
Der Lebensretter
Es war an einem regnerischen und kalten Tag. Das Wasser sammelte sich auf den Straßen in dicken Pfützen. Das Tierheim am Rande der Stadt war geschlossen. Ein Sturm tobte, es war einer dieser ekligen, kalten und nassen Wochenenden in Spanien.
Ein schwarzer Wagen hielt vor den alten Eisentoren des Tierheims. Ein arrogant aussehender Typ stieg aus. Er hielt eine Kiste in der Hand, die er vor den Türen des Tierheims stehen ließ. Am nächsten Morgen, es war ein Samstag, kam Carlos, der Leiter des Tierheims. Als er aber die Türen aufschließen wollte, bemerkte er die blaue Kiste. Er nahm sie mit hinein und stellte sie auf den Tisch. Als er sie öffnete, sprang ihm ein junger Hund entgegen, der ihn mit großen Augen anguckte.

Carlos schätze, dass er erst 2 - 3 Monate alt war und vielleicht innere Verletzungen hatte, weil er sich komisch bewegte. Doch das Allerschlimmste war, dass das arme Tier auch noch Blut spuckte. Er wickelte den jungen Hund vorsichtig in eine warme Decke und legte ihn in eine weich gepolsterte Hundebox. Carlos merkte, dass das arme Tier sehr verunsichert war, weil er schon wieder in eine Kiste sollte, und das Hundebaby tat ihm leid.
Es war jetzt 12.00
Uhr. Carlos wartete auf seine Helferin, die immer noch nicht da war. Der
Kleine war durchzuchecken und musste schnell zum Tierarzt. Seine Helferin wäre
ihm jetzt eine große Unterstützung gewesen. Doch da kam auch schon der Anruf:
"Carlos, ich kann heute nicht kommen. Ich bin total krank!" Carlos dachte erst,
er würde nicht richtig hören. Jetzt war er total aufgeschmissen, denn sie hatten
so was ja nicht jeden Tag: Dass ein schwer verletzter Hund draußen vor der Tür
und dann auch noch in einer Kiste lag. Aber auch die anderen Tiere des Tierheims
waren dringend zu versorgen.
Er kümmerte sich so gut es ging um die etwa 120 Tiere im Tierheim. Sie brauchten dringend Wasser. Jetzt war es 15.00 Uhr. Alle waren notdürftig versorgt und jetzt hieß es Endspurt. Er schnappte sich die Box mit dem jungen Tier und rannte los. Schnell ins Auto und ab zum Tierarzt. Er fragte sich, ob es überhaupt noch Rettung für den Kleinen gab. Alles war ihm jetzt egal - es ging ihm jetzt nur noch um den Hund.
An der Tierarztpraxis angekommen, sprang er in Windeseile aus dem Auto. Mit totaler Angst um den armen kranken Hund sauste er hinein, schrie nur noch es wäre ein Notfall und lief ins Wartezimmer. Da Carlos in der Praxis bekannt war, kam er auch sofort dran. Er ging in den Behandlungsraum und schilderte dem Tierarzt was passiert war.
Während der Tierarzt sich den Kleinen anguckte, ihn abtastete und noch vieles mehr tat, sagte er schließlich: "Carlos, Du hast echt Glück. Eine halbe Stunde später und der arme Hund wäre tot gewesen. Wenn Du nicht so schnell gehandelt hättest, hätte es böse für den Kleinen ausgesehen. Ich bin echt stolz auf Dich. Der Hund muss jetzt circa 2 Wochen bei mir bleiben. Ich werde ihn dann - wenn er gesund ist - impfen und alles. Danach kannst Du ihn wieder abholen, aber Du musst auch dann noch vorsichtig sein und aufpassen, dass er sich schont. Im Moment kann ich nicht garantieren, dass er durchkommt. Carlos, Du gehst jetzt lieber wieder ins Tierheim. Ich melde mich in zwei Wochen wieder, ok ?"
Carlos sagte, " Ja,
ok." , drehte sich um und fuhr zum Tierheim zurück. Dort kümmerte er sich um
alle Tiere, aber diesmal richtig, weil er ja jetzt nicht weg musste. Als er
später zu Hause war, saß er die
ganze Zeit nachdenklich herum und dachte nur noch an das Hundebaby und
ob er wohl durchkommen würde.
Dann aber sprang Carlos auf und sagte zu sich: "Mach Dir keine Gedanken, der
tapfere Kerl wird es schaffen. Ganz sicher!"
Zwei Wochen später rief der Tierarzt ihn an und sagte, dass der kleine Hund
alles gut überstanden hätte. Carlos freute sich sehr. Er setzte sich in sein
Auto und fuhr los. Schließlich kam er an der Praxis an und da stand auch schon
der Tierarzt und nahm ihn in Empfang. Der junge Hund lag in den Armen des
Tierarztes und schlief. Carlos legte ihn neben sich ins Auto und fuhr ab. Das
Kerlchen wachte erst am Abend im Tierheim wieder auf. Er guckte so, als wenn
er sagen wollte: "Wo bin ich denn hier gelandet ?"

Carlos hielt ihm die
Hand hin und der kleine Hund schnupperte ganz neugierig daran. Dann, schwups,
leckte ihm das Kerlchen die Hand ab. Das fand Carlos total niedlich. Er
überlegte, ob er den Kleinen lieber mit nach Hause nehmen sollte. Man
sollte ja noch vorsichtig sein mit ihm und die großen Hunde könnten ihn
vielleicht zertrampeln. Das wollte Carlos natürlich nicht. Er nahm den Kleinen
mit zu sich nach Hause und kuschelte die ganze Nacht lang mit ihm. Carlos wusste
gar nicht, ob er sich von dem Kleinen noch einmal trennen konnte. Der kleine
Hund war ihm echt ans Herz gewachsen.
5 Tage später war seine Helferin, die ihn immer unterstützte, auch wieder topfit. Im Tierheim fragten alle ihn, wo der Hund hergekommen und was passiert sei . Carlos erzählte, wie es darauf angekommen sei das er sich beeilen musste und wie der Tierarzt sagte, er müsse zwei Wochen in der Praxis bleiben. Alle sagten, dass Carlos gefeiert werden müsse, weil er einem kranken Tier das Leben gerettet hatte. Dann sagten sie auch noch: "CARLOS, DU BIST EIN LEBENSRETTER!"

Sie feierten lange, dass der Kleine gerettet war. Der kleine Hund wich Carlos
nie mehr von der Seite. Carlos nannte ihn "Nobby". Nobby lernte Kommandos wie
z.B. "SITZ" und "PLATZ" und es stellte sich heraus, dass Nobby ein sehr kluger
und gelehriger Hund war. Carlos und Nobby wurden die besten Freunde.

Text Copyright: Jackie Wollmar, Tierhilfe Licht im Dunkeln e.V.
Fotos Copyright: PROA Madrid, www.proamadrid.de
Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen und Tieren ist rein zufällig und wenig beabsichtigt ;-). Die Geschichte ist frei erfunden, aber beruht natürlich auf vielen Tierschutzerlebnissen, die Autorin Jackie miterlebt und gehört hat. Für die Fotos zu dieser Geschichte haben sich freundlicherweise der Vorsitzende unseres Partnertierheims PROA, der ebenfalls Carlos heißt, und unser spanisches "Fotomodell" Leonardo zur Verfügung gestellt.
Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass Leonardo kerngesund ist, niemals einen Unfall hatte und wirklich nur sein süßes Gesicht für diese Geschichte zur Verfügung stellt. Leonardo ist ein Hund aus unserer Vermittlung. Er hat bereits ein festes Zuhause im Raum Stuttgart und ist inzwischen ausgereist nach Deutschland.