene Pfoten zu kriegen. Wenn wir ihn nur kurz und leicht berühren und ihn nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Er ist glücklich, wenn seine Pfoten trocken werden, ohne, dass er dabei mit der Pfote fixiert wird (festhalten der Pfote, "Hilfe, ich hänge fest!")

Wie lange hält der Hund die Verhaltensweise durch? Nur kurz, daher beeilen wir uns und nehmen saugfähige Kleenextücher.

Welche Bedürfnisse hat der Hund hinterher? Er bekommt ein Leckerchen oder sein Lieblingsspielzeug hinterher oder wir kraulen ihn ausgiebig.

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Der Hund soll sich artig bürsten lassen?

Bedürfnis des Hundes: Soziale Zuwendung, Massage, gekrault werden, Entspannung.

Befriedigen: Nach dem Spaziergang und einem guten Essen will der Hund ausruhen. Wir rufen ihn zu uns, er bekommt das Kommando "platz" (Bürstutensilien vorher dort bereitlegen). Wir streicheln ihn, erst mit der Hand, dann mit der Hand mit einem Waschhandschuh und wenn er ganz entspannt da liegt und es genießt, dann nehmen wir eine weiche, nicht zippende Bürste. Wir bürsten oder berühren den Hund zunächst nur dort, wo er es mag. Stellen, wo er es nicht mag, berühren wir nur ganz leicht und nur kurz und machen dann gleich wieder mit einer Lieblingsstelle weiter.

Hund beobachten und angebotene Verhaltensweisen nutzen: Nach Spaziergang und Fressen will der Hund ausruhen und entspannen. Wir bieten ihm dies, allerdings auf Kommando.

Wann ist der Hund glücklich mit uns? Wenn wir ihn loben, ihn an angenehmen Stellen streicheln. Wenn wir ihn leicht berühren oder kraulen und er dabei bequem liegen kann. Wenn wir nicht sein Vertrauen missbrauchen und ihn ziepen oder ihm weh tun.

Wie lange hält der Hund die Verhaltensweise durch? Sie werden sich wundern ;-). Wenn er unruhig wird, gar aufstehen will, lassen Sie ihn, brechen Sie ab.

Welche Bedürfnisse hat der Hund hinterher? Er bekommt ein Leckerchen und wird gelobt, wenn er fein still gelegen hat.

Also, erziehen Sie Ihren Hund doch mal ganz nebenbei. Übertragen Sie das Muster auf andere Gebiete. Sie werden sehen, er lernt schneller als Welpe "Hänschen", denn er ist ein erwachsener "Hans" mit viel mehr Geduld, schnellerer Auffassungsgabe und mit mehr Erfahrung, der auch nicht jeden kleinen Fehler gleich krumm nimmt und er kann sich viel besser konzentrieren als &qu/font>

Also, erziehen Sie Ihren Hund doch mal ganz nebenbei. Übertragen Sie das Muster auf andere Gebiete. Sie werden sehen, er lernt schneller als Welpe "Hänschen", denn er ist ein erwachsener "Hans" mit viel mehr Geduld, schnellerer Auffassungsgabe und mit mehr Erfahrung, der auch nicht jeden kleinen Fehler gleich krumm nimmt und er kann sich viel besser konzentrieren als "Hänschen", denn ihn lenkt nicht mehr so vieles ab.

Die Trainingseinheiten werden dann immer länger und irgendwann können Sie auch Vorspeise, Hauptspeise und Dessert in Ruhe im Restaurant essen ;-) oder vor und nach etwas fester die Pfoten wischen und dabei ein Handtuch, statt Kleenex, benutzen. Vor und nach können wir dann auch die weiche Bürste gegen eine härtere Bürste oder einen Entwirrkamm tauschen, wenn wir ihn damit nicht ziepen oder kratzen. Der Hund lernt nämlich Ihnen zu vertrauen, wenn Sie stets verlässlich für ihn sind.

Wir wünschen Ihnen und Ihrem Hund viel Spaß beim Üben

Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.