
Gundi - kein Einzelschicksal

Fast 15 Jahre lang war sie der Liebling einer älteren Dame. Sie wurde derart geliebt, dass sie fast zu Tode gefüttert wurde. 5,4 Kilo dürfte ein Hund von Gundis Größe und Statur maximal wiegen - Gundi wog 9 Kilo als sie jetzt in ihre endgültige Familie umzog. Was das für die armen Beinchen einer kleiner Pekinesenhündin bedeutet, mag man sich nicht ausmalen, zumal die Rasse mit dem längeren Rücken und den kurzen Beinchen eh keine idealen statischen Verhältnisse aufweist. Wir haben in unserem Bericht Dicke Lilly - guter Hund darauf hingewiesen, wie sich Übergewicht auf Hunde auswirkt. Die Lebenserwartung verringert sich, die Beine werden überstrapaziert und entwickeln Knochenprobleme, Arthrosen, im schlimmsten Fall eine Fehlstellung der Hüfte als Folge. Diabetes, Kreislaufstörungen, Verdauungsprobleme, Magen- und Darmschädigungen können auftreten. Herzprobleme können die Folge sein, wenn Hunde falsch gefüttert werden und Übergewicht haben. Auf fast alle inneren Organe hat Übergewicht negative Folgen.

Zunächst aber hat das Übergewicht die Folge, dass gerade alte Hunde sich immer weniger bewegen und damit auch die alten Knochen, die regelmäßige Bewegung benötigen, "einrosten". So war es auch Gundi gegangen. Vermutlich hatte sie die letzte Zeit nur noch bei Frauchen auf der Couch verbracht und war mit Leckerchen verwöhnt worden, zumal Frauchen selber krank war und nicht mehr so agil, um Gundi regelmäßige Bewegung zu verschaffen. Dann verstarb Gundis Frauchen und die Erben wurden zuständig für die kleine, alte, fast blinde Hundedame. Vermutlich habe sie das Erbe kaum abgelehnt, die kleine, alte Hündin aber sehr wohl. So suchten sie rasch einen Tierarzt auf und baten die Hündin einzuschläfern, denn dieser Teil des Erbes war ihnen dann doch ziemlich lästig.
Tatsächlich fand man auch einen Tierarzt, der bereit war Gundi einzuschläfern, obwohl sie lediglich Alterswehwehchen hatte. Blind und fast 15 Jahre alt, das reichte dem Tierarzt als Diagnose, um Gundis Leben ein Ende zu bereiten. Niemand fragte dabei Gundi, ob die lebensbejahende Hündin denn nicht mehr wolle. Der Tierarzt verlangte dann 50 Euro Gebühren für das Einschläfern der kleinen, putzigen Hündin und damit hatte er im Prinzip der Hündin das Leben gerettet. Denn soooo viel wollten die Erben denn nicht mehr für die Hündin ausgeben und fuhren entsetzt ins Tierheim. Dort schämten sie sich nicht der Tierheimleitung zu erzählen, dass ihnen 50 Euro viel zu viel Geldausgabe waren, um die Hündin loszuwerden.

Gundi konnte von Glück sagen, dass sie zufällig in einem sehr gut geführten Tierheim gelandet war, wo man nun die Situation nicht noch versaute, indem man eine Abgabegebühr erhob und so riskierte, dass die lieben Erben das Tier selbst irgendwo illegal töten ließen oder sie einfach aussetzten. Sofort verstand man dort mit welcher Sorte Menschen man es hier zu tun hatte und dachte nur noch an die kleine Hündin. Sie wurde angenommen, um zunächst ihr einen weiteren Leidensweg mit Menschen, die keinerlei Respekt vor ihrem Leben hatten, zu ersparen.
Doch jetzt war Gundi im Tierheim. Sicherlich selbst bei bester Pflege und allen Bemühungen um die kleine Seniorin, kein idealer Platz. Ältere Hunde wie Gundi benötigen Rückzugsmöglichkeiten, sie schlafen viel und benötigen lange Ruhephasen - alles schwierig zu bewerkstelligen in einem übervollen Tierheim. Zwar bemühte sich eine Pflegerin besonders um das kleine Mädchen und Gundi musste auch nicht im Zwinger untergebracht werden, aber ideal war das alles nicht. Sie wurde einquartiert in einem separaten Zimmer, wo sie die Gesellschaft der ruhigen Hunde íhrer Pflegerin genießen konnte und ihr eigenes Körbchen als Rückzugswinkel hatte. So hatte sie einen Sonderstatus im Tierheim, wie man ihn immer versucht älteren Hunden einzuräumen. Doch leider sind auch solche Räume Mangelware in jedem Tierheim und der Andrang auf diese Räume ist ständig groß. Immer wieder hat man Hunde, die zu schwach sind, in schlechtem Zustand ins Tierheim kommen, sich noch von Operationen erholen müssen oder einfach zu klein oder zu alt sind, um in einem größeren Hunderudel zu laufen.

Die Tierheimleitung tat also das, was jede gute Tierheimleitung mit solchen Problemfällen tut. Sie bat Kooperationspartner mit Pflegestellen in Familien um Hilfe. Jedes gute Tierheim hat solche Partner, die eingreifen, wo das Tierheim die Bedürfnisse der Tiere nicht optimal erfüllen kann. Und jeder gute private Tierschutzverein, der mit Pflegestellen arbeitet, ist genau so auf die Hilfe von Tierheimen oder tierheimähnlichen Einrichtungen angewiesen. Denn bekommt man in einem Tierschutzverein mit Pflegestellen in Familien einen Hund zur Vermittlung, der z. B. bissig, inkontinent, nicht stubenrein, ungeimpfte Quarantänetiere oder sonst etwas, was in einer Wohnung ein echtes Problem darstellen kann, so behelfen sich auch diese Tierschutzvereine mit Kooperationspartnern, die tierheimähnliche Einrichtungen haben und für die Anfangszeit einen Zwinger oder eine Quarantänebox zur Verfügung stellen. So hilft man sich gegenseitig und ohne solche Vernetzungen ginge es nicht im Tierschutz.
So bekamen wir den Hilferuf für Gundi, die in ihrem Alter und ihrer gesundheitlichen Verfassung mit dem Übergewicht die liebevolle Pflege in einer Familie benötigte. Da ein solch altes Hündchen mit Grauem Star, leichtem Hörverlust aufgrund des Alters und in diesem Alter kaum vermittelbar ist, sahen wir uns nach einem "die-in-love" - Platz für Gundi um. Dies sind Plätze, die armen, geschundenen, kranken oder alten Hunden in Würde die Möglichkeit geben noch Liebe zu erleben und ein schönes Zuhause haben, bevor sie über die Regenbogenbrücke gehen. Ein jedes Lebewesen hat das Recht würdevoll zu altern und würdevoll zu sterben.
Gundi zog also auf einen unserer "die-in-love-Plätze", wo man sich schon gut auf sie vorbereitet hatte. Ein Kinderwagen zum Transport an der frischen Luft wurde bereits gesucht, ein weiches Körbchen in einem ruhigen Zimmer stand bereit, Seniorenkost war bereits eingekauft. Dann holte man Gundi ab, die problemlos in die Familie umzog - spürte sie doch gleich, dass sie hier HERZLICH WILLKOMMEN war. Sie begrüßte die lieben anderen Hunde in der Familie, schloss sich gleich ihrem neuen Frauchen an und versuchte schon auf dem ersten Spaziergang den Anschluss an "ihr Rudel" nicht zu verlieren. Da sie damit jedoch mit ihrem Übergewicht nicht in der Lage war, teilte sich "das Rudel" halt auf und Gundi durfte in Gesellschaft langsam so einher trotten, wie ihre kleinen Füßchen sie trugen.
Sofort sah man auf dem Spaziergang, wie viel Lebensbegeisterung noch in der kleinen, alten Hündin steckte. Eifrig marschierte sie über den weichen Waldboden und erschnupperte interessiert die neue Umgebung. Ja, auch ein alter Hund geht gerne spazieren und benötigt noch Anregung für die Nase und gerade für alte und verfettete Hunde ist regelmäßige, gemäßigte Bewegung lebenswichtig.
Auch im Haushalt kam Gundi sofort klar. Schnell konnte man sehen, dass Gundi noch einen kleinen Rest Sehvermögen hat und hervorragend klar kommt. Sie wich geschickt den anderen Hunden aus, machte einen Bogen um sie und umrundete selbst die langen Beine eines schlafenden Artgenossen. Rasch wusste sie, wo sie sich in Ruhe ausschlafen kann und wo es Futter gibt. Gundi, die aufgrund ihres eklatanten Übergewichts jetzt viele ganz winzige Portionen Futter bekommt, damit sie zwar abnimmt, aber keinen Hunger erleiden muss, ist begeistert und frisst appetitvoll. Sie genießt die Gesellschaft der anderen Hunde, die sie rücksichtsvoll als Seniorin behandeln und hatte rasch ihren Platz in der Familie gefunden.
Hunde, wie Gundi möchten auch leben! Sie möchten nicht weggeworfen werden wie ein alter Putzlappen, der nichts mehr taugt. Viele Jahre haben sie ihren Besitzern Freude gebracht, haben diese getröstet, unterhalten, beschmust. Tiere sind Lebewesen! Wie kann man ein Tier so gemein entsorgen, wenn es dann selbst in die Jahre kommt und nicht mehr so gut "funktioniert", wie rücksichtslose Zeitgenossen es von ihnen erwarten? Haben sie es nicht verdient, dass dann im Alter der Mensch für sie da ist, wo sie immer für uns da waren? Ist es so schwierig einem kleinen, alten Hündchen regelmäßige Bewegung, tierärztliche Versorgung, Pflege, Futter und einen trockenen, warmen Schlafplatz in angenehmer Gesellschaft zu beschaffen?
Nun, Gundi hatte Glück im Unglück! Ihr rettete die rücksichtslose Art ihrer Besitzer das Leben. Sie kam in den Tierschutz, wo man sich ihrer annahm. Doch jede Woche bekommen wir viele Anfragen für Tiere wie Gundi, die niemand mehr haben möchte und auch wir können nicht alle diese Tiere aufnehmen.
Deshalb suchen wir ständig liebevolle Familien, die den einmaligen Charakter gereifter Hundepersönlichkeiten zu schätzen wissen. Die sich nicht scheuen einem Hund ggf. regelmäßig Medikamente einzugeben und auch ein altes Hündchen mal tragen oder durch die Gegend fahren, wenn sie mal nicht mehr laufen können. Gerne geben unsere die-in-love (stirb in Liebe) - Pflegestellen Ihnen Auskunft darüber wie viel Freude man an solchen Tieren noch haben kann. Gerne erzählen sie Ihnen, wie viel Spaß das Leben mit diesen Hundepersönlichkeiten macht. Alle unsere Pflegestellen, die einmal solche Kandidaten aufgenommen haben, nehmen immer wieder gerade solche Tiere auf, weil sie zu schätzen wissen, was diese Tiere noch zu geben haben. Viele dieser Tiere kamen, um noch einige schöne Tage, Wochen oder Monate zu haben und noch einmal als geliebtes Familienmitglied leben zu können. Immer wieder erstaunt es uns, wie die Tiere unter der Liebe und Pflege aufblühen und meist viel, viel älter werden, als wir oder der Tierarzt es vorausgesagt haben. Sie genießen ihr Leben und strahlen dies auch aus. Doch trotz der Begeisterung unserer auf diese Hunde spezialisierten Pflegestellen, haben wir stets zu wenige solcher Plätze und sind ständig auf der Suche nach weiteren Menschen, die das Leben respektieren und solchen Tieren ein liebevolles Zuhause geben wollen.
Sollten Sie Interesse haben einen solchen Hund aufzunehmen, dann setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Wir werden sie gerne umfassend beraten.