
Dringender Aufruf der
Vogelnothilfe Eitorf
Hände weg von Jungvögeln!

Von Gisela Bornstein
Die Brutgeschäfte unserer einheimischen Vögel sind auf Grund des sehr milden
Winters und Frühlings in vollem Gange. Bald werden die ersten Jungvögel
scheinbar hilflos auf dem Boden herum hüpfen. Sie sind aber nicht so hilflos wie
manche besorgte Spaziergänger meinen, sondern werden von ihren Eltern gut
versorgt, auch wenn die mal eine Weile nicht zu sehen sind.
Dass die Jungvögel vor Erlangen der vollen Flugfähigkeit das Nest verlassen, ist
eine Strategie der Natur: nur so kann wenigstens eines der Jungen überleben, die
sich im Geäst und unter Sträuchern verstecken, weil sie dort sicherer vor
Beutegreifern sind als im Nest. Besonders die nur daunenbefiederten Eulenjungen
fallen durch scheinbare Hilfslosigkeit auf. Sie werden aber rund um die Uhr von
den Eltern bewacht und gefüttert. Allzu hilfsbereiten Menschen können die
Angriffe der Eltern von Greifvogel-, Eulen- und großen Rabenjungen werden, weil
die ihre Jungen beschützen wollen.
Wie können Sie feststellen, ob ein Vogel Hilfe braucht? Einen Jungvogel, der an
einer ungünstigen Stelle sitzt, z.B. an einer befahrenen Straße, setzt man am
besten in unmittelbarer Nähe in einen Strauch oder Baum. Danach sollte man sich
entfernen; die Vogeleltern, die sich durch Rufen mit ihren Jungen verständigen,
nehmen nur den Kontakt zu ihnen auf, wenn der Mensch nicht in der Nähe ist.
Keine Bange, wenn Sie den Vogel angefasst haben: Vogeleltern können nicht
riechen, ob ein Mensch ihr Junges berührt hat.
Schauen Sie nach dem Kot!
Sind Sie sich nicht sicher, ob ein Jungvogel noch gefüttert wird, schauen Sie
sich den Kot des Tieres an: der Kot eines gefütterten Vogels ist weiß und hat
einen dunkelgrünen festen Klecks in der Mitte, bei Körnerfressern kann das
Kothäufchen von fester Konsistenz sein. Hier brauchen Sie nicht einschreiten.
Wenn der Vogel längere Zeit nichts gefressen hat, wird nur der Urinanteil
(flüssig und weiß) abgesetzt. Da sollten Sie aus sicherer Entfernung beobachten,
ob sich der fütternde Altvogel innerhalb der nächsten 2 Stunden zeigt. Hungerkot
erkennt man an seiner rein hellgrünen Färbung. Oft erscheint der Vogel auch
apathisch, sein Brustbein ist sehr spitz, und die Haut ist durch Wassermangel
runzelig.
Dann ist schnelle Hilfe angebracht. Aber Vorsicht! Die plötzliche Futtergabe
kann den Vogel ebenso töten wie der längere Nahrungsentzug. Um ihn richtig zu
füttern, muss man feststellen, zu welcher Art der Jungvogel gehört – was häufig
gar nicht so einfach ist. Jedenfalls sind Hunde- oder Katzenfutter als Ersatz,
besonders bei Rabenvögeln, denkbar ungeeignet. Nackte Jungvögel sollten, wenn
möglich, ins Nest zurückgelegt werden. Oft ist das aber auch nicht möglich.
Diese Vögelchen müssen gewärmt werden und brauchen schnell fachkundige Hilfe
durch den Vogelnothilfe e.V..
Verletzte und durchnässte Jungvögel brauchen Hilfe
Das gleiche gilt für verletzte oder vollkommen durchnässte Jungvögel. Die
Verletzten bringen Sie bitte schnellstens zu einem (wenn möglich) vogelkundigen
Tierarzt. Eine Adresse können Sie von uns erfahren. Durchnässte Vögel setzen Sie
in einem Karton unter eine Wärmelampe, dabei bitte öfter mit dem Handrücken
prüfen, ob es nicht zu warm wird. Wenn sich das Tierchen erholt hat und
ansonsten gut genährt erscheint, können Sie es wieder raussetzen.
Falls Ihre Katze oder Hund einen Vogel anbringt: auch wenn der Vogel unverletzt
erscheint, ist eine sofortige Antibiotikabehandlung unumgänglich. Die Keime
(Pasteurellen) im Katzenspeichel, die durch allerfeinste Haarrisse in die
Vogelhaut eindringen können, sind absolut tödlich für Vögel! Bitte bringen Sie
den Vogel noch am selben Tag zum Tierarzt oder informieren uns!

Die meisten Jungvögel fallen Katzen zum Opfer
Eine Bitte an alle Katzenbesitzer: wenn es möglich ist, lassen Sie Ihren
Stubentiger während der Monate Mai bis Juli nur kontrolliert heraus. In vielen
Gegenden mit hoher Katzendichte fallen über 50 Prozent der Jungvögel Katzen zum
Opfer. Weitere 25 Prozent werden Opfer von natürlichen Feinden und
Straßenverkehr.
Eltern sollten mit ihren Kindern über Wildvögel sprechen: Ein neugieriger Blick
ins Vogelnest, der Versuch, ein Foto davon zu machen, wirkt sich sehr störend
auf das Brutgeschehen aus und lockt dazu Fressfeinde an. Empfindliche
Vogeleltern verlassen dann oft das Nest und ihre Jungen.
Haben Sie Fragen oder haben Sie einen Vogel gefunden, der unsere Hilfe braucht,
oder bei dem Sie sich dessen nicht sicher sind – bitte rufen Sie uns an!
Für Greifvögel und Eulen: Greifvogelauffangstation Hagard: 0170 1781046
Für alle anderen Vögel: Vogelnothilfe e.V.: 0177 6714620
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für Wuppertal:
Wild- und Waldvogel Auswilderungsstation Röttger
Greifvögel und Eulen - auch:
Grünflächenamt der Stadt Wuppertal
Oberbergische Str. 70a
42285 Wuppertal
Tel: 0202/84402 (Forstmann Herr von der Weppen, zw. 13 und 14 Uhr)
für andere Gebiete - Postleitzahlliste:
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass in der Regel nicht alle Vögel abgeholt werden können! In der Jungvogelzeit haben die Stationen alle Hände voll zu tun, verwaiste und verletzte Jungvögel zu päppeln. Da kann das Personal nicht für jeden Jungvogel losfahren - viele andere Vögel würden in der Zeit verhungern, wo das Personal die Stationen verlässt.