
Schenkt mir bitte keine Blumen...
Es war wieder mal mein Geburtstag. Ganz rührende Geschenke bekam ich von Freunden - die meisten hatten natürlich etwas mit Tieren oder Tierschutz zu tun. Doch dann bekam ich ein Geschenk, was mich erblassen ließ... BLUMEN !
Sicher, ich mag Blumen und so ein Blumenstrauß oder eine Topfpflanze machen die Wohnung doch gleich gemütlicher und werten sie auf, aber ich dachte mit Schrecken daran, wie ich in der Weihnachtszeit einen so genannten Weihnachtsstern im Miniformat geschenkt bekommen hatte. Zwar freute ich mich über das hübsche kleine Pflänzchen, aber ich wusste auch, dass diese Pflanze hochgiftig für die meisten Tiere ist und Tiere halten sich reichlich in meinem Haushalt auf. Diesmal war es eine Pflegekatze mit hervorragender Sprungkraft.
Ich erinnerte mich daran, wie ich damals vor meinem eigenen Kater versuchte in der Wohnung ein Zederngras in Sicherheit zu bringen, was er zu seiner Lieblingsspeise auserkoren hatte. "DEN Schrank schafft er nie !" hatte ich damals leichtfertig behauptet und das Zederngras auf den Wohnzimmerschrank in 2,10 m Höhe befördert. Der Kater betrat das Zimmer, entdeckte mit seinen scharfen Augen und der sensiblen Nase sofort das Zederngras auf dem Schrank (wie eigentlich, denn wir konnten es von unten leider kaum noch sehen), setzte sich vor den Monsterwohnzimmerschrank, maunzte kurz und katapultierte sich mit Leichtigkeit gleich aus der Sitzposition nach oben. Gleich darauf hörte ich wohlbekannte Schmatzen aus luftiger Höhe und wusste, dass es nun um mein geliebtes Zederngras geschehen war. Ich hab mir übrigens seither nie wieder eines angeschafft.
So stand ich denn an Weihnachten verlegen dankend mit dem Miniweihnachtsstern in der Hand da und dachte in erster Linie an das Wohlergehen meines Pflegekaters. Nun, er hatte nicht das ausgeprägte Sprungvermögen unseres damals ach so trainierten Freigängers, aber sportlich war er schon. Ein wenig Licht benötigt denn nun jede Pflanze und so verbannte ich das lieb gemeinte Geschenk in Höhe von 1,90 m auf ein Regalbrett im Wintergarten. Sehr oft würde ich es dort nicht betrachten können, sinnierte ich traurig, und so war es denn auch. Die ersten Tage verbrachte ich wenigstens noch eine stille Gedenkminute vor dem Regal auf einem Tritthocker, wenn ich das Pflänzlein goss, aber irgendwann fiel es dem Stress zum Opfer, wurde vergessen und von mir erst beim Staubputzen als trauriges Krümmelbäumchen entfernt. Wenn mein lieber Gast wüsste, wie sein Geschenk in Ehren gehalten wurde... - ich beerdigte es pietätlos in der Komposttonne und den Plastiktopf im gelben Sack.
Damals hatte ich der Pflanzenwelt reuevoll versprochen, dass ich sie künftig in der Form ehren wollte, indem ich auf sie verzichte und hatte begonnen mir bei jedem Ikea-Einkauf ein Plastikpflänzchen mitzubringen und hin und wieder im Baumarkt eine Textilpflanze zu erstehen. In hübschen Übertöpfen "eingepflanzt" gaben sie der Wohnung einen wohnlichen Charakter und erwiesen sich auch beim Umzug als äußerst pflegeleicht. Kurz abgeduscht und getrocknet machten sie wenig Mühe und ich war vermutlich die Einzige, die all ihre Topfpflanzen gesammelt in einem einzigen Müllsack transportieren konnte und nicht um ein Abknicken der Blätter bedacht sein musste (wer mal mit einem Prunkstück von Pflanze umgezogen ist, weiß wovon ich rede). Rasch waren sie in der neuen Wohnung wieder in Übertöpfe gestopft oder mit dem Daumen in ein Aquariumkiesbett gedrückt.
Meine Pflegetiere dankten es mir mit blühender Gesundheit und auch wenn die jungen Katzen gelegentlich ein Textilblättchen vom nachgestellten Giftefeu abrissen - wenn sie all zu wild spielten - so brauchte ich mir wenigstens keine Gedanken zu machen, wenn ich die Blättchen ausgekaut auf der Erde fand. Der Giftalarm entfiel in meinem Haushalt.
Jetzt also war mein Geburtstag gekommen und ich wechselte bei Übergabe des hübschen Blumenstraußes dezent die Gesichtsfarbe. Wo sollte ich diesen farbenfrohen Strauß in Sicherheit bringen ? Auf Anhieb zählte mein geübtes Tierschutzauge alleine drei giftige Pflanzen in dem hübsch gebundenen Strauß. Die Schenkende muss einigermaßen erstaunt gewesen sein über meine Undankbarkeit, denn ich bekam gerade noch ein müdes "ach, danke, wie hübsch, das wäre doch nicht nötig gewesen" heraus. Ob sie frustriert war als ich den tollen Strauß erst liebevoll in eine farblich passende Vase sortierte und dann ins BADEZIMMER verbannte ?
Nun, es mag Badezimmer geben, die man auch wunderschön mit Schnittblumen dekorieren kann, aber dies ist leider bei meinem Winzlingsbad eher nicht der Fall. Jedoch ist das Badezimmer in meiner Wohnung der einzige Raum, wo ich Zeit ohne meine Katzen verbringe - seit eine von ihnen eine ganze Rolle Clopapier geschreddert hatte. Seither bleibt die Tür geschlossen und man kann sich nun auch viel entspannter auf der Toilette niederlassen und muss nicht mehr darauf achten, dass hinter einem eine neugierige Katze versucht den Inhalt der Schüssel zu erkunden. Auch das Baden verläuft nun wesentlich entspannter und ich kann endlich wieder meine geliebten Kerzen in Einsatz bringen, wenn ich mich in einem Entspannungsbad vom Stress erholen möchte.
Man kann nicht sagen, dass ich den Anblick des Blumenstraußes nicht genieße, wenn ich ins Bad gehe, denn er passt mit seinen Farben hervorragend in mein fröhliches, gelb-weißes Bad, aber seither vermisse ich ständig eine Ablagefläche für den Föhn, zumal das Badezimmer manchmal auch noch dem sicheren Abkühlen des heißen Bügeleisens dient. Aber wer Tierschützer sein will muss manchmal eben leiden und gesunde, fröhliche, im Platz uneingeschränkte Katzen sind mir denn doch wichtiger als die relativ kurze Zeit, wo ich den Anblick frischer Schnittblumen genießen kann.
Lieber genieße ich da die hübschen Blümchen auf der Wiese beim Hundespaziergang, die da sind, wo sie hingehören - in der Natur ! Also, schenkt mir bitte keine Blumen - meine Reaktion auf Eure lieben Geschenke könnte falsch gedeutet werden ! ;-)