Aber heute putze ich die Fenster...

Meine Freundin rief an und fragte, ob wir mit den Hunden spazieren gehen würden - trotz des Regens. Ich fragte sie erstaunt: "Welcher Regen?", denn sie wohnt eigentlich nur wenige hundert Meter entfernt von mir und es war davon auszugehen, dass sie das gleiche Wetter haben würde, wie ich vor der Tür. Da wusste ich, es war wieder so weit. Die Fenster mussten geputzt werden, damit ich selbst sehen könnte, wann es regnet und wann nicht.

Also nahm ich mir vor am nächsten Tag gleich die Fenster zu putzen. Fröhlich stellte ich mir den Wecker auf 8.00 Uhr, um diese langweilige Aufgabe gleich hinter mich zu bringen, wenn ich von Hundespaziergang zurückkommen würde. So machte ich mich morgens gleich frisch ans Werk, stellte die Putzutensilien heraus und wollte gerade anfangen, da klingelte das Tierschutztelefon. "Guten Tag, sind Sie die Tierrettung?" "Nein, eine Tierrettung haben Sie nicht angerufen, aber einen Tierschutzverein. Was für ein Problem haben Sie denn?", fragte ich und fischte unter dem Regal nach dem Erste Hilfe Koffer für Tiere und mit der anderen Hand zog ich den ersten Turnschuh an.

"Wir haben hier so einen komischen Vogel gefunden. Der ist bestimmt verletzt." "Wie groß ist der Vogel und wo ist er verletzt? Welche Farbe hat der Vogel und wie sieht der Schnabel aus? Wo ist der Vogel jetzt und wie ist er untergebracht?" "Also, ich weiß nicht, die Größe ist vielleicht wie bei einem Schwan und wir haben ihn in einen Umzugskarton gesteckt - mit Luftlöchern natürlich, aber er macht ganz nett Krach darin. Verletzt ist er am Flügel." Schluck, dachte ich, dafür muss ich eine große Hundebox aus dem Keller holen, falls der Umzugskarton nicht sicher genug wäre. Ich suchte mit einer Hand nach dem Kellerschlüssel, während ich erneut fragte, welche Farbe der Vogel denn habe und wie die Füße aussehen würden, ob es eher Zehen wie bei einem Singvogel wären oder ob es nach Schwimmfüßen aussehen würde. Würde mich ja doch einmal interessieren, was das für ein Tier sei. "Na, die Farbe ist irgendwie bunt." Aha, na, das brachte nicht wirklich weiter. Fieberhaft überlegte ich, was für ein Vogel das sein könnte. In den Keller konnte ich während des Telefonats nicht gehen, denn dort würde ich das Netz verlieren. "Und welche bunten Farben? Wie sieht der Schnabel aus, eher wie bei einer Ente oder lang und spitz und wie lang ist der Schnabel?" Es müsste doch herauszufinden sein, ob es sich eher um einen Körnerfresser oder einen Insektenfresser handeln würde. "Na, die Farben sind irgendwie weiß und irgendwie bunt, ich glaube, gelb und schwarz sind auch dabei, aber ich kann ja jetzt nicht nachsehen, weil das Tier ja im Karton ist und wir hatten Probleme genug, das Tier da rein zu kriegen. Wir möchten nicht aufmachen, dann ist es nachher weg." Ne, das Risiko wollten wir ja nicht eingehen. Von der Beschreibung war das nicht ergiebig, das Beste würde sein hinzufahren. "Wo wohnen Sie denn?" Das Display vom Telefon zeigte "Anrufer unbekannt". "In D......" Gott sei Dank, die Kollegen aus D. hatten einen eigenen Notdienst und würden schneller dort sein als ich. "Ich gebe Ihnen jetzt eine Telefonnummer und die rufen Sie dann bitte an. Diese Helfer sind schneller bei Ihnen als ich." Ich gab die Telefonnummer durch und verabschiedete mich.

Was wollte ich noch tun? Ach, ja, Fenster putzen. Zwei konnte ich noch schaffen, dann müsste ich zum Einkaufen. Das Futter für die Insekten fressenden Vögel war alle - da musste Neues her und Katzengras musste auch neu gekauft werden. Ich nahm den Lappen in die Hand, da klingelte das Tierschutztelefon. "Ich wollte mal fragen, ob Sie meinen Hund nehmen können, ich will ihn nicht mehr." "Was genau meinen Sie mit, Sie wollen Ihren Hund nicht mehr?" "Das habe ich doch gesagt, ich will ihn nicht mehr." "Und warum wollen Sie Ihren Hund nicht mehr?" "Der hat ein Kind gebissen und das ist ja nicht zu verantworten. Schließlich sind Kinder mehr wert als Hunde." Als Mutter eines Teenagers war ich versucht zu antworten, dass es auf das Alter des Kindes ankommt, aber lassen wir das. Teenager kosten halt Nerven, aber das würde sich ja wohl eines Tages bessern. Um was für einen Hund es sich denn handeln würde, fragte ich den Anrufer. Ich müsste Rasse und Geschlecht wissen, wen der Hund gebissen habe und in welcher Situation. "Es ist irgend so ein Mix, ganz nett groß, ist ein Männchen." Er hat das Kind meiner Nachbarin gebissen und die hat gleich die Polizei geholt und dann kam die Polizei und hat gesagt, dass es eine Anzeige geben würde und dass das Ordnungsamt verständigt würde. Oh, ha, da würde dann im schlimmsten Fall ein Verfahren eingeleitet, dass es sich um einen "gefährlichen Hund" handeln würde. "Dann hat die Polizei gesagt, dass sie den Hund jetzt vorsorglich mitnehmen würde, weil das Kind ja ins Krankenhaus musste und der Hund könnte ja Tollwut haben, so schlimm wie das Kind verletzt wäre. Die spinnen ja." "Der Hund ist also jetzt gar nicht bei Ihnen?" "Nein, sag ich doch, der ist bei der Polizei und die haben den ins Tierheim gebracht." Ok, also kein eiliger Fall mehr. Ich notierte die Daten des Hundes und des Anrufers und erklärte dem Anrufer, dass er während eines laufenden Verfahrens den Hund nicht abgeben könnte. Zunächst sei der Hund beschlagnahmt, ich würde mich erst beim Tierheim erkundigen und ihn dann zurückrufen.

Wo war ich stehen geblieben? Fenster putzen. Das Wasser war inzwischen kalt, also ließ ich neues, heißes Wasser ein. Das Tierschutztelefon klingelte. Eine Pflegestelle benachrichtigte mich, dass eine Wüstenrennmaus operiert werden müsste. Ich notierte die Daten der Vorgeschichte, besprach die Behandlung und sie versprach mich zurückzurufen, wenn sie vom Tierarzt zurück sei. Aus dem Wohnzimmer hörte ich ein Klirren. Schnell stellte ich den frisch befüllten Eimer ab und lief hin. Die Katze hatte einen Blumentopf von der Fensterbank geschmissen. Ich brachte die Katze aus dem Wohnzimmer und hielt den Hund mit der Stimme in Schach, damit er nicht durch die Scherben laufen würde. Dann sammelte ich die Scherben auf und holte den Staubsauger um evt. feine Splitter zu entfernen. Es wäre sicherer die Mülltüte mit den Scherben gleich runter in den Müll zu bringen. Sonst würde ich sicher wieder die Scherben vergessen und bei voller Tüte mit der Hand drauf drücken. Dann würde ich mir die Finger zerschneiden und das braucht kein Mensch. So knotete ich die Mülltüte zusammen, klaubte den Schlüssel von der Ablage und brachte den Müll runter. In der Hosentasche klingelte das Tierschutzhandy, während ich versuchte die Mülltüte mit den Scherben so tief nach unten in den Container zu entsorgen, dass niemand sich verletzen könnte. "Haben Sie Meerschweinchen in der Vermittlung?" "Nein, im Moment - Gott sei Dank - nicht, aber haben Sie es schon da und da versucht?", fragte ich den Anrufer und gab ihm die Telefonnummern von Tierschutzkollegen durch, die ebenfalls Meerschweinchen vermittelten.

Ich wollte aber doch vor dem Müll runter bringen noch etwas anderes tun. Was war das nur? Im Augenblick fiel es mir nicht ein, daher holte ich erst einmal die Post aus dem Briefkasten. Süße Fotos von ehemaligen Tierschützlingen lugten aus dem Umschlag. Wie süüüüüüß, ja die Schützlinge hatten sich gut entwickelt und fühlten sich offensichtlich wohl im neuen Zuhause. Langsam ging ich die Treppe wieder herauf und sah auf die Uhr. Verdammt, ich muss noch einkaufen. Schnell holte ich die Geldbörse und machte mich auf den Weg in die Zoohandlung. Auf dem Rückweg schnell noch eine Runde mit dem Hund durch den Wald. Da war doch noch etwas, was ich erledigen wollte. Was war das nur? Zu Hause fiel ich gleich über den Fensterwischer und es fiel mir wieder ein. Fenster putzen! Mist, jetzt war das Wasser erneut kalt geworden. Also rasch neues Wasser eingelassen. Das Tierschutztelefon klingelt. "Können Sie schnell kommen? Hier ist ein überfahrener Igel und ich möchte meinen Kindern einen solchen ekligen Anblick nicht zumuten." "Lebt der Igel denn noch?" "Ja, manchmal atmet er noch." Ich ließ mir die Adresse durchsagen, holte das Tier, in dem kaum noch Leben steckte und fuhr zur Tierklinik. Nach 2 Stunden in der Klinik gab es einen Igel weniger auf dieser Welt und ich kehrte nach Hause zurück - nicht ohne gleich wieder über den Fensterwischer zu fallen. Nun, jetzt war das Wasser wieder kalt, aber ich hatte einen solchen Hunger, dass ich zunächst einmal was essen wollte. Der Hund schepperte mit seinem Napf und die Katze strich mir derart um die Beine, dass ich beinahe auf dem Weg zum Katzennapf hingefallen wäre. Also, alle versorgt, dann rasch an den Herd.

Das Tierschutztelefon klingelt. "Vermitteln Sie auch Kaninchen?" 15 Minuten später war der Anrufer mit allen erforderlichen Daten von Kaninchenvermitteln versorgt und glücklich. Leider war inzwischen mein Essen angebrannt. Gut, essen wir eben nichts, bin eh zu dick. Frustriert zog ich ein trockenes Knäcke aus dem Oberschrank und holte mir ein Stück Käse aus dem Kühlschrank. Das Telefon klingelt. Diesmal das Private. Eine Freundin ruft mich weinend an und berichtet, dass ihr Hund gerade eingeschläfert worden sei. Das Gespräch dauert 2 Stunden. Hunger habe ich immer noch, aber jetzt muss der Hund raus. Ich fahre in den Wald. Das Tierschutztelefon klingelt. "Meine Katze humpelt, können Sie mal kommen?" Ich erörtere dem Anrufen, dass er mit einen Tierschutzverein verbunden sei, tatsächlich aber einen Tierarzt benötige und erkläre ihm, wo der nächstgelegene Tierarzt in seiner Umgebung wäre. Das Tierschutztelefon klingelt: "Bei mir in der Wäscheleine hat sich ein Vogel verfangen." Schnell stellt sich heraus, dass es wieder den Notdienst der Kollegen aus dem Nachbarort trifft. Das Tierschutztelefon klingelt. "Wir möchten in Urlaub fliegen und wollten wissen, ob Sie auch Hundeboxen verleihen." Ich erkläre dem Anrufer, dass wir dies nicht tun, aber gebe ihm verschiedene Möglichkeiten durch, die ihm weiter helfen könnten. Das Tierschutztelefon klingelt. "Wir wollten fragen, ob sie auch Farbmäuse aufnehmen. Wir haben ein paar Farbmäuse in einer Zoohandlung gekauft und zwei der Tiere waren trächtig und jetzt haben wir Nachwuchs." Die Verbindung bricht zusammen. Na, ja, wird schon wieder anrufen, hat ja unsere Nummer. Funkloch. Das andere Handy klingelt. Komisch, diese Telefongesellschaft hat ein Netz. Diesmal ist es meine Tochter. Sie fragt, ob sie heute Abend zu mir kommen könnte. Klar, fürs Fenster putzen war es jetzt eh schon zu spät und ich könnte ja immer noch meine Freundin anrufen und fragen, ob es regnet, wenn ich durch meine Scheiben nicht mehr durchschauen könnte.

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Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.