
Wie bade ich einen Hund und wann?
Wenn man einen Hund neu bekommt, so ist klar - er hat noch keinen "Familiengeruch". Der Geruch des Züchters, des Tierheims, des Vorbesitzers hängt ihm im Fell. Gerade wenn Sie Hunde aus schlechter Haltung übernommen haben, stinken diese oftmals grauenvoll. Wann badet man den Hund nun? Gleich wenn er kommt oder lässt man ihm Zeit sich einzugewöhnen?
Die Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an...
Das lässt sich nicht so einfach sagen. Wir haben schon mit einem verflohten, in Kuhmist gewälzten Hund in einem Bett geschlafen, weil dieser mit der Psyche so runter war, dass baden nur geschadet hätte. Manchmal kann ein Hund so stark traumatisiert sein, dass man einfach abwarten sollte, selbst wenn dies Dreck in der Wohnung und Gestank bedeutet. Ist der Geruch allerdings für Sie übelerregend, sollten Sie den Hund baden. Sie begegnen sonst dem Hund mit Abneigung und das hat er nicht verdient und könnte es missverstehen.
Klar ist, dass ein Hund mit offenen Wunden nicht gebadet werden sollte, bevor der Tierarzt die Verletzungen eingeschätzt hat. Klar ist, dass ein Hund nach dem Baden immer abgetrocknet werden muss und nicht frieren darf. Klar ist, dass bestimmte hygienische Verhältnisse einfach gewahrt werden müssen, wenn immunschwache Personen, wie Kinder oder ältere und kranke Menschen im Haushalt wohnen. Klar ist, dass man einen Hund nicht aus einer Transportbox zerrt und direkt in die Badewanne steckt. Klar ist, dass ein vom Tierarzt vorgeschriebenes Bad mit Parasitenvernichtungsmittel stattfinden muss. Räude, Pilze und manches andere sind auch ansteckend für den Menschen und dann muss das Bad unverzüglich stattfinden.

Diese Welpen wurden so gefunden: Wurmbäuche, Flöhe und Sarkroptesräude. Hier muss im Parasitenbad gebadet werden. Nicht nur, weil nur schnelle Vernichtung der Parasiten das Wohlsein fördert, sondern auch damit die Pfleger sich nicht anstecken mit der Räude.

Rona muss hier ein tierärztlich verordnetes Bad gegen eine Allergie zur Juckreizmilderung bekommen. Hinterher geht es ihr sicherlich besser als mit ständigem Juckreiz.
Aber ansonsten muss man ein wenig Einfühlungsvermögen zeigen. Wir beobachten z. B., ob wir den Eindruck haben, dass das Tier selber unter seiner Verschmutzung leidet. Versucht es sich ständig sauber zu lecken? Fühlt es sich nicht wohl in seiner Haut? Dann würden auch wir uns kurzfristig hinreißen lassen, einen Hund zu baden, der gerade neu eingetroffen ist. Trotzdem würden wir dem Hund erst eine kurze Eingewöhnung gönnen - er darf sich auf einem Spaziergang lösen, fressen, trinken und uns kennen lernen.
Haben wir uns dann zum Bad entschlossen, baden wir vorzugsweise mit Hilfe einer zweiten Hilfsperson. Dies ist sicherer, wenn man noch nicht einschätzen kann, wie der Hund sich dabei benimmt - insbesondere bei großen Hunden, die schon recht viel Kraft und auch Sprungkraft haben.
Vorbereitungen
Als erstes wird der Hund ausgeführt und darf sich noch einmal lösen. Denn evt. ist es zu kalt, um den feuchten Hund später auszuführen.
Dann wird der Baderaum vorbereitet. Auf dem Boden sollte direkt vor Badewanne oder Duschtasse eine rutschfeste Badematte liegen. Darauf kommt ein doppelt gefaltetes Badetuch. Wir legen vorgewärmte Handtücher parat, vorgewärmt im Winter. Wir bevorzugen drei große Badehandtücher von großer Saugkraft. Wir stellen einen Messbecher mit gutem Ausgießer parat. Wir rühren Hundeschampoo in lauwarmen Wasser an und mixen es gut. Dies stellen wir im Messbecher bereit auf dem Badewannenrand. Wir legen zwei Knubbel Baumwollwatte in greifbare Nähe. Diese sollen die Ohren schützen, falls etwas Wasser hinein läuft. Eine rutschfeste Einlage kommt in die Badewanne oder Duschtasse (wir bevorzugen die Badewanne). In die Badewanne lassen wir lauwarmes Wasser laufen - so viel, dass es dem Hund vermutlich bis zum Bauch reichen wird. Auch dieses Wasser wird mit Hundeschampoo angereichert. Wir ziehen ein altes T-Shirt an und Gummiclogs. Die Socken werden abgelegt, eine alte Jeans ziehen wir vor als Bekleidung ;-). Alles, was nicht nass werden soll, wird aus dem Raum entfernt. Am Badewannenrand oder der Umgebung der Badewanne werden alle Teile entfernt, die aus Glas sind und alle, die herunterfallen könnten, falls der Hund "ausflippt" ;-) oder sich hinterher wild schüttelt und das tun sie alle!
Der Hund bekommt ein verstellbares Nylonhalsband angelegt. Dieses wird so eng gestellt, dass eine Hilfsperson noch mit mindestens zwei Fingern, besser vier darunter fassen kann. Da wir den Hund vorher schon ein wenig kennen lernen konnten, entscheiden wir nun, ob wir mit Nylonmaulschlaufe baden oder ohne. Schnapper werden mit Nylonmaulschlaufe gebadet. Ein großer Hund wird an der kurzen Leine ins Bad geführt, einen kleinen Hund nehmen wir eher auf den Arm, denn erfahrungsgemäß bremst selbst der badeunerfahrenste Hund an der Badezimmertür und muss dann fest im Griff sein. Bei dem lockeren Halsband bedeutet dies - Griff ins Halsband. Die zweite Person geht hinterher, schiebt notfalls, denn wir ziehen keinen Hund.
Baden
Die Badezimmertür wird verschlossen, sobald der Hund drin ist. Die Temperatur des Wassers wird kontrolliert. Sie sollte etwa die Körpertemperatur des Hundes haben oder ein Grad mehr. Der Hund wird mit Hilfe der zweiten Person in die Wanne gestellt. Dort darf er einen Moment im festen Griff spüren, dass er auf einer rutschfesten, sicheren Unterlage steht. Die Helferin oder der Helfer halten den Hund fest am Halsband. Der Hund bekommt die Watteknubbel in die Ohren (nicht reinstopfen, nur locker obenan). Der Hund wird ständig gelobt wie toll er das macht. Wir reden mit ruhiger, gelassener, freudiger Stimme. Mit der Hand wird langsam ein wenig Wasser an den Beinen und dem Bauch hoch geschwappt. Die Dusche wird auf die richtige Temperatur eingestellt - entfernt vom Hund. Wir wählen bei unseren Massageduschen den weichen Strahl. Wir testen die Mischtemperatur an der Innenseite unseres Handgelenks am Puls. Ist die Temperatur richtig, so spülen wir vorsichtig den Hund von unten nach oben ab und achten dabei darauf, dass wir hinten beginnen und langsam bis zum Hals gehen. Am Kopf achten wir darauf, dass dem Hund kein Wasser in die Ohren, die Nase oder die Augen läuft.
Ist der Hund nass, so wird die Dusche abgestellt. Der Messbecher mit dem Schampoo-Wassergemisch wird über dem Hund verteilt, dabei den Kopf und die Ohren auslassen. Der Hund wird schamponiert und massiert. Mit der Hand geben wir vorsichtig ein wenig Schampoo auf den Kopf, so dass kein Schampoo in Augen, Nase, Maul, Ohren läuft. Auch hier wird vorsichtig schamponiert. Dann wird die Temperatur der Dusche erneut eingestellt, geprüft und der Hund wird abgespült. Das Abspülen sollte dreimal so lang dauern als das schamponieren. Alles Schampoo wird gründlich ausgespült. Dabei wird bereits der Stöpsel aus der Wanne gezogen, damit das Wasser nicht höher als bis zum halben Brustkorb steigt. Ist das Wasser abgelaufen und ist alles Schampoo entfernt, wird mit der Hand das Wasser vom Hund abgestreift. Mit einem großen Badetuch umhüllen wir den Hund und stellen ihn raus aus der Wanne auf den festen Boden. Er wird weiter festgehalten bis wir das meiste Wasser im ersten Badetuch aufgenommen haben.
Abtrocknen
Dann wird der Hund losgelassen und wir gehen in Deckung ;-). Er schüttelt sich jetzt wie wild und die Watte fliegt aus den Ohren. Ist die erste Schüttelattacke vorbei, wird ein neues Badehandtuch genommen und der Hund wird abfrottiert. Das nasse erste Handtuch landet in der Wanne. In der Regel benötigen wir noch ein drittes Handtuch, um das meiste Wasser aufzunehmen. Während des Handtuchwechsels darf sich der Hund erneut schütteln. Ist auch das dritte Handtuch nass, wird ggf. die Maulschlaufe abgenommen, die Badezimmertür geöffnet und der Hund darf flüchten ;-). Hat er sich ausgiebig geschüttelt und sich die Erleichterung aus der Seele gerannt, trocknen wir evt. noch nach. Das nasse Halsband wird gegen ein trockenes Halsband ausgetauscht oder abgenommen. Meist lassen sich die Hunde gerne hinterher abtrocknen. Mögen sie jedoch nicht zu uns kommen zum Abtrocknen, legen wir eine Frotteedecke oder Badetücher auf den Boden und der Hund rubbelt sich selbst daran. Achtung, manche Hunde rubbeln sich gerne an der Couch entlang, also ggf. mit einer alten Decke abhängen.

Pascha nach einem Ausflug im Regen - seine Halter wissen, dass Abtrocknen wichtig ist. Sie haben ihn in ein Handtuch gehüllt.
Je nach Temperatur muss ggf. die Maulschlaufe erneut angelegt werden, um den Hund bei handwarmer Temperatur trocken zu fönen. Gerade bei Welpen und alten Hunden muss sichergestellt werden, dass diese ganz getrocknet werden. Bei erwachsenen, gesunden Hunden reicht es meist diese mit einem trockenen Handtuch zu zu decken, wenn sie ins Körbchen gehen.

Verfrorene Hunde fühlen sich nach dem Baden auch mal wohl unter einer Decke. Gerade Windhunde mögen es warm und weich. Sie haben keine Unterwolle und frieren rasch.

Nach dem Baden ins Bett und mit einem Handtuch zudecken - super! So kann der Hund auch einem Bad etwas Positives abgewinnen.
Bei Benutzung des Föhns sollte der Hund sich erst an das Geräusch gewöhnen dürfen. Niemals pusten wir dem Hund in Gesicht, Augen, Ohren, Nase! Die Ohren werden ggf. mit einem Tempotuch oder Clopapier innen trocken gewischt. Dabei trocknen wir nur vorsichtig den äußeren Gehörgang und dringen nicht ins Ohr ein.
Der Hund wird weiterhin gelobt und erhält, wenn er mag, ein Leckerchen. Nimmt er es nicht, wird ein Löffelchen Feuchtfutter in den Napf gegeben und hingestellt. Das entschädigt für erlittene Qualen und verknüpft die unangenehme Behandlung mit etwas Positivem ;-). Während der Hund sich erholen darf, dürfen nun beide Personen das Bad trocken legen und die Handtücher in die Waschmaschine bringen ;-). Der Hund wird nun in Ruhe gelassen und darf sich sammeln. Manche Hunde fühlen sich nach dem Bad so wohl, dass sie spielen wollen. Das ist dann erlaubt.

Manche Hunde werden nach dem Baden und Abtrocknen richtig albern und "spielen sich trocken". Dieser Hund albert mit dem Handtuch herum.
Viele Neubesitzer von Hunden scheuen das Baden des Hundes, weil sie meinen, es zerstört das aufgebaute Vertrauen. Das tut es nur minimal. Der Hund wird Ihnen zwar nicht mehr ahnungslos ins Bad folgen, aber alle Pflegemaßnahmen verstärken die Bindung und stellen auch klar, wer das Sagen im Haushalt hat. Je mehr wir mit einem Tier herumpusseln mussten, um so mehr hingen diese später an uns. Die Tiere spüren instinktiv, dass die Pflege gut tut.
Egal wie warm es draußen ist. Der Hund wird mindestens eine Stunde lang oder so lange er feucht ist, nicht ausgeführt. Achtung: Frisch gebadete Hunde sind auf dem Spaziergang gut zu beobachten. Manche neigen dazu sich sofort in etwas stinkigem und ekligen zu wälzen, denn Hunde haben andere "Parfüm-Ansichten" als wir und versuchen den Schampoogeruch los zu werden. Blitzschnelle Aaswälzer baden wir vorzugsweise mit Lammfell-Schampoo, denn dieses duftet nicht und ist ebenfalls stark rückfettend wie Hundeschampoo. Es schäumt zwar kaum, reinigt aber ebenso, wie sie am schwarzen Wasser sehen werden ;-).
Noch ein Hinweis: Neue Rüden lösen sich gerne nach dem Baden, also lieber mal kurz in den Garten und dann rasch zurück ins Warme.