
Princesa - die lebende Fackel
Immer wieder bekommen wir Horrorgeschichten aus Spanien erzählt, über arme Hunde, denen unser Partnertierheim PROA Madrid zu helfen versucht. Damit man sich den Umfang der Tierqualen einmal vorstellen kann, haben wir als Beispiel die Geschichte von Princesa niedergeschrieben:
In der Nähe vom Tierheim der PROA Madrid befindet sich ein Lager von
nicht-sesshaften-ethnischen Minderheiten, welches einen solchen Ruf genießt,
dass nicht einmal die Polizei dort Streife fährt. Immer wieder erreichen
Schreckensmeldungen über Misshandlungen von Galgos und so genannten
"Kampfhundrassen" das Tierheim, denn diese sind die Rassen, die diese Menschen
halten - teils für illegale Jagd in Sperrgebieten, teils für Hundekämpfe. So
hatten Beobachter PROA im Tierheim entsetzt mitgeteilt, dass es in
dem Lager eine junge Galga Espagnol gäbe, die immer wieder aufs Übelste
misshandelt würde. Man würde sie treten, schlagen, hungern lassen und das Tier
habe sich inzwischen fast aufgegeben, läge nur noch apathisch in der Ecke.
Da Tierschützer oftmals eine Menge mehr Mut aufbringen müssen als Behörden,
machte sich das PROA-Team auf zum Lager und versuchte die Situation
zu begutachten. Aus der Entfernung beobachtete man das Lager, konnte aber die Hündin nicht
entdecken.

Wieder vergingen Tage und erneut kamen Beobachter und berichteten, dass
sie die Hündin als lebende Fackel, übergossen mit Benzin, brennend hatten aus dem
Lager weglaufen sehen. Sofort begab sich das PROA-Team in die Autos und fuhr in die angegebene
Richtung. Lange suchte man in einem Waldstück
nach der Hündin; hier hatte man die "brennende Fackel" zuletzt verschwinden
sehen. Jedes Erdloch wurde geprüft und das war gut so, denn in einem Erdloch
fand man die kokelnde Hündin, die sich - trotz der grauenvollen Schmerzen - nur
noch apathisch dort zum Sterben hingelegt hatte. Mit gebrochenem Blick starrte sie ins Leere. Mit
Decken wurde die Glut in ihrem Fell vernichtet und man zerrte die schwer verletzte Hündin aus dem
Erdloch.

Das PROA-Team hatte so einen grauenvollen Anblick eines - noch lebenden - Tieres noch nie sehen
müssen, auch wenn sie schon viele misshandelte Tiere gesehen hatten. Die junge Galga war noch kein
Jahr alt und wies grauenvolle Brandverletzungen auf. Schwarz verkohltes Fell, blanke Hautstellen,
verbrannt bis aufs Fleisch, eine mehr als zur Hälfte verbrannte Rute waren nicht nur ein grauenvoller
Anblick für die leidgeprüften Helfer, sondern auch der beißende Geruch von verbrannter Haut
verschlimmerte den Eindruck, den die Tierschützer widerwillig fürs Leben mitnahmen. Rasch trug man
vorsichtig die Hündin zum Auto und fuhr unter Missachtung sämtlicher Verkehrsvorschriften zur nächsten
Tierklinik. Kein leichtes Unterfangen im Berufsverkehr einer Großstadt wie Madrid, denn das Tierheim
liegt südwestlich von Madrid und die Strecke kam den geplagten Tierschützern, die mit der kleinen
Hündin litten, grauenvoll lang vor. Am liebsten wären sie über die Autos vor ihnen geflogen, so zitterten
sie um das bisschen Restleben in dem kleinen, schlappen Hundekörper, der nicht mal einen Laut von
sich gab.

Princesa auf dem Weg in die Klinik - zwischen Leben und Tod
copyright Fotos: Carlos Rojas
Als die Tierschützer mit dem grauenvoll zugerichteten Hundekörperchen die Klinik erreichten, machte
JEDER Mensch, JEDES Tier sofort Platz. Augenblicklich machten Helfer einen Behandlungsraum frei
und Ärzte kamen angerannt. Schwer schluckten die jungen Klinikhelferinnen beim Anblick der
misshandelten, kaum mehr lebenden Hündin. Entsetzt blickten sie in die mit Tränen überströmten,
verschmierten Gesichter der schmutzigen Tierschützer, die beruhigend auf die kleine Hündin einredeten.
Sofort erhielt die Hündin ein Schmerzmittel. Der Tierarzt zuckte zusammen als er in diesem grauenvoll
geschundenen Körper eine Stelle für die Spritze finden musste – wohl wissend, welchen zusätzlichen
Schmerz er der kleinen Hündin bereiten musste. Die Hündin kam an den Tropf um die verlorene
Flüssigkeit durch die üblen Brandverletzungen auszugleichen. In stundenlanger Arbeit wurden die
Wunden gereinigt und die Rute der - narkotisierten Hündin - wurde kupiert, denn nur ein kleines
Stück der verbrannten Rute war noch zu retten.

Endlich in der Klinik... jetzt hilft nur noch beten ...

... wie können Menschen so grausam sein ?
copyright Fotos: Carlos Rojas
Nach getaner Arbeit zitterte das gesamte beteiligte Team um das Leben der ca. 6 Monate alten Galga
Espagnol. Stundenlang schwebte sie in Lebensgefahr, zeigte sich aber als tapfere Kämpferin. Sie wollte
leben!!! Sofort wurde klar, dass diese Hündin nicht im Tierheim die notwendige Pflege erhalten konnte,
die sie benötigen würde, WENN sie diesen gemeinen Brandanschlag überleben würde. So setzten sich
die Tierschützer der PROA sofort mit ihren Freunden im Ausland in Verbindung, um ggf. einen
Pflegeplatz für die Hündin zu finden, wo sie in Ruhe genesen konnte.

In Spanien gibt es viel zu wenig Pflegestellen für so hochintensive Tiere
Foto copyright: PROA Madrid
Schnell war ein solcher Platz gefunden bei versierten Tierschützern, die auf die Pflege kranker Tiere
spezialisiert sind. Wochen später war die kleine Galga soweit stabilisiert, dass sie die Reise nach
Deutschland antreten konnte. Auf einem Pflegeplatz wurde die Hündin versorgt und gepflegt. Viele
Nachbehandlungen waren erforderlich und hohe Tierarztkosten entstanden. Paten brachten einen Teil
der Kosten auf, die Tierärzte gaben Tierschutzrabatte. Doch lange noch war nicht alles für die
Hündin vorbei. Erneut musste ein Stück Rute kupiert werden, was sich nicht erholte. Das
angeschlagene Immunsystem der Hündin konnte sich nicht gegen Milbenbefall wehren. Langwierige
Behandlungen gegen Sarkroptes- und Demodexmilbe waren erforderlich. Die Hündin verlor fast ihr
gesamtes Fell dabei und erholte sich nur mühselig.

Die deutsche Pflegestelle kümmerte sich liebevoll um die kranke Hündin
Engagierte Tierschützer gaben ihr jedoch den Lebensmut wieder, den
die Kleine für ihre Gesundung benötigte. Monatelang kümmerten sie sich um die
Hündin bis das Fell nachwuchs, die Milben besiegt waren und nun endlich durfte
die kleine Hündin auch wieder zu Artgenossen, was vorher wegen der
Ansteckungsgefahr nicht möglich war. Das harte Engagement lohnte.

noch ein bisschen bang, aber fast genesen

Heute ist Princesa, wie man die Hündin genannt hatte - denn sie war jedermanns Prinzessin
geworden - eine fröhliche, junge Hündin, die ihre verlorene Junghundzeit
nachgeholt hat und heute in rasanten Tempo mit ihren Hundekumpels über die Wiesen
tobt.

Aufgalopp ! Princesa findet neuen Lebensmut - Hundekumpels zeigen ihr wie schön das Leben sein kann

Ok, Du hast keine Rute - aber riechen tust Du wie ein Hund

Aber kannst Du auch rennen wie ein Windhund ? Krieg mich doch !
Durch den Einsatz engagierter Tierschützer, mehrerer Tierschutzvereine, Paten und Tierfreunde hat
diese Hündin geschafft, was jedem Lebewesen gegönnt sein sollte:
Sie hat eine neue Chance erhalten und darf ein Leben als artgerecht gehaltener Hund mit vielen netten Hundekumpels führen.

So schön kann ein Hundeleben auch sein

So weiche Betten gibt es dort wo ich herkomme nicht !

Da kann man vor Übermut schon mal albern werden

Hab ich mich nicht toll gemausert ?

Princesa, inzwischen eine junge Dame

Ist das Leben nicht schön ? Jetzt geht es mir gut !
Copyright Text: Irene Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e.V.
Copyright Fotos des verletzten Hundes - Carlos Rojas - www.proamadrid.de
Für die weiteren Fotos danken wir:
U. Müller
A. Volk