Wie ich auf den Hund kam...

 

Nach dem Tod meines Mannes - und einigen Jahren beruflichen Umherreisens in Deutschland - kehrte ich in mein altes Fachwerkhaus zurück, das mir nun, wo mein Partner nicht mehr da war, noch größer und leerer vorkam als je zuvor.... Die lange Tenne, der kleine Garten vorne und hinten, die herrliche Landschaft Nordhessens gleich hinter dem Haus ... dies alles drängte doch förmlich nach einem Begleiter auf vier Pfoten – zumal ich nie und nimmer alleine spazieren ging ...

Also beschloss ich, mir einen Hund als Begleiter auszusuchen.

Auf jeden Fall sollte es ein Hund sein, der irgendwie aus dem Tierschutz kommt -  also keinesfalls   einer vom Züchter! Allerdings fand ich sehr  viele Hunde schön .... Nun, dann eben  besonders auf den Charakter gucken: LIEB sollte er sein und empfänglich für Zärtlichkeiten, da ich selbst auch eine Schmusebacke bin - und er sollte auf keinen Fall aggressiv  sein ...

Von nun an ließ ich keine TV-Sendung mehr aus, die irgendwie mit Hunden zu tun hatte. Außerdem besuchte ich Tierheime.

Das Schicksal der vielen Tiere mit ihren fragenden, traurigen Augen, der kleine Hoffnungsschimmer: „Nimmt sie mich mit?....“ der enttäuschte Blick, wenn ich weiterging, weil es eben doch nicht den „Klick“ machte – es war unerträglich ..

Nach zwei Tierheimbesuchen beschloss ich,  andere Wege zu gehen, da es die „Liebe auf den ersten Blick“ bisher nicht gegeben hatte und ich mir sicher sein wollte: DIESER Hund ist es und sonst keiner .... Schließlich sollten wir ja zusammenpassen ....

Nun fing ich an, im Internet zu stöbern. Wow! Was gab es da für viele wunderbare Initiativen von Tierfreunden!! Beim Blättern auf den verschiedenen Seiten und den links landete ich plötzlich auf einer Seite von Tierschützern für Windhunde. - - - Wie bitte? Fragte ich mich – WINDHUNDE, das sind doch so bildschöne, sauteure, vornehme Hunde für den Adel und die Haute Volée ????

Fotos vom Windhundauslauf der Tierschützer - copyright: Oliver Menz - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

Ich kannte sie eigentlich nur von alten Gemälden und bewunderte sie, ohne jemals überhaupt nur in Erwägung zu ziehen, einen solchen jemals selbst zu besitzen.... Und nun fand ich diese wunderbaren Geschöpfe unter „Not leidenden Tieren“! Wie passte das zusammen??

Zuerst las ich die Beschreibung des Wesens dieser Hunde: ihre Sanftheit und Sensibilität, Unaufdringlichkeit und Genügsamkeit, ihre Leichtfüßigkeit gepaart mit eleganter Kraft : Die Vereinigung der Wesensart von drei Tiergruppen: des Pferdes (ja!), nämlich die Anordnung und Formung der Muskulatur, auch die Sensitivität, dann wie bei der Katze das Verhalten im Haus: leise, behutsam und leichtfüßig -  nichts geht durch Plumpheit oder Unvorsichtigkeit zu Bruch (z. B. beim Erkunden der Blumenkübel), ebenso die fast „wortlose“ Gebärdensprache...

Ja, und draußen! wenn sie losgelassen, schnell wie der Wind, elegant wie Gazellen, raubtierhaft wie Geparden, im gestreckten Galopp hetzende Jäger, die bis zum Umfallen ihr Ziel verfolgen - - - - leider .... aber pure Ästhetik, purer Genuss für den Zuschauer und auch reiner Profit ... leider leider... denn genau diese letzte Eigenschaft ist schuld an dem Elend, das viele Windhunde auf den Rennbahnen und in Spanien bei der Hasenjagd erleiden ....

Auf den Rennbahnen bleiben schwere Stürze nicht aus - böse Knochenbrüche an Wirbelsäule oder Zehen und Beinen sind die Folge - nach dem Rennen geht es mit 10-15 anderen Hunden wieder in einen winzigen Betonzwinger bis zum nächsten Rennen !

Denn was ich jetzt erfuhr, schlug dem Fass des Elends in der Hundehaltung den Boden aus: Das Schicksal der spanischen Galgos brachte mein Herz zum Bluten. Die Bilder, die Texte ... ich war zutiefst erschüttert. Das unbeschreibliche Leid, das DIESEN Hunden angetan wird - ich war fassungslos, da Elend und menschliche Brutalität in solchem Ausmaß mir nicht bekannt waren.

 

Fotos: Cindy, Jimena, Clementina, Vincente - copyright PROA Madrid - Foto: Drilo - copyright U.Schokolinski

Alltag in Spanien - Cindy, Drilo, Jimena, Vincente sind inzwischen vermittelt und haben gute Zuhause gefunden, die Rippen stehen nicht mehr raus und alle äußerlichen Wunden sind verheilt - die Narben auf der Seele aber bleiben -

so sehen die Hunde aus, die Jäger einfach aussetzen, weil sie nicht mehr schnell genug laufen ...

Cindy war auf einer  Tötungsstation gelandet, Drilo in einer tierheimähnlichen Einrichtung, nachdem man ihn halbtot auf der Straße gefunden hatte, Jimena kam voller Verletzungen mit Mittelmeererkrankung zu PROA, Clementinas Geschwür war fett mit Eiter gefüllt. Vincente hatte man mit der Machete einen Vorderlauf abgeschlagen.

Fotos copyright: PROA Madrid

... Jana hatte vor ihrem Tod viele wundervolle Jahre bei Belén, der Chefin von PROA Madrid, ausgesetzt wurde sie vom Auto überfahren oder bös misshandelt - die Hinterhand der Hündin ist durch eine Wirbelsäulenverletzung gelähmt gewesen...

der kleine Fratz rechts ist eine Schönheit geworden und sucht noch ein Zuhause, er ist ein kräftiger, aber ängstlicher Jagdhund geworden - er wurde in der Wildnis in einem Kanalrohr geboren, weil man seine Mama hochträchtig ausgesetzt hatte ...

 

... der kleine Tini wurde überfahren vor den Augen der Helfer. Eine Hüftauskugelung und ein Augapfelvorfall waren die Folgen. Heute hat er zwar nur noch ein Auge, aber es geht ihm gut - er sucht noch ein Zuhause - er ist an Hunde, Katzen und Kleinkinder gewöhnt, auch er wurde überfahren, da man ihn ausgesetzt hatte - viele Hunde sterben aber auch an Hunger und Durst im heißen Spanien, wenn man sie sich selbst überlässt

- Fotos copyright PROA Madrid -

Ze-us hat ein Zuhause gefunden, nachdem er aufgepäppelt wurde und wieder Fell hatte - viele Narben erzählen von seiner traurigen Vergangenheit - auch hier Milbenbefall.

In Spanien halten die "Jäger" (wir setzen dies hier in Anführungsstriche, denn meist sind es Bauern - ohne Ausbildung in der Jagd - die einfach nur eine Flinte besitzen und dies ist nicht vergleichbar mit der hiesigen Bezeichnung Jäger) viele Galgos und oftmals auf engstem Raum. Zwinger, die man nicht als solche bezeichnen darf, beherbergen auf engstem Raum gestapelte Windhunde. Es kommt zu Beißereien - viele Hunde sind  vernarbt. Regelmäßiger Auslauf wird meist nicht gewährt - viele Galgos oder Podencos kommen nur aus dem Zwinger, wenn sie jagen sollen oder Rennen veranstaltet werden. Bei einigen Bauern leben Windhunde angekettet unter minderwertigem Sonnen- und Regenschutz aus Planen oder in alten Fässern. Meist erhalten sie nur sporadisch Wasser oder Futter.

Greyhounds, die auf Rennen eingesetzt werden, fristen ein trauriges Dasein in überfüllten, dunklen und dreckigen Zwingern. Bei den Rennen stürzen sie häufig und ziehen sich böse Knochenbrüche zu, die nicht beachtet werden. Häufig sind Zehen-, Bein- und Wirbelbrüche. Sind die Stürze sehr schwer, bricht auch mal das Genick.

Hier können Sie sehen, wie Galgos in Spanien überwiegend leben. Die Bilder sind nicht für sensible Menschen oder Kinder geeignet:

Eine tapfere Mama will, dass man ihr folgt - sie führt zu einem Schatz...:

http://www.youtube.com/watch?v=euCIN8sC8RY&feature=related

und weitere Einblicke in das Leben der Galgos in Spanien...:

http://www.youtube.com/watch?v=KJsq-1peWhg

http://www.youtube.com/watch?v=upaAh7PvGhk&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=Nw8OqoK43dg&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=oVRS7hi4jk4&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=iil-sC9VkNk&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=N-rezWv2Z4s&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=2dqbf2PtphU&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=a1-G6zMxvE4&feature=channel

http://www.youtube.com/watch?v=Yn4M8l7L4xo&feature=channel

Meist ist es nur spanischen Hilfsorganisationen mit mehr Geld und mehr Personal möglich, solche Aufnahmen zu machen. Zahlreiche Tierschützer in Spanien fangen und retten tagtäglich Hunde, die ausgesetzt wurden oder misshandelt werden. Wie auch die Tierschützer in unserem Partnertierheim PROA Madrid. Nur haben sie dabei meist keine Hand frei für eine Kamera. Meist sind sie alleine und benötigen auch absolute Ruhe, um die verängstigten Tiere einfangen zu können. Eingewachsene Stricke am Hals sind an der Tagesordnung. Ein Grund mehr, weshalb wir es vorziehen Hunde an Geschirren zu führen, bis sie wieder Vertrauen haben. Viele waren angekettet, manche aufgehängt und konnten sich befreien, tausende sterben am Ende jeder Jagdsaison in Spanien, weil sie sich nicht vom Baum befreien konnten.

Foto: copyright PROA Madrid

Riesige Demonstrationen haben inzwischen in Spanien gegen das Elend der Galgos und gegen Misshandlungen der  Tiere stattgefunden. Die Gesetze wurden etwas verbessert. So müssen nun die "Jäger" ihre Hunde gleichzeitig chippen und gegen Tollwut impfen und registrieren lassen. So will man nachvollziehen, wo ein ausgesetzter, misshandelter oder toter Galgo her kommt, um die Halter zur Verantwortung zu ziehen. Doch schon lassen sich die "Jäger" neue Misshandlungen einfallen. So wurden bei Remo und Romulo mit einem Taschenmesser der Chip raus geschnitten, bevor man sie aussetzte. Der "Jäger" hoffte so, dass man den Weg zu ihm nicht nachvollziehen konnte. Mit einem blauen WOLLFADEN nähte man die Hunde wieder zu. Da man aus hygienischen und medizinischen Gründen nun mal ein Skalpell und nicht ein Taschenmesser und chirurgisches Nahtmaterial statt Wollfäden benutzen sollte, hatte sich die Stelle bös entzündet. Vermutlich hielt der "Jäger" sich noch für einen Tierfreund, weil er das entstandene Loch noch vernähte und die Hunde nicht einfach verbluten ließ.

Aus diesen Röhren hat PROA Welpen rausgezogen ...

... so sahen sie bei ihrer Rettung aus. Die Bäuche aufgebläht von Würmern, das Fell ausgefallen wegen Parasitenbefall - voll mit Flöhen und Milben - heute geht es ihnen gut. Auch Alana hatte damals einen eingewachsenen Strick um den Hals - entweder war sie damit angebunden oder sie wurde ebenfalls aufgehängt.

Foto copyright PROA Madrid

Alana hatte Glück - sie wurde von Tierschützern der PROA Madrid in einem Müllhaldenschuppen eingefangen, wurde aufgepäppelt und genießt heute ihr Leben bei einer Tierschützerin

Fotos copyright Enrico / PROA Madrid

Auch dieser Galgo hatte einen eingewachsenen Strick um den Hals. Böse Entzündungen sind die Folge. Oft sind die Verletzungen von Maden bewohnt bis Tierschützer die Hunde einfangen können. Dieser Galgo wurde mit der Falle gefangen, auf den Bildern wird er gerade angefüttert und zur Lebendfalle gelockt.

 

Fotos copyright: PROA Madrid

Princesa wurde mit Benzin übergossen und angesteckt, nachdem man sie verprügelt hatte - die damals 8 Monate junge Galga...

... kann heute wieder lachen - auch ihr halfen Tierschützer der PROA Madrid und deutsche Partnervereine. Die ganze Geschichte von Princesa lesen Sie hier.

Nach einigen schlaflosen Nächten stand für mich fest, dass es ein Galgo sein musste. Obwohl ja auch  bei uns die Tierheime voll sind, blieb ich bei diesem Entschluss, da eben vor allem das Wesen der Windhunde mir so sehr zusagte. 

Nun landete ich auf der Seite eines deutschen Vereines, der sich die Rettung von spanischen Hunden bemüht, und blätterte tagelang die Hunde durch, die zum Transport bereit waren und wusste nicht, ob ich einen Hund aus einer Pflegefamilie nehmen sollte oder direkt aus den „Slums“ ....

Fotos copyright PROA Madrid

Jeremias wurde vom Jäger entsorgt, weil er mit dem gebrochenen Bein nicht mehr schnell genug lief - einfach auf die Straße entsorgt - ohne medizinische Versorgung, erst bei PROA Madrid wurde er operiert

Jimena war nur Haut und Knochen - ausgesetzt mit einem Herzfehler war sie nicht schnell genug, sich einen Hasen zu fangen

Ich war weder auf Geschlecht noch Farbe festgefahren  -  na ja, wenn´s schon so eine riesige Auswahl an armen Geschöpfen gibt, dann sollte es diesmal kein schwarzer Hund sein, meine früheren drei  Hunde waren schwarz ... und zu alt sollte er auch nicht sein...

Foto copyright PROA Madrid

Lucky wurde von Tierschützern der PROA Madrid eingefangen, bevor er größeren Schaden nehmen konnte, aber auch er trug anfangs ein eingewachsenes Seil als Halsband.

Und so klickte ich Galgo für Galgo durch: irgendetwas passte irgendwie nie, bis ich auf eine Seite mit dem Foto einer weißen Galga Espanol stieß und nach Auflistung der äußeren und gesundheitlichen Merkmale folgende Wesensbeschreibung las:

 „... Und noch eine weiße Schönheit kommt daher mit goldfarbenen Augen. Die 1-2-jährige Safari ist ruhig, anfangs noch etwas ängstlich, aber sobald die junge Dame gestreichelt wird, möchte sie eigentlich nicht mehr von der Seite der streichelnden Hand weichen. Wer möchte dieser außergewöhnlich schönen Galga ein ruhiges und sicheres Zuhause bieten?“ 

Ich war hin und weg!! Vor allem, dass sie sich so gerne streicheln ließ machte mich ganz glücklich - wollte ich doch einen Hund, der genau wie ich viel Zärtlichkeit brauchte,  denn bestimmte Hunderassen sind gar nicht so scharf auf Körperkontakt, sondern zufrieden,  wenn sie „zu Füßen ihres Herrn liegen und meditieren...“

Nun – ich setzte mich mit dem Verein in Verbindung und erfuhr zu meinem Schrecken, dass sich bereits eine andere Dame für Safari entschieden hatte und somit das Anrecht auf sie hatte. Es war wie ein Faustschlag für mich. Nach monatelanger Suche hatte ich endlich DEN Hund für mich gefunden, sozusagen: Liebe auf den ersten Blick! - - und nun dies!!

Allerdings gab es noch eine Chance: Die Dame musste sich für die Anfangszeit, wo der Hund kam, frei nehmen, um sie abzuholen und einzugewöhnen. Da aber ihr Arbeitgeber zu der Zeit aus internen Gründen dringenden Personalbedarf hatte, war der Urlaub noch nicht sicher. Also musste ich bis zur Entscheidung warten. Was waren das für lange Tage!! Schließlich erfuhr ich einige Tage vorher, dass die Dame KEINEN  URLAUB bekam!!!

Könnte Ihr Euch vorstellen, welche Freude in mir aufkam??

Nun startete ich los, kaufte Brustgeschirr, Leinen und Halsbänder. Fressnäpfe, Futter und Bett hatte ich schon vorher besorgt.

Ich fühlte mich fast wie nach einer Schwangerschaft, wenn die Geburt kurz bevorsteht - dass ich in meinem reifen Alter noch solche Emotionen hatte ...

Nun gut: Am letzten Donnerstag im  November 2007 bekam ich übers Handy endlich Bescheid, dass ich Safari abholen könnte.

Was mich jetzt erwartete, werde ich nie vergessen.

Ich sah eine zierliche weiße Hündin, die sich mit abwesendem Blick und eingekniffener Rute  auf mich zu führen ließ. Ich sah mir die Hündin an: dieses ängstliche Geschöpf ist also MEINE zukünftige ständige Begleiterin durch Dick und Dünn! Na, dann wollen wir mal beginnen!

Nach Unterschrift, Austausch der Papiere und des Brustgeschirrs und einer herzlichen Umarmung gehörte Safari mir!

Als erstes sollte sie Pipi machen. Also führte ich sie draußen hin und her und her und hin. Beide wurden wir von oben immer nasser –  von unten aber konnte ich bei Safari nichts Nasses sehen. Dann endlich, als ich schon beinahe aufgeben wollte, fing es an zu fließen – und wollte fast nicht mehr aufhören. Wo hatte der zarte Hund denn die vielen Liter Pipi versteckt?? - Endlich fertig – und ab ins Auto. Ich hob sie in den Kofferraum. Im Stockdunklen, durch die Prärie, ohne Navigator, kaum Beschilderung, nach einigen Umwegen kamen wir gegen 23:30 zu Hause an. Safari sprang von alleine aus dem Kofferraum. Nach dem Abschließen der Haustüre von innen atmete ich auf: ANGEKOMMEN!!

Ich führte sie zu ihren Fress- und Trinknäpfen und zog mich aufs Sofa in einiger Entfernung zurück. Zuerst guckte sie, schnüffelte einige Meter herum, lief hin und her – und fraß!! Ich hätte laut aufjubeln können! Der erste Bann war gebrochen. Sie fraß gut die Hälfte und trank viel. Dann kam sie zögerlich auf mich zu und ließ sich streicheln ...

Nun machte ich etwas, was ich heute nicht mehr machen würde bei einem Hund, der soviel Stress hinter sich hat: Ich führte sie ins Badezimmer und duschte sie warm ab, obwohl sie eigentlich nicht nach Unrat roch. Na ja, vielleicht war das der deutsche Wasch-Wahn ... Wie ein Lamm stand sie mit gesenktem Kopf da und ließ die Prozedur über sich ergehen. Nach dem Trockenrubbeln führte ich sie zu ihrem Körbchen, das vor meinem Bett stand, wo sie sich sofort zusammenrollte und keinen Mucks mehr von sich gab.

Es war nach Mitternacht und wir beide fielen in steinernen Tiefschlaf ....

Beim ersten morgendlichen Spaziergang verhielt sie sich unsicher und total verhalten. Menschen, auch in einiger Entfernung, wich sie ängstlich aus. Überhaupt wirkte sie wie eine Traumtänzerin und zeigte kaum Interesse an der Umgebung. Wieder zuhause ging ich nach unserem Frühstück meinen häuslichen Arbeiten nach und ließ sie völlig in Ruhe. Zwischendurch kam sie zaghaft in die Küche und fraß oder trank und zog sich dann wieder zurück in ihr Körbchen. Mittags und abends machten wir nochmals einen kürzeren Spaziergang – wie am Vortag lief sie leicht wie eine Feder wie teilnahmslos neben mir her ...

Safari im neuen Zuhause

Zuhause bedrängte ich sie nicht mit meinen Zärtlichkeiten, obwohl es mir schwer fiel. Schließlich kam sie von sich aus zu mir und wollte gestreichelt werden.

Am nächsten Tag schien die Wintersonne und wir machten einen schönen Spaziergang.

Safari hat Glück gehabt

Und jetzt taute sie auf!  Es war für mich ein unglaubliches Glücksgefühl, als ich erleben durfte, wie sie begann, am Leben teilzunehmen. Täglich wurde sie zutraulicher und interessierter. Allerdings hatte sie noch sehr viel Angst vor Besuchern. Schnell wich sie nach ganz hinten in die Tenne zurück und versteckte sich. Es dauerte noch Monate, bis sie sich sogar an regelmäßige Besucher gewöhnt hatte und über ein Jahr, bis sie ihre Angst vor fremden Menschen ganz verlor.

Vor kleinen untersetzten Männern und Frauen mit kräftigem, „bulligem“ Auftreten hat sie heute noch Angst.

Was soll ich weitererzählen?

Vielleicht noch dies: Sie hat sich zu einem kräftigen Hund entwickelt. Es hatte sich herausgestellt, dass sie ca. 9 Monate alt gewesen sein musste, als sie zu mir kam. Mittlerweile „bewacht“ sie Haus und Hof,  beobachtet mich auf Schritt und Tritt, hält sich immer in meiner Nähe auf und möchte  immer genau wissen, wo ich bin. Sie gehorcht sofort und gerne, außer wir sind im freien Feld, wo es überall  nach Has und Reh riecht -  da ginge dann das Jagdtemperament mit ihr durch:  sehen – und ab wie ein Pfeil. Daher geht sie dort angeleint. 

... und sie lässt sich immer noch gerne streicheln

Ihre Angst vor Menschen hat sie so gut wie völlig verloren,  manchmal nervt sie ein bisschen, weil sie dauernd  gestreichelt werden will. Allerdings zieht sie sich sofort zurück, wenn man sie konsequent ignoriert. Ihr Fell lädt aber auch zum Streicheln ein:  besonders an Kopf und Ohren ist es SEIDENWEICH.

Kurzum: sie ist meine Prinzessin.

Freche Zungen sagen (mein Lebenspartner ist damit gemeint), sie wäre ein „verzogener Einzelfratz“ ! 

- NA UND???

Wenn menschliche „verzogene Einzelfratzen“ auch so liebenswert und angenehm im Umgang wären wie meine Safari, wäre das Miteinander unter Menschen einfacher ....

Fotos von Safari copyright I. Sodenkamp

 

 

Text "Safari": I. Sodenkamp - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

Text Bildbeschreibungen "Spaniens Alltag": I. Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

 

Text "Safari": I. Sodenkamp - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.

Text Bildbeschreibungen "Spaniens Alltag": I. Schellenbeck - Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.