Eine spannende Müllgeschichte!

"Was machen Sie denn da?" So werde ich öfters angesprochen, wenn ich mit Müllzange und einer Tüte in der Hand, den Hund an meiner Seite, durch den Park laufe. "Ich sammele Müll!", lautet dann meine Antwort und ich werde dann noch misstrauischer beäugt als vorher. "Müssen Sie das?", ist dann meist die nächste Frage, auf die die Antwort "nein" lautet. "Ach, machen Sie einen 1-Euro-Job?" "Nein, auch das nicht!", lautet die Antwort wieder, was die erstaunten Zuschauer dann noch verwirrter hinterlässt. "Kriegen Sie das bezahlt?" Wieder ein "nein". Offensichtlich kann sich niemand vorstellen, dass man freiwillig und unbezahlt Müll sammelt, weil man aus verschiedenen Gründen einen hübschen müllarmen Park schöner findet und obendrein so erzogen wurde.

Ich sammle Müll - übrigens bereits in der zweiten Generation - und das hat gute Gründe. Zum Einen möchte ich keine hohen Tierarztkosten für schlecht heilende, tiefe Schnitte durch Glasscherben in der Pfote meines Hundes bezahlen und meiner Hündin natürlich auch die Schmerzen solch - absolut unnötiger - Verletzungen ersparen. Gleiches gilt für alle ausgesprochen ungesunden Lebensmittel, die so in der Natur hinterlassen werden, wie spitze Kotelettknochen mit halbrohem Schweinefleisch, Chips mit Fett und Salzauflage, Reste diverser Mac Donald oder Burger King Menüs und ganz zu schweigen von Alkoholresten in Bechern, die einfach auf die Wiese geworfen werden, die so manchem Tier schaden oder Durchfall und Erkrankungen auslösen können. Dies alleine sind schon Gründe genug mindestens zweimal die Woche mit einer Mülltüte und der Müllzange auf den sowieso obligatorischen Hundespaziergang zu gehen.

Doch zahlreich sind auch die Gründe, die immer stärker gefährdete Vogelwelt zu schützen. So fand man im Magen von verschiedenen verendeten Vögeln schon glitzernde Silberfolien, die sie jämmerlich verrecken ließen. Sogar Zigarettenkippen hielten manche Vögel wohl für Brotkrusten und hatten sie verschluckt, bevor sie feststellen konnten, dass diese ungenießbar und sogar höchst giftig sind. Bindfäden, Plastikstreifen und anderer Müll bindet jedes Jahr unzähligen Vögeln die Glieder ab, wenn sie versuchen mit diesen langen "Fäden" ein Nest zu bauen. Kein schöner Anblick, wenn so ein nettes Singvögelchen kopfüber ermattet vom Baum hängt, weil sich der Faden nicht nur im Fuß, sondern auch an einem Ast verhakt hat. In üblem Todeskampf flattern sich die Vögel panisch zu Tode, ähnlich ihrem Schicksal in südlichen Ländern in Fangnetzen. Nun mag der Eine oder Andere einwenden, dass ihn eh das Vogelgezwitschere nervt, weil man dadurch den Autolärm nicht mehr richtig hören kann, aber ich sehe das eben anders. Tierfreunde sind manchmal so altmodisch!

Wer Müll sammelt, macht sich so seine Gedanken. Wer verursacht den meisten Müll? Wie könnte man ihn vermeiden? Wie erreicht man, dass Jugendliche die Reste ihrer alkoholischen Exzesse nicht ausgerechnet auf Spielplätzen hinterlassen? Wie kann man mehr Menschen sensibilisieren, ihren Müll der Menschen-, Tier- und Umwelt nicht zuzumuten, sondern nach Grillpartys und Picknicks wieder einzupacken? Wie kann man erreichen, dass alberne Jugendliche nicht Hundekotbeutel aus Jux und Dollerei aus den Spendern reißen und im Park verteilen? Wie erreicht man, dass Menschen Mülleimer benutzen? Wie macht man erwachsenen Menschen klar, dass der Park kein großer Aschenbecher ist, in dem man leere Zigarettenschachteln und Kippen achtlos wegwirft? Würde es helfen, wenn wenigstens an allen Wegkreuzungen zusätzlich Mülleimer stünden? Viele Spaziergänger benutzen sie ja noch, wenn sie nicht zu weit weg liegen von dem Ort, wo der Müll gerade anfällt und an den Wegkreuzungen liegt besonders viel Müll! Die städtischen Mitarbeiter müssten dann zwar ein paar Mal mehr anhalten beim Mülleinsammeln, aber ich denke, das wäre noch vertretbar, weil es ja "auf dem Weg liegt". Zumindest wäre es für mich dann einfacher meinen gesammelten Müll loszuwerden und nicht die - leider - schwere Tüte so lange zu schleppen. Würde es helfen die Menschen darauf hinzuweisen, dass man Müll auch in der Tasche nach Hause oder in den nächsten Mülleimer transportieren kann? Wie wäre es, wenn man an jedem "Niemandslandweg" (Abkürzungswege zwischen Grundstücken, für die sich niemand zuständig fühlt, weil die Anwohner sich aus Angst vor Müll hinter hohen Zäunen und Hecken verstecken) privat einen Mülleimer anbringt und lehrt? Fragen über Fragen...

Fragen, über die ich Tag für Tag nachdenke, wenn ich den gesammelten Müll betrachte. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es schon wesentlich weniger Müll im Park gäbe, wenn Eltern ihren Schulkindern keine Süßigkeiten mit in die Schule geben, oder woran liegt es, dass so viel Bonbonpapiere gerade auf dem Weg von Wohnsiedlungen in Richtung Schule liegen und je näher man an die Schule kommt, um so geringer werden die Ansammlungen solcher Papierchen? Ein anständiges Frühstück zu Hause eingenommen und dabei auch genug getrunken, würde vielleicht auch vermeiden, dass leere Trinkpäckchen den Weg zur Schule säumen.

Bei den Rauchern bin ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass ihnen nur ein Sehtest, eine Brille oder eine Karte mit eingezeichneten Mülleimern helfen könnten. Sie sind übrigens die Spitzenreiter unter den Müllsündern und nicht die Hundehalter, denen man nachsagt, sie würden die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht wegräumen. Natürlich fällt mir beim Müllsammeln auch die eine oder andere Hinterlassenschaft eines Hundes auf, die nicht ordnungsgemäß entsorgt wurde und den Weg verunziert, aber zumindest in Haan sind diese verdammt selten geworden, seit überall Kottütenspender hängen, die die Stadt Haan freundlicherweise regelmäßig befüllt. Tja, den Rauchern beizukommen, erscheint schwierig, denn gerade leere Zigarettenschachteln und Kippen liegen meist in unmittelbarer Nähe von Mülleimern, so dass es ein Leichtes wäre, diese dort hinein zu befördern. Daher schlage ich entweder den Besuch eines Optikers vor - "mit Brille wäre das nicht passiert" - oder ein neues Spiel, was da heißen könnte "wer den Mülleimer nicht trifft, zahlt die nächste Packung". Bei den heutigen Zigarettenpreisen stelle ich mir den Lerneffekt gut vor. Spielpartner müssten eigentlich mit Leichtigkeit gefunden werden können, denn Raucher scheinen sehr gesellig. Die meisten unterschiedlichen Zigarettenkippen findet man vor Parkbänken oder an Wegkreuzungen, wo man sich offensichtlich getroffen hat. Ich verspreche den Damen und Herren Rauchern - ich bin übrigens selber Raucherin und stecke meine Kippen nach dem Austreten in ein Tütchen in der Hosentasche, wenn kein Mülleimer da ist - dass das nächste Rendevouz auf der Parkbank viel romantischer ist, wenn die Angebetete scheu die Augen niederschlägt und nicht in einen überdimensionalen Aschenbecher starren muss.

Ein weiteres Problem, was zwar eklig anzusehen ist, aber wenigstens nicht dauerhaft allzu schädlich für die Umwelt, sind weggeworfene, benutzte Tempotücher. Dabei meine ich nicht mal die Rotznasen-Saison, denn da fallen sie im Schnee nicht so auf, sondern eher die Sommerzeit. Offensichtlich werden reihenweise Herzen gebrochen, denn an allen Parkbänken, wo sich vermutlich junge Damen die Augen aus dem Kopf geweint haben, weil der Angebetete nicht so will wie sie, liegen sie stapelweise. Es kommen dann noch die vereinzelten Tempotücher dazu, die Jogger, Walker und Radfahrer im olympischen Fieber aus den Taschen rissen und verloren haben. Für die liebeskranken Damen hätte ich die Empfehlung, dass sie sich einfach einmal fest einprägen, dass eigentlich neben jeder Parkbank für diesen Zweck Mülleimer aufgestellt sind. Selbst mit tränennassen Augen stehen also nur zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Rechts oder links neben der Parkbank und schon wäre es etwas netter im Park. Schließlich möchte sich die nächste Liebeskranke auch in netter Umgebung ausheulen können. Evt. sind die Mülleimer auch durch Ertasten zu finden - sie stehen nämlich verdammt nah.

Kommen wir nun zu den leidigen Glasflaschen, die in tausend Scherben zersprungen, die Wege zieren. Leider nicht nur die Wege, denn man gibt sich offensichtlich die größte Mühe diese gezielt an Spielplätzen zu hinterlassen oder auch noch die Rutsche zu treffen. Bierflaschen findet man seltener, seit Einführung des Pfandgeldes. Eher sind es Wodkaflaschen oder die kleinen Flachmänner, die einst mit Kleiner Feigling und ähnlichem gefüllt waren (gut erkennbar an dem lila Metallmüll der Verschlüsse). Warum eigentlich nur Pfandgeld auf Bierflaschen und Erfrischungsgetränke erheben? Zwar habe ich keine Hoffnung, dass die versoffene Jugend sich Gedanken über Pfand macht, weil sie so sparsam ist, aber vielleicht reicht ja das Pfandgeld um die nächste Flasche Schluck zu finanzieren? Bei der Menge an Flaschen, die man findet, schon vorstellbar und dann würden selbst die Schluckspechte vielleicht ihren Müll wieder einsammeln, um sich auf den Weg zum Kiosk - wo übrigens auch ein Mülleimer steht - zu begeben. Wenn nicht bliebe vielleicht die Chance, dass der eine oder andere clevere Hartz 4 - Empfänger mich nächstens bei meiner Mülltour unterstützt und mir die Flaschen abnimmt, um das Pfand einzulösen, bevor andere sie zerschmettern und sie in Hundepfoten oder Spielsand landen.

Den phantasielosen Jugendlichen, die ab und an Spaß dabei empfinden, die - von Steuergeldern bezahlten - Hundekotbeutel aus dem Spender zu ziehen und in der Gegend zu verteilen, kann ich nur sagen, dass es tausend phantasievollere Spiele gibt, wo der Spaß wesentlich länger anhält und sie darauf aufmerksam machen, dass sie so selbst schuld sind, wenn sie bei ihren abendlichen Ausflügen öfter mal in Hundescheiße latschen. Ich hoffe, dass ihre Eltern sie dann selbst den Teppich zu Hause reinigen lassen, damit sie evt. verstehen, welchen Hintergrund es hat, dass diese Spender mit Kottüten angebracht wurden. Glaubt mir, die Dinger lassen sich nicht mal so toll aufblasen wie Kondome und knallen nicht mal gescheit, wenn man sie kaputt schlägt. Der Stadt kann ich nur empfehlen reihenweise Jugendliche, die wegen Jugendverfehlungen Arbeitsstunden ableisten müssen, in die Parks zu jagen und den Müll aufsammeln zu lassen. Vielleicht denken diese dann einmal darüber nach, dass sie ja bereits selber geschlechtsreif sind und demnächst ihre Nachkommen sich die Finger beim Sandkuchenbacken aufschlitzen, wenn sie am Spielplatz in eine kaputte Wodkaflasche packen. Und vielleicht ist ja dann auch die Mama oder der Papa dabei und helfen beim Sandkuchenbacken?! Also, wenn es soweit ist, vergesst dann wenigstens nicht die aufgeweichten Pflaster doch lieber in die Mülleimer zu entsorgen. Sie könnten Euch sonst im nächsten Sandkuchen wieder begegnen - ekliger Gedanke, oder? Ihr könnt natürlich auch gleich ein Sieb mitnehmen und erst allen Müll aus dem Sand sieben - die Kuchen halten dann auch viel besser.

Sollte ich Sie mit der Überschrift getäuscht haben und dazu gebracht haben, die Geschichte zu Ende zu lesen, dann hat sich die Täuschung rentiert. Denn sicherlich hat jeder Leser die Möglichkeit etwas zu tun. Die meisten von Ihnen kennen oder haben sicherlich Kinder oder Enkelkinder und könnten erzieherisch einwirken, mindestens aber erklärend mit leuchtendem Beispiel voran gehen, um Müll zu vermeiden. Und wenn nicht, dann kennen Sie bestimmt Eltern oder Raucher? Wenn auch das nicht, dann seien Sie doch bitte so nett und entsorgen diese Geschichte wenigstens ins Altpapier oder einen Mülleimer, dann haben Sie schon einen Beitrag geleistet.

Machen Sie doch mit! Sammeln Sie Müll...

I. Schellenbeck

www.tierhilfelid.de

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