
Windhunde können nicht nur rennen...
Windhunde sind im Haus meist ausgesprochen sanfte und leise Wesen. Viele dieser Rassen sind nicht sonderlich wachsam und bellen im Haus so gut wie nie. Sie sind feinfühlig und sensibel und daher auch geeignet als Therapiehunde, die in Altenheimen oder Kliniken eingesetzt werden. Doch sie sind auch intelligent und sehr gelehrig. Wir finden es daher sehr, sehr traurig, wenn Menschen denken, dass Windhunde "nur rennen" können. Dies lastet die eifrigen Hunde meist alleine nicht aus und so kommt es schnell dazu, dass diese klugen Hunde ihre Intelligenz für Beschäftigungen einsetzen, die sie sich selbst gesucht haben.

sensible und intelligente Wesen - Windhunde
So können viele Windhunde aufgrund z. B. ihrer schlechten Vergangenheit, in der viele Tierschutzwindhunde bös gehungert haben und sich aus Mülleimern ernährt haben, zu wahren Meistern des Stehlens von Lebensmitteln werden. Ihre langen Beine helfen ihnen dabei hervorragend auch an die höchsten Stellen heranzugelangen und die schlanken, langen Nasen eignen sich bestens, um auch in kleinste Ritzen und Taschen vorzustoßen.

die schlanken Nasen eignen sich, um auch in engsten Räumen zu klauen ...
... die eleganten, langen Beine helfen beim Klauen in oberen Etagen
Gerade der Galgo Espanol hat sich zudem als reinster "Holzwurm" und "Meister-Entpolsterer" entpuppt. In unserem Partnertierheim in Madrid stand einmal eine Holzhütte. Eine Woche waren Galgos in dem Gehege, wo die Hütte stand, untergebracht. Eine Hütte fand man anschließend nicht mehr - nur Sägespäne. Die Galgos jedoch waren überaus zufrieden mit ihrem Fleiß und strahlten über das ganze Gesicht und waren so ausgeglichen wie nie zuvor. In unserem Partnertierheim ist seither kein Galgo mehr ohne Aufsicht in einem Gehege mit Holzbauten.
Galgos sind die wahren Meister des "Entpolsterns"

Windhunde - die Vollblüter unter den Jagdhunden - antrittsstark und schnell wie der Wind
Windhunde sind die Vollblüter unter den Jagdhunden. Manche Arten - wie der Greyhound und der Galgo Espanol sind eher Sichtjäger, andere, wie der Podenco jagen mit jeder Faser ihres Körpers und setzen Nase, Ohren und Augen für das Aufspüren von Wild ein. Will man nicht ständig Gefahr laufen, dass der geliebte Hund vom Auto überfahren oder vom Jäger wildernd erschossen wird, hält man diese Hunde lieber in unsicheren Gefilden an der Leine. Manche sind derartige Vollblutjäger, dass sie ihr Leben lang mit einer Leine gesichert werden müssen, denn welchem Menschen gelingt es schon Wild vor einem Jagdhund zu entdecken?
IM Haus vertragen sich einige Windhunde gut mit Katzen...

... und doch jagen manche die eigenen Zimmergenossen, wenn sie sie im Garten laufen sehen!
Trotz dieses ungeheuren Jagdinstinktes wissen die meisten Windhunde aufgrund ihrer außerordentlichen Intelligenz sehr wohl, ob ein anderes Tier "Beute" ist oder zur Familie gehört. Zwar würde ich keinen Windhund mit dem Hasenkäfig alleine lassen und würde stets versuchen zu verhindern, dass Nachbars Katze gerade das Grundstück kreuzt, wenn der Hund in den Garten startet, aber - je nach Rasse - gewöhnen sich die Jäger sehr wohl an die eigene Familiekatze. Oder ob sie aufgrund ihrer Intelligenz wissen, dass LEBENDIGE Katzenfelle gut gegen Rheuma sind. Vorsicht ist trotzdem mit allen Beutetieren geboten. Ein Galgo Espanol, der vorher Kaninchen jagte, kommt dabei mit der Hauskatze sicher besser klar als der Greyhound, der jahrelang auf der Rennbahn hinter Fellbeute herhetzte. So haben wir bei den meisten Galgos sehr wohl Katzenverträglichkeit IM HAUS feststellen können, Greyhounds vermitteln wir lieber in katzenfreie Haushalte. Doch selbst wenn die Windhunde an die Katzen im Haus gewohnt sind, bleibt stets ein Restrisiko, wenn man die Tiere alleine lässt. Einige Podencopflegestellen empfehlen daher ein separates Katzenzimmer, wenn man außer Haus ist und auch wir hatten schon einen tödlichen Unfall, weil Windhunde mit einer Katze "spielten" als die Familie ausgegangen war. Spielerisches Zwicken ins Genick führte hier zum Genickbruch mit tödlichem Ausgang.

Windhunde müssen rennen - nur das ist artgerechte Haltung. Dafür gibt es Windhundausläufe!

Doch auch dort dürfen die Hunde nicht unbeaufsicht bleiben und auch die Menschen müssen auf ihre Beine achten, wenn Windhunde im vollen Lauf lange Bremswege haben.
Durch seine unglaubliche Geschwindigkeit und Antrittskraft bringen die Windhunde sich und ihre Menschen schnell in Gefahr. Windhunde haben in der Regel einen Halswirbel mehr als andere Rassen, sie haben schlanke, filigrane Knochen und elegante Pfoten mit feingliedrigen Zehen. Fliegen sie einmal auf ihr Ziel - eine Beute - zu, ist kein Halten mehr. Der Halter landet rasch mal im Matsch, die Leine ist nicht mehr zu halten und fliegt hinterher oder die Leine hält und der Hund überschlägt sich im Übereifer, was auch schnell im rasanten Lauf passieren kann, wenn ein Hindernis im Weg ist. Denn bei diesen Laufgeschwindigkeiten noch rasch bremsen zu können oder auszuweichen, würde schon an ein physikalisches Wunder grenzen.

"Wiesenregeln" in den Windhundausläufen verhindern Mobbing einzelner Hunde. Sie sollten beachtet werden.
So kracht schnell mal ein Windhund in den anderen Windhund, ein Windhund überschlägt sich oder brettert in die Beine eines träumend herumstehenden Menschen. Auf einem Windhundtreffen in Berlin rasten einmal zwei spielende Whippets ineinander - Kiefernbruch! Ein Windhund zwickte spielerisch einen mitlaufenden Yorckie - Genickbruch! Eine Galga spielte im Garten, die Halterin sah faziniert zu und schon raste die Hündin gegen ihre Knie - Kniescheibentrümmerbruch!

In Ausläufen ist es manchmal angezeigt, dass Maulkörbe angelegt werden. Nicht, weil die Hunde böse sind, sondern weil im raschen Lauf mal ein Zähnchen im Kumpel hängen bleiben kann und dann gleich böse Löcher reißt. Windhundausläufe haben meist leichte Kunststoff-Windhundmaulkörbe im Verleih oder im Verkauf.
Ein Greyhound zwickte eine vorbeiflitzende Galga, die sich im vollen Lauf befand, spielerisch in die Seite und blieb mit dem Zahn hängen - die Galga wurde mit 27 Stichen genäht! Windhundbesitzer wissen dies und auf den Ausläufen wird dem Rechnung getragen, indem dort leichte Plastikmaulkörbe für die "Zwickspezialisten" angeboten werden.

Die meisten Windhunde fühlen sich im Rudel wohl

Windhunde wie der Galgo Espanol z. B. sind echte Rudeltiere. Die spanischen Jäger halten oft 20 und mehr Galgos auf engstem Raum in hässlichen Betonzwingern. Die Würfe der Galgos sind sehr groß. Bis zu 16 Welpen können in einem Wurf sein. Was bleibt diesen Rassen da übrig, sich an engsten Körperkontakt zu gewöhnen. Draußen gehalten auf hartem, kalten Untergrund, bliebe ihnen sonst nur der Tod durch Erfrieren. Denn Galgos haben kein Unterfell, was sie wärmt und selbst die rauhaarigen Rassen frieren rasch. Der Vorteil dieser Geschichte ist, dass Windhundhalter in der Regel problemlos etliche Exemplare der Rasse problemlos auf relativ engem Raum zusammen halten können. Wir bemerkten diesen Vorteil auch als eine Windhundstation einmal umzog und eine Pflegerin und ich alleine mit 17 Galgos und einem wackeligen Zweiersofa zurückblieben. Die anderen Möbel waren bereits verladen. Die Pflegerin und ich nahmen auf dem zierlichen Sofa Platz und schauten fern. Binnen kürzester Zeit nahmen 17 !!!!! Galgos bei uns Platz - auf einer Zweiercouch. Das wäre mit keiner anderen Rasse gegangen. Galgos sind absolut stapelbar ;-). Wir wollen zwar nicht behaupten, dass auch andere stapelbare Hunde gibt, aber beim Galgo Espanol ist dies eine Spezialität und so sind Galgos meist keine Einzelhunde, auch wenn es da einige Ausnahmen gibt wie überall.

Glückliche Augen zeigen: So wollen Windhunde leben, denn Rennen und Artgenossen sind artgerechte Haltung.

Weiches Gras oder auch mal "Eau de Chien" ?


Doch auch ein Leben im Rudel hat nicht nur Vorteile. Hier überleben nur die Starken. Futterneid und Mobbing anderer Hunde sind oft die Folge. Dies ist kein böser Wille der Hunde, sondern ein Urinstinkt. Wer schwach ist wird vertrieben aus dem Rudel, dies dient der Arterhaltung und sorgt dafür, dass nur die Hunde mit guten Erbanlagen sich möglichst paaren. Doch der angeborene Hetztrieb mit diesem Urinstinkt führt im Rudel beim Spielen gerne dazu, dass einmal ein Artgenosse als "Opfer" ausgespäht wird und "den Hasen spielen" muss. Rasch heizt sich das Rudel im Lauf auf und das arme Opfer leidet Höllenqualen auf seiner Flucht.

Windhunde sind häufig "Rassisten" und fallen gerne gemeinsam im Rudel über andersartig aussehende Hunde her - da ist Aufsicht gefordert
Und da die Windhunde sehr wohl recht gut sehen können, wird als Opfer auch gerne ein andersartiger Hund ausgespäht. Das kann ein Hund mit besonders windhundartfremden Aussehen sein, mit plüschigem oder langem Fell oder kurzen Beinen. Man kann daher manche Windhunde sehr wohl als Rassisten bezeichnen, auch wenn es auch bei anderen Rassen oftmals vorkommt, dass sich Hunde einer Rasse besser verstehen. Dies kann unter anderem auch schlicht daran liegen, dass jede Rasse ihre Besonderheiten in der Körpersprache und Verhaltensweise hat.

So mancher Windhundbesitzer sagt: "Ein Hund ist kein Hund"

Renia und Kipanya würden das sicherlich bestätigen - wir danken den bildschönen Fotomodellen für die Bebilderung dieses Artikels

Dies ist jedem Windhundhalter bekannt, wenn der Galgo sich neben ihm auf Dackelgröße auf der Couch einrollt und nach einer Weile laaaaangsaaaam seine meterlangen Beine ausfährt, um Herrchen oder Frauchen mit genussvollem Gesicht von der Couch schiebt oder locker ein Doppelbett für sich beschlagnahmt, obwohl er vorher doch mit der Ecke am Fußende auskam.


Erst dackelklein, dann Heidi-Klum-Beine - kein Hund kann seine Größe so rasch verändern wie ein Windhund

macht ja nichts - Frauchen kann ja im Körbchen schlafen - sind ja genug freie da
Diese hochintelligenten, sensiblen Wesen eignen sich aber nicht nur als Therapiehund, sondern sind ohne weiteres im Agility oder bei der Ziel- und Objektsuche äußerst gut bei der Sache. Zwar muss man sie anders als andere Rassen dabei handhaben, aber so mancher Hundehalter war schon bass erstaunt, wie sehr die gemeinsame Beschäftigung von Hund und Halter die Bindung verstärkten und so sogar der Weglaufgefahr durch Jagdtrieb vorbeugten. Fährtenarbeit eignet sich für die eifrigen Jäger auch sehr und kommt den Rasseinstinkten entgegen. Auch bei Intelligenzspielen haben sich die intelligenten Windhunde schon oft bewährt und machten den Hunden überraschend viel Spaß. Vom Urinstinkt sind sie gewohnt für ihre Beute zu arbeiten und dies selbstständig und so genießen sie diese Art von "Ersatzbefriedigung" sehr.
Mit einem Agility-Parcour kann man Windhunde prima beschäftigen...

ob man nun ernsthaft übt oder ihn als Auslauf nutzt

Spiel- und Sportgeräte mal zum reinen Vergnügen - macht auch Spaß

Traust Du Dich nicht ? Komm, dann schieb ich Dich durch den Tunnel
Buddeln gehört ebenfalls zu den Leidenschaften manchen Windhundes. Und ehrlich gesagt - ein Windhund der buddelt, läuft wenigstens nicht weg. So ist es manchmal nicht verkehrt den Jagdinstinkt des Windhundes vom Kaninchen oder Reh auf Mäuse in der Wiese umzulenken. So machen den Windhunden auch Sandgruben große Freude. Sie kühlen den Bauch im heißen Sommer nach raschen Lauf, man kann drin buddeln und sich so die langen Krallen wunderbar selber "feilen", aber auch als Geruchsträger für viele tolle Düfte eignet sich Sand hervorragend. Das ist doch fast so schön wie eine frische Fährte und viel ungefährlicher.

In Sandgruben kann man sich den Bauch kühlen, "Mäuschen suchen" oder nur mal schnuppern, wer sie vorher benutzt hat

Einige der - sonst so leicht frierenden - Windhunde sind gar absolute Wasserfreunde, schwimmen oder plantschen gerne im Wasser, obwohl sie gar nicht als Wasserapportierhunde gezüchtet wurden. So hat so mancher Windhund Spaß an Wasserbassins im sommerlichen Garten oder legt sich ersatzweise auch mal in das Unterteil eines riesigen Hasen- oder Meerschweinchenkäfigs.
Als Urlaubsort für Windhunde wird von erfahrenen Haltern gerne der Strand in der Nebensaison gewählt. Er ist wildarm und eine herrliche Rennstrecke und bietet zudem Möglichkeiten zum Buddeln.
Viele Windhundhalter machen Urlaub am Strand: Kein Wild und jede Menge Rennbahn und Sand zum "Mäuschen jagen" spielen

Schade wäre es also, wenn Sie Ihren Windhund "NUR rennen lassen" - er kann viel mehr !!!!
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