Hirtenhunde - Herdenschutzhunde

Hirtenhunde - Herdenschutzhunde im Allgemeinen

Herdenschutzhund

Diese wunderschönen kleinen Teddybären - Fellknäuel, wenn sie denn noch klein sind, später dann halbe Ponys - sind kein Hund für Jedermann und erst recht nicht für Hundeanfänger. Diese sehr groß werdenden Rassen wurden gezüchtet, um durch ihre imposante Größe und ihren Schutztrieb die Herden zu beschützen vor Wölfen und anderen wilden Tieren und auch vor Dieben. Dabei arbeiten diese Tiere in der Regel nicht auf Weisung eines Führers, sondern selbständig. Nun mag es ja toll klingen, dass man in diesen Tieren einen Beschützer für Haus, Hof und Familie finden kann, aber viele andere Rasseneigenschaften werden dabei heftig unterschätzt. Ein Herdenschutzhund benötigt viel Platz und auch für den Transport viel Auto. Man sollte sich einen Herdenschutzhund nur anschaffen, wenn man ihm Minimum ein GUT UMZÄUNTES Grundstück anbieten kann, welches er bewachen kann. Diese Hunde liegen sehr gerne draußen an der frischen Luft, eine beheizte Wohnung kann zur Qual werden. Eine gute Sozialisierung ist erforderlich für diese Rassen, denn auch die Herde sehen sie nur als "Familie" an, wenn sie mit diesen Tieren groß geworden sind. So gibt es etliche solcher Herdenschutzhunde, die zum Erstaunen ihrer unaufgeklärten Halter mit Begeisterung Schafe reißen. Herdenschutzhunde entwickeln gerne einen hohen Schutztrieb, der von unerfahrenen Hundehaltern nicht gehandhabt werden kann. So kommt es schnell dazu, dass das niedliche, kleine Teddyfellknäuel größer wird und dann das Sofa oder das Ehebett besetzt und den Ehegatten nicht mehr dort hin lässt. Immer wieder kommt es vor, dass der Hund im Auto sitzt und plötzlich die Mutter nicht mehr zu den Kindern einsteigen lässt oder umgekehrt. Eine peinliche Situation, wenn Sie der Nachbarin versprochen haben ihre Tochter mit von der Schule abzuholen und der Herdenschutzhund sagt "Du gehörst nicht in meine Herde - raus aus meinem Auto". Gerade in der Dämmerung passen solche Rassen besonders gut auf Haus und Hof auf und Gäste oder Kunden sind schon oft durch solche Hunde in Gefahr geraten, denn etliche dieser Hunde sind sehr territorial. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Hunde über eine immense Kraft verfügen, durch ihre Größe an vieles heranreichen, wo andere Hunde nicht dran kommen und eine enorme Beißkraft haben. Wo ein Herdenschutzhund nur einmal warnend zubeißt, bleiben klaffende Löcher zurück, die so leicht kein Arzt zunäht, auch wenn der Hund es nicht bös gemeint hat oder der Gebissene es selbst Schuld war.

Ein Drama ist es, wenn Herdenschutzhunde, wie links die Mastin Espanol Niebla, auch noch ängstlich sind. Wer will 40 - 50 kg Hund bändigen, wenn diese in Panik durchgehen? Sie stammte aus einer grauenvollen Vermehrung in Madrid. 40 Hunde musste dort die Polizei sicher stellen, die in abartigen Verhältnissen leben mussten

Der junge Mastin Espanol Mix rechts hat Glück. Er kam früh genug in die Obhut der Tierschützer, um noch zu lernen.

Wer einen solchen Hund anschafft, der muss sich darüber im Klaren sein, dass Hundeerfahrung mit großen Rassen erforderlich ist und spezielle Kenntnisse im Umgang mit diesen speziellen Rassen. Der Halter übernimmt eine große Verantwortung mit der Anschaffung. So sollte man schon vor Anschaffung des Hundes Kurse bei Fachleuten besuchen, die über die Rassen und ihre Handhabungen aufklären. Nicht alle Herdenschutzhundrassen sind gleich von der Handhabung her. Einige sind leichter zu erziehen, an einigen Rassen verzweifeln selbst Fachleute und viele der Hunde, mit denen niemand mehr gefahrlos umgehen kann, landen dann im Tierschutz und blockieren auf Jahre Zwinger, die für etliche andere Hunde damit besetzt sind. Bei der Haltung dieser Rassen gibt es so vieles zu beachten, dass man sich unbedingt vorher umfassend informieren muss. Es ist eine klassische "Spätentwicklerrasse", die wesentlich später in die Pubertät kommt und viel später erst erwachsen wird, als andere Rassen. Daher gilt es hier auch etliche gesundheitliche Folgen rechtzeitig zu bedenken, die rasch dazu führen, dass solch ein Hund nur noch ebenerdig leben kann, denn mal eben tragen kann man einen solchen Hund nicht, wenn er die Stufen nicht mehr schafft. Selbst der Einstieg ins Auto kann unmöglich werden und es muss ggf. eine Rampe angeschafft werden.

Auch diese Mastin Espanol-Bernadiner-Mix stammt aus der grauenvollen Vermehrung des profitsüchtigen Mannes, bei dem die 40 Hunde beschlagnahmt wurden. Zeit ihres Lebens wird sie Angst haben. Inzwischen hat sie wenigstens gelernt einigen wenigen Menschen zu vertrauen.

Ist so ein Herdenschutzhund restlos unterernährt, verwechseln Laien sie gerne auch mit Retrievern oder anderen Rassen. Ein fataler Fehler, denn eben nicht jeder eignet sich als Halter eines solchen Hundes. Hier wurde es erkannt und die Hündin lebt heute in einem herdenschutzhunderfahrenen Haushalt.

Leider ist es so, dass es für Herdenschutzhunde nur wenige gute Fachleute gibt. Diese sitzen brechend voll mit unvermittelbaren Herdenschutzhunden, die von unerfahrenen Menschen versehentlich verdorben wurden. Es ist uns daher ein Anliegen, gerade über diese Hunde viele Informationen zu bringen. Denn wir sehen immer wieder, dass Menschen, die für diese Rassen keinerlei Voraussetzungen mitbringen, sich für so ein junges, nettes, plüschiges  Teddybärchen - alleine wegen des Aussehens - entscheiden und dann spätestens ab der Pubertät des Hundes restlos überfordert sind und diese abgeben müssen. Wir werden diese Seite also noch erweitern.

Bücher:

Hundereich - Mirjam Cordt - animal learn

Hirten- und Hütehunde - Karl Hermann Finger - Ulmer

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