Die größten Irrtümer und Gerüchte im Tierschutz

und wie es wirklich ist oder sein sollte:

In unserer Tierschutzarbeit treffen wir immer wieder auf böse Irrtümer und Gerüchte unter denen Tiere und Menschen leiden. Wir wollen versuchen einige aufzuklären, damit Ihren Tieren und Ihnen keine unnötigen Belastungen entstehen, die Tiere weniger Elend ausgesetzt sind und wir vielleicht weniger Arbeit haben werden.

Katzen und Kater unter einem Jahr können unkastriert Freigang genießen, sie sind noch nicht geschlechtsreif.

Die Tiere sind schon mit wenigen Monaten geschlechtsreif und auch sehr anhängliche Tiere entfernen sich spätestens dann aus der Nähe des Hauses, wenn die Hormone locken und gehen auf Partnersuche.

Lassen Sie keine unkastrierten/unsterilisierten Katzen und Kater draußen laufen. Der Tierschutz bekommt das Katzenelend durch unkontrollierte Vermehrung schon seit Jahren nicht mehr in den Griff. Besprechen Sie den richtigen Zeitpunkt für die Kastration/ Sterilisation mit ihrem Tierarzt, wenn die Tiere ca. 3 - 4 Monate alt sind. Katzen sollten mit 5 Monaten kastriert werden, Kater evt. wenig später.

Kein unkastriertes, unsterilisiertes Tier sollte Freigang bekommen.
Bitte bedenken Sie dabei auch, dass kastrierte Kater noch
sechs Wochen nach der Kastration fruchtbar sind.

 

Die Kastration eines Rüden ist Tierquälerei und
hilft auch nicht bei Verhaltensproblemen.
Sie trägt nicht zur Verbesserung der Verträglichkeit bei.

Es ist richtig, dass die überflüssige Amputation von Gliedmaßen bei Wirbeltieren verboten ist, aber überflüssig ist sie spätestens dann nicht mehr, wenn die Kastration dazu dient, dass Hund und Halter (und ggf. auch Nachbarn) besser zusammenleben können. Ver­nünftige Tierärzte wägen das auch entsprechend ab und stellen sich nicht generell quer zu kastrieren, wenn Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensprobleme oder Unverträglich­keiten mit anderen Rüden auftreten.

In wenigen Fällen bringt die Kastration eines Rüden ALLEIN keine Besserung der Ver­träglichkeit. Wir haben im Tierschutz die Erfahrung gemacht, dass in rund 80 % der Fälle ALLEINE bald nach der Kastration eine Besserung des Benehmens und Verhaltens eintritt. Im Idealfall wird parallel dazu eine Erziehung des Tieres erfolgen.

Ein kastrierter Rüde kann konzentrierter arbeiten und lernen, denn der hormonell bedingte Dauerstress ist ausgeschaltet. Einige führende Hundeforscher befürworten die Kastration alleine deshalb, weil sie diesen Dauerstress für einen Hund, der sich nicht vermehren soll, für Qual halten - die Sexualität wird gestattet, die Vermehrung aber nicht. Ein permanenter Stress für männliche Tiere.

Die Kastration eines Rüden sollte - gleich neben vernünftiger Erziehung und tierärztlicher Beratung - an erster Stelle der Überlegungen stehen, wenn ein Rüde Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensprobleme, Erziehungsprobleme oder Unverträglichkeiten mit anderen Rüden zeigt.

Die Kastration schützt den Rüden auch ggf. selbst vor verschiedenen Krebsarten und aggressivem Verhalten anderer Rüden. Bitte bedenken Sie auch hier, dass der Rüde noch wochenlang nach der Kastration zeugungsfähig ist.

Ist Ihr Rüde rüdenunverträglich sollten Sie eine Kastration in Betracht ziehen!

 

 

Junge Igel, die man im Herbst findet,
soll man aufnehmen und im Keller überwintern lassen.

Das stimmt nur sehr bedingt. Es kommt auf das Gewicht des Igelkindes an.

Alle Igel in Freiheit haben Parasiten (z. B. Flöhe und Lungenwürmer) an denen sie in Gefangenschaft schnell eingehen. Sie müssen unbedingt Fachleuten oder Tierärzten vorgeführt werden und eine Parasitenbehandlung erhalten. Die richtige Ernährung eines Igelkindes ist nicht einfach und die richtige Unterbringung erfordert Fachwissen. Lassen Sie sich dazu von Igelschutzvereinen beraten.

Es kommt auf das Gewicht und das Allgemeinbefinden des Igels an, ob er Winterschlaf halten darf oder zu schwach und krank dafür ist. Für den Winterschlaf sind bestimmte Bedingungen erforderlich, wozu auch gewisse Temperaturen wichtig sind. In unseren - oftmals mit geheizten Kellern - ist eine Überwinterung oft nicht möglich, weil die Temperatur zu hoch sein kann. Auch hier ist fachliche Anleitung erforderlich um dem Igel wirklich zu helfen.

Die Igel unterbrechen gelegentlich ihren Winterschlaf zur Nahrungsaufnahme. Daher müssen sie sicher untergebracht werden, denn sie klettern sehr gut. Natürlich muss dann auch gewährleistet sein, dass der Igel Futter findet, wenn er erwacht.

Nach dem Winter muss der Platz zum Aussetzen gut durchdacht werden. Auch hierzu ist fachliche Beratung erforderlich.

Auch sollte man sich notieren, wo der Igel gefunden wurde, denn es kann sinnvoll sein ihn in genau diesem Gebiet wieder auszusetzen, wenn es für den Igel genügend Sicherheit bietet.

Tipps zur Igelaufnahme finden Sie unter www.igelschutz.de !

 

 

Igeln und Katzen soll man Kuhmilch geben - sie mögen sie gerne.

Mögen ja, aber vertragen nein! Igel sowie auch Katzen sollen keine Kuhmilch bekommen. Sie vertragen das Milcheiweiß nicht und bekommen davon Durchfälle, die sogar tödlich enden können. Wasser ist das Getränk beider Tierarten, welches gestattet ist.

Geben Sie Katzen und Igeln keine Kuhmilch!

 

 

Jungtiere von Kleinnagern
(Wüstenrennmäuse, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen...)
dürfen noch wochen- und monatelang bei ihren Eltern bleiben.
Es gibt keine Gefahr von unkontrollierter Vermehrung.

Diese Tiere sind mit wenigen Wochen geschlechtsreif und vermehren sich bedenkenlos dann auch mit Eltern und Geschwistern. Sie müssen rechtzeitig von Fachleuten nach Geschlechtern getrennt werden, sonst kommt es zu unkontrollierter Vermehrung, schneller als man gucken kann. Zwar sind Kleinnager relativ inzuchtresistent, d. h. sie werden nicht immer gleich krank, wenn Inzucht vorgekommen ist, aber dennoch sehen wir im Tierschutz immer wieder heftige Verhaltensstörungen und beobachten kürzere Lebensdauer bei Tieren aus Inzuchten.

Trennen Sie rechtzeitig nach Geschlechtern.
Sollte es zu einem unfreiwilligen Wurf kommen, dann wenden Sie sich bitte unverzüglich an Helfer und warten Sie nicht bis der nächste Wurf kommt.
Tierheime ersticken in Kleintierschwemmen.

Kaufen Sie solche Tiere nicht in Zoohandlungen,
sondern holen Sie sich ein Tier aus dem Tierschutz.

 

Junge Vögel, die auf dem Boden sitzen sind hilflos -
man muss sie mit nach Hause nehmen.

Etliche Wildvögel sind Nestflüchter und werden auf dem Boden sitzend von ihren Eltern weiter gefüttert. Schützen Sie diese Tiere vor Katzen, Hunden und anderen Gefahren, aber lassen Sie sie sitzen. Beobachten Sie über längere Zeit, ob die Eltern nicht wiederkommen und füttern.

Hinweise, welche Vögel Hilfe benötigen finden Sie unter www.wildvogelhilfe.org.

Hier finden Sie auch Anlaufstellen und Tipps zur ersten Hilfe für Wildvögel. Natürlich benötigen verletzte Vögel Hilfe. Gehen Sie sehr behutsam mit Wildvögeln um und vermeiden Sie jeden Stress. Diese Tiere sterben schnell nur durch Aufregung in Gefangenschaft. Vögelchen, die noch keine Federn haben gehören wieder ins Nest. Halten Sie nach dem Nest Ausschau und setzen sie sie bestenfalls zurück. Allerdings "entsorgen" manchmal auch die Eltern so nicht lebensfähige, kranke Tiere. Wird der Vogel wieder aus dem Nest geworfen, dann packen Sie ihn nicht erneut zurück.

Sammeln Sie bitte nicht unüberlegt gleich jedes Vogelbaby auf!

 

Tierheime sind eine Qual für Tiere.

Ja, es ist richtig, viele Tiere fühlen sich nicht wohl - getrennt von ihren Besitzern in der fremden Umgebung, ABER hier werden die Tiere ordnungsgemäß betreut, tierärztlich versorgt, man weiß wie man den Besitzer wieder findet oder einen neuen guten Besitzer für das Tier findet und ein Tierheim ist keine Dauerunterbringung, sondern immer eine zeitlich begrenzte Unterbringung für die Tiere.

Kurzfristig kommen Tiere auch mit weniger idealen Verhältnissen zurecht.

Ohne Tierheime hätte manches Tier kein gutes Zuhause gefunden oder
wäre nicht seinem Besitzer zugeführt worden.
In Tierheimen kommen täglich Interessenten für Tiere vorbei,
die Chancen für eine schnelle Vermittlung stehen gut.

 

copyright: Irene Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e.V.

Die Serie der Tierschutzirrtümer wird fortgesetzt - bitte immer mal wieder reinschauen!

Die Serie der Tierschutzirrtümer wird fortgesetzt - bitte immer mal wieder reinschauen!

Wenn Sie all diese Punkte beachten, haben Tierschützer mehr Zeit um sich um unvermeidbare Notfälle zu kümmern ! Nichts wäre schöner, als wenn wir arbeitslos würden !