"Hier sitzt ein hilfloser, verlassener, kleiner Vogel..."

Den Fichtenkreuzschnabel haben Mitglieder von uns aufgezogen

copyright Fotos: B. Rubbens - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

In diesen Tagen steht das Telefon nicht still. Außer den zahlreichen Katzen, die von Balkonen stürzen, aus Fenstern fallen oder sich in Kippfenstern einklemmen, gibt es derzeit "Jungvogelalarm". Immer wieder werden wir angerufen, dass hilflose Jungvögel irgendwo abgeholt werden sollen.

Es ist die Zeit der Jungvögel. Sie werden flügge und werden teilweise von den Eltern am Boden weitergefüttert. Jedes Jahr um diese Zeit schlagen sich die Tierschutzvereine und Vogelschützer mit Jungvögeln herum, die im guten Willen von Spaziergängern aufgelesen wurden. Nur wenige dieser Vögel bedurften wirklich menschlicher Hilfe. Viele der Jungvögel werden verfrüht aufgesammelt, weil die Spaziergänger denken, dass die Eltern sie verlassen hätten, was gar nicht der Fall war !

Vogeleltern stört es nicht, wenn Sie vorsichtig das Kleine nehmen und ein wenig weiter an einen sichereren Platz setzen. Sitzt also ein Vogel mitten auf einem Weg, wo laufend Hunde spaziert führen, dann setzen Sie ihn ein Stück weiter unter ein Gebüsch, wo er besser geschützt ist. Er wird seinen Eltern durch Rufen anzeigen, wo er sich befindet. Bei Vögeln füttern beide Eltern. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass gleich beide Eltern verunglückt sind.

Immer wieder bekommen wir zu hören: Hier laufen aber manchmal Katzen herum. Das ist richtig. Und auch andere Feinde haben Vögel. Es gehört mit zur natürlichen Auslese, dass der eine oder andere Vogel durch Fressfeinde getötet wird. Deshalb dürfen wir auf gar keinen Fall jeden Jungvogel aufsammeln. Es ist zwar relativ einfach die meisten Jungvögel aufzuziehen, wenn sie flügge sind, aber die Folgen der Handaufzucht sind wissenschaftlich nicht in Langzeitstudien geklärt. Wie vieles lernen die Vögel von ihren Eltern? Das ist sehr unterschiedlich von Vogelart zu Vogelart. Wie schadet es ihnen, dass wir ihnen nicht beibringen können? Das weiß man nicht genau.

Sicherlich gibt es Fälle, wo wir helfen müssen, aber deshalb bitte nicht jeden Jungvogel aufsammeln und zum Tierschutz bringen. Fälle wo geholfen werden muss, ist wenn die Eltern lange nicht wieder zurückkehren, um den Jungvogel zu füttern. Die Eltern sind aber teilweise bis zu einer Stunde oder mehr unterwegs, um Futter zu holen, insbesondere dann, wenn mehrere Jungvögel von ihnen versorgt werden müssen. Das sollte man beachten.

Bitte beobachten Sie erst längere Zeit den Jungvogel aus der Entfernung ! Nur, wenn die Eltern über längere Zeit nicht auftauchen um das Tier zu füttern - bedarf es der Hilfe.

Flügelverband bei einem gebrochenen Flügel einer Taube, die eine Praktikantin von uns fand

copyright Foto: I. Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

Verletzte Vögel benötigen natürlich immer Hilfe. Bitte stellen Sie dann aber sicher, dass der Vogel von uns auch gefunden werden kann und noch lebt und nicht in der Katze ruht, wenn wir eintreffen. Stülpen Sie z. B. eine Einkaufsklappkiste über den Vogel. Ist es ein kleiner Vogel, kann man mit einem dünnen, luftdurchlässigen Tuch über der Kiste sicherstellen, dass alle Löcher abgedichtet sind und der Vogel von uns auch abgeholt werden kann und nicht bis zu unserer Ankunft schon gefressen, überfahren oder sonst etwas wurde. Vögel sind am Besten und sichersten in Pappkartons mit Luftlöchern untergebracht. In Käfigen verletzen sich Wildvögel rasch den Schnabel. Werden sie dunkel untergebracht, verhalten sie sich auch ruhiger.

Hilfe braucht ein Jungvogel auch dann, wenn er sich in einem gefährlichen Gebiet befindet. So haben wir einen Jungfalken abholen müssen, der wegen hoher Mauern an beiden Straßenseiten, keine Chance auf einen ungefährlichen Platz hatte. Die jungen Vögel können noch nicht weit auffliegen. Der Jungfalke konnte dem Falkner wieder übergeben werden, der ihn nun aufzieht und auswildert.

Eine junge Wildtaube befand sich in einem Balkonkasten und wurde bereits seit dem Vorabend nicht mehr von den Eltern gefüttert. Sie saß in der 1. Etage und drohte abzustürzen. Auch dies ist klar ein Notfall. An solch gefährlichen Plätzen ist es manchmal besser auf den Tierschutz zu warten, denn fasst man ungeschickt zu, drohen die Tiere abzustürzen.

Ein junger Eichelhäher hatte einen langen Weg hinter sich. Ca. 200 m Höhe hatte er hinter sich. Das Nest war in einem Baum auf einer Anhöhe. Von dort hatte der Jungvogel seine ersten Flugübungen hinter sich gebracht - natürlich nur herunter. Er landete zunächst auf einem Firmendach, dann auf dem nächst niedrigen Firmendach, dann auf dem nächst niedrigen Firmendach und geriet dann über eine Mauer in einen hoch ummauerten Innenhof. Dorthin wären die Eltern nicht gekommen, denn der Jungvogel hatte sich die stark von Menschen  frequentierte Terrasse einer Familie mit Hund ausgesucht, um zu landen. Auch dies ist ein Notfall. Er konnte in eine Wild- und Waldvogel-Aufzuchtstation gebracht werden, der den jungen Schreihals bald auswildern kann, wenn er noch etwas gepäppelt wird. Dann kann er bald seiner Aufgabe als Polizist des Waldes nachkommen und andere Tiere mit seinen Schreien vor Gefahren warnen.

Ein Specht war ein weiterer Notfall. Er lag seitlich auf der Straße eines Wohngebietes mit gut befahrenen Straßen. Liegen Vögel auf der Seite, dann sind sie auf jeden Fall ein Notfall und sehr schnelle Hilfe ist erforderlich. In diesem Fall wurde eine Verletzung am Füßchen vermutet, weil ein Füßchen unnatürlich gestellt wurde. Tatsächlich war der junge Vogel stark dehydriert und Parasitenbefall tat ein übriges, um ihn nicht mehr auf die Füße zu bringen. Aufmerksame Passanten machten es möglich, dass wir den Vogel abholen konnten. Nach zwei Tagen Klinikaufenthalt ließ er sich endlich füttern, die künstliche Ernährung konnte eingestellt werden. Er befindet sich in einer Düsseldorfer Aufzuchtstation, nachdem die Tierklinik Lesia ihn liebevoll medizinisch betreut hatte.

Gut ging die Beobachtung eines kleinen Zaunkönigs von statten. Mitglieder unseres Vorstandes hatten das winzige Vögelchen im Wald auf einem - stark von Hunden - frequentierten Weg gefunden. Sie hielten ihn erst für eine huschende Maus. Sie scheuchten vorsichtig den Kleinen unters Gebüsch, wo die Hunde ihn nicht wahrnahmen, machten dann einen langen Spaziergang und als der Kleine dann noch dort saß und nicht gefüttert wurde, übernahmen wir die Beobachtung. Da der Kleine äußerst fit war und uns gleich eine Verfolgungsjagd einbrachte, wurde er weiter beobachtet. Nach einer weiteren halben Stunde hörten wir ihn so laut nach den Eltern schreien, dass er die nahe Autobahn mit vielen Autos sogar übertönte. Das Konzert steigerte sich bis zur absoluten Stille, denn ein Elternteil kam füttern. Der Kleine kann nun natürlich aufwachsen. Ein Geschwisterchen schrie ebenfalls im Hintergrund.

Was man sonst tun kann:

Helfen Sie den Vögeln bei der Fütterung, damit die Altvögel nicht so lange wegbleiben müssen. Ganzjähriges Füttern von Vögeln ist längst wissenschaftlich belegt günstig für einen gesunden Vogelbestand. Sie helfen, wenn Sie sich diesbezüglich kundig machen.

copyright: R. Vogelsang, Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

Helfen Sie den Vögeln in besonders heißen Zeiten! Stellen Sie flache Trinkwassergefäße im Garten, Hof oder Schrebergarten oder auf Flachdächern auf. Die Altvögel brauchen dann nicht so weit zu fliegen, um auch die Feuchtigkeit in den Jungvögeln auf gesundem Level zu halten, denn zu Zeiten, wo viele Teiche ausgetrocknet sind und Bäche wenig Wasser führen, müssen Altvögel oft weit fliegen, um Wasser zu finden. Dies ist aber - je nach Vogelart - erforderlich, um den Futterbrei im Kropf für die Jungvögel herzustellen. Haben Sie einen Teich im Garten, dann sorgen Sie für eine flache Sitzmöglichkeit am Rand des Teiches. Es gibt nur wenige Vögel, die aus tiefen Gewässern im Flug Wasser aufnehmen können.

Warum man Vögeln helfen sollte...

Wir nehmen den Wildvögeln mehr und mehr den Lebensraum. Hohe Mauern, Straßenbebauungen, mangelnde Felder und Wälder beengen den Lebensraum. Sie können den Vögeln helfen, indem Sie sich bei Vogelschutzorganisationen und Naturschutzverbänden erkundigen, wie Sie zu einem besseren Lebensraum beitragen können. Nistkästen können aufgehängt werden, Dachbebauungen können umgestaltet werden, Türme können geöffnet werden und bieten Plätze für Greifvögel. Hohe Sitzstangenplätze mit Rundumblick an Wiesen und Feldern ermöglichen Greifvögeln die Mausejagd.

Sie tun damit nicht nur den Vögeln etwas Gutes, sondern auch sich selbst. Je mehr Wildvögel es noch in unserer Natur gibt, um so besser sind wir vor Parasiten geschützt, denn diese von den Vögeln gefressen. Zecken, Mücken, Fliegen sind sehr anpassungsfähig und widerstandsfähig. Doch sie übertragen gefährliche Krankheiten. Wir bekommen aufgrund der Klimaerwärmung mehr und mehr Mittelmeerklimazonen in unseren Gefilden. Damit sind Insekten sehr glücklich und vermehren sich rasch. Der beste Schutz sind natürliche Fressfeinde.

Auch die Erträge in der Landwirtschaft und im eigenen Garten werden von unseren Vögeln geschützt vor Parasiten. Statt zentnerweise Gift zu versprühen, was auch Haustiere und Kinder gefährdet, unterstützen wir lieber das Gleichgewicht in der Natur, was der Mensch mit seinen Eingriffen zerstört hat. Sollten also auch Sie Mücken im Schlafzimmer hassen, dann unterstützen Sie unsere Wild- und Waldvögel!

Angaben die wir bei der Vogelrettung benötigen:

Wie groß ist der Vogel? Wir müssen die richtigen Transportbehälter einpacken. Alle können wir unmöglich immer im Auto lassen. Außerdem hilft uns diese Angabe die richtige Ausstattung aus dem Auto gleich mitzubringen. Welche Netzbeschaffenheit, welche Tuchbeschaffenheit benötigen wir, welche Handschuhe - all dies machen wir an der Größe des Vogels aus.

Nach der Größe des Vogels ist es noch sinnvoll die Form des Schnabels anzugeben, falls der Vogel sich in schlechtem Futterzustand befindet. Wir wissen dann welches Futter benötigt wird. Ist der Schnabel dünn und spitz, wie lang ist er, welche Farbe hat er, ist der Schnabel gebogen?

Beschreiben Sie Form und Farbe des Vogels. Weist das Gefieder farbige Muster auf? Je näher wir vorher Bescheid wissen mit welchem Vogel wir zu tun bekommen, um so besser und schneller läuft die Fangaktion ab, denn wir wissen, welcher Vogel sich wie verhält. Es gibt Vogelarten, die sich leicht fangen lassen, andere machen es einem schwerer. Gerade in Wuppertal können wir oft nicht am Fundort parken und schleppen Ausstattungen mit uns. Je besser wir wissen, was uns erwartet, um so besser sind wir gerüstet.

Navigationsfähige Anschrift! Bitte geben Sie uns eine Handynummer an unter der wir Sie erreichen können, damit Sie uns den Fundplatz zeigen können und eine Anschrift, die das Navi findet. Wir kennen auch nicht alle Straßen ;-).

Wir haben einen Vogel bei Ihnen abgeholt oder Sie haben uns einen Vogel gebracht...?

Wir freuen uns, wenn Sie selber so geschickt sind einen Vogel in Not einzufangen und uns zu bringen. Denn in diesen Tagen fahren wir wie die Blöden von einem Einsatzort zum Anderen und kommen kaum dazu mal etwas zu essen oder unseren anderen Pflichten nachzukommen. Sie erleichtern uns damit die Arbeit, insbesondere bei hilflosen, leicht zu fangenden Vögeln.

Zum Transport eigenen sich Pappkartons mit Luftlöchern. Fangen lassen sich die meisten Vögel recht gut mit einer Tischdecke oder indem man eine Klappeinkaufskiste über sie stülpt.

Vögel flüchten immer dem Schnabel nach - also versperren Sie bitte die Richtung in die der Vogel den Schnabel hält.

Wurde der Vogel gerettet, möchte man gerne wissen, ob die Rettung Erfolg hatte. Sie können uns gerne eine Mail schicken, wenn Sie über das Schicksal "ihres geretteten Vogels" Bescheid wissen möchten. Nur lassen Sie uns bitte 3 Tage Zeit. Das ist meist die magische Grenze, wo wir bei verletzten Vögeln wissen, ob sie durchkommen oder nicht.

Wir möchten im Bezug auf Rettungsfahrten dringend darauf hinweisen, dass wir keinerlei offizielle Unterstützung erhalten. Alle Rettungsfahrten und die teure Rettungsausstattung werden aus Spenden finanziert.

Jederzeit freuen wir uns über Spenden, die dies möglich machen. Jegliches Vogelfutter, Transportbehälter (Plastikterrarien, Hamster-, Kaninchen- und Meerschweinchen-Kunststofftransportbehälter und ggf. Volièren nehmen wir gerne als Spenden an.

Unsere Retter arbeiten ehrenamtlich neben Ihrem Job und der weiteren ehrenamtlichen Arbeiten rund um´s Tier. Die Personaldecke ist immer dünn und wir freuen uns, wenn auch Sie sich für die Rettungsarbeit interessieren.

Wir haben nicht genug Tierretter, um pausenlos im Einsatz zu sein. Haben Sie also bitte Verständnis, wenn wir in Hoch-Zeiten der Tierrettung an andere Vereine verweisen.

Wir haben nicht genug Tierretter, um pausenlos im Einsatz zu sein. Haben Sie also bitte Verständnis, wenn wir in Hoch-Zeiten der Tierrettung an andere Vereine verweisen.

Text: I. Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

 

Erste Hilfe - Tipps für Wildvögel sowie Adressen und Aufnahmestationen für Wildvögel finden Sie nach Postleitzahlen unter

http://www.wildvogelhilfe.org/

Pressebericht zu Vogelfund

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