
Spendenaufsicht/Spendensiegel - ein heikles Thema für kleine Vereine !

Immer wieder, spätestens in der Vorweihnachtszeit, ist es wieder soweit. Die Presse und das Fernsehen meinen "dem gemeinen Spender" Tipps geben zu müssen, an welche Vereine man spenden darf und an welche auf gar keinen Fall. Dazu veröffentlichen sie Kriterien und drohen mit Gefahren wie Betrug, Hinterziehungen, Lügen, Pleiten und anderen Desastern, wenn man es denn wagen sollte, diese Tipps zu missachten.
Jedes Jahr lesen wir diese Tipps und jedes Jahr wundern wir uns über die -seit Jahren- völlig gleich lautenden Texte, die veröffentlicht werden. So wundern wir uns auch, wie diese wohl entstanden sind. Als ich dieses Jahr um die Weihnachtszeit krank war und daher in den unglaublichen Genuss kam viele, bunte Zeitschriften in Wartezimmern lesen zu können, die ich mich sonst nie trauen würde in der Öffentlichkeit zu kaufen ;-) , fiel mir auf, dass ich zu dieser Thematik exakt den SELBEN Text in 6!!! verschiedenen Zeitschriften fand. Ich versuchte mal logisch darüber nachzudenken, warum eine Zeitschrift von der Anderen abschrieb. So schaute ich zunächst nach, ob all die Zeitschriften von dem selben Verlag kämen. Das wäre EINE Erklärung! Doch dies war - zumindest nach außen hin - nicht der Fall, wenn man mal davon absieht, dass es aufgrund der Konzernbildungen auch kaum noch Zeitschriften gibt, die nicht irgendwie dem Burda-Konzern gehören ;-).
So überlegte ich wie dies noch entstanden sein könnte. Ich dachte darüber nach, wie es in der Vorweihnachtszeit in den Firmen von Freunden zuging: Die Arbeitnehmer stehen unter Druck. Das Weihnachtsgeschäft will jede Firma mitnehmen. Die weiblichen Mitarbeiter sind gestresst, weil sie an alle Weihnachtsvorbereitungen denken; die männlichen Mitarbeiter sind gestresst, weil sie keine Idee haben, was sie den Familienmitgliedern schenken könnten und zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie den Einkauf in überfüllten Geschäften vermeiden können. Etliche Mitarbeiter bereiten ihren Urlaub vor und sind ob dieser Vorbereitungen gestresst.
Ob dies in Redaktionen anders sein sollte, wo man doch auch im Fernsehen in dieser stressigen und personalarmen Zeit auf die jährlichen "Sendungskonserven" zurückgreift, weil man beileibe anderes zu tun hat? Sollte es so sein, dass auch in Zeitungsredaktionen auf die "jährlichen Redaktionskonserven" zurückgegriffen wird? Das würde auch die seit Jahren gleich lautenden Texte dazu erklären. Es wäre auch eine logische Erklärung dafür, dass in einigen Zeitschriften von "Spendenaufsichtsorganisationen" die Rede war, die es - nach unseren Recherchen - gar nicht mehr gab.
Ist das eine Hilfe für den orientierungslosen, Hilfe suchenden, willigen Spender? Ob diese wohl Nachforschungen anstellen, ob es diese "Aufsichtsbehörden" überhaupt noch gibt? Vermutlich nicht, denn wer recherchiert schon die Artikel nach, die er beim Friseur, im Zug oder - wie ich - im Wartezimmer gelesen hat? Mal ehrlich!
Dann endlich fand ich eine "Spendenaufsicht", die es noch gab. Eifrig durchsuchte ich deren Internetseiten, um zu schauen, was diese "Spendenaufsicht" für Prüfungsbedingungen hätte. Überlegten doch auch wir im Verein uns ggf. einer solchen "Seriositätsprüfung" auf Spendengebiet zu unterziehen. Vielleicht würde dies zu mehr Spenden in diesen schlechten Zeiten führen? Eine Kontrolle - gleich jeder Form - brauchen wir ja nun nicht zu scheuen. So schaute ich , was eine solche Prüfung kosten würde, damit man sich in solchen Seriösitätslisten aufführen lassen dürfte. Kaum sah ich die Mitgliedssätze, bekam ich Schnappatmung - wer sollte das bezahlen können?! Für eine solche Prüfung fielen Gebühren an, die KEIN kleiner, engagierter Verein bewältigen könnte ohne der Insolvenz nahe zu kommen. Mein Gott, wie viel Tierfutter könnte man für diese Gebührensätze kaufen? Ich mochte es nicht ausrechnen.
Gut, dachte ich, schauen wir doch mal wie groß der Zeitaufwand für die Prüfung bei uns wäre... Also druckte ich den Aufnahmeantrag aus. Bei Blatt 38 !!!! streikte der Drucker - Patrone leer. Unsere ehrenamtliche Kassiererin wäre sicherlich "begeistert" über die zusätzliche Arbeit, die ja nun mal mit Tieren so gut wie nichts zu tun hat.
Klar, eine professionelle, unabhängige Buchprüfung hat ihren Preis, aber wir beschränken uns dann doch lieber auf Geldausgaben für die Tiere direkt und stellen JEDEM Mitglied bei Interesse JEDERZEIT - nach Terminabsprache - frei, unsere Buchungsunterlagen zu prüfen und halten unsere Verwaltungskosten weiter unter 2 % !!! Lieber versuchen wir weiterhin unsere ehrenamtliche Kassiererin mit 30 Jahren Buchhaltungserfahrung zu halten, die uns seit 5 Jahren eine so übersichtliche Buchführung präsentiert, dass JEDER sie versteht und geben Spenden vorzugsweise für Tierfutter und Tierarztkosten aus. Lieber informieren wir unsere Mitglieder und spendenwillige Tierfreunde auf unserer Homepage und Infoveranstaltungen, wofür wir deren Spenden ausgeben. Lieber laden wir interessierte Tierfreunde zu unserem regelmäßigen Tierschutzstammtisch ein, wo sie uns auf Herz und Nieren prüfen können.
Und mal ganz ehrlich - haben Kontrollen nicht auch bei Autokonzernen stattgefunden, die Bordellbesuche und Privatflüge finanzierten und haben sie sie verhindern können? Haben Prüfungen nicht sogar ergeben, dass man im privaten Spanienurlaub einen Dienstwagen ungestraft benutzen darf und dies rechtens ist?
Wenn SIE wissen möchten, ob ein Verein seriös arbeitet, können Sie vieles tun, um selbst die Seriosität zu prüfen:
Gehen Sie zu den Jahreshauptversammlungen und hören sie gut zu, wenn der Kassenbericht und der Kassenprüfungsbericht vorgetragen werden. Wofür hat der Verein Geld ausgegeben? Für das Wohl der Tiere oder für die Verwaltung des eigenen Vereins?
Arbeiten Sie selbst aktiv mit und verschaffen sich so einen Überblick über die Leistungen am Tier.
Wie viele Mitglieder arbeiten ehrenamtlich im Verein und stellen ihre kostenlose Arbeitskraft in den Dienst der Tiere und wie viele Arbeitskräfte arbeiten für Geld und - wenn ja - was tun diese?
Gibt es eine Steuerbefreiung durch das Finanzamt?
Ist es ein eingetragener Verein, der dem Vereinsrecht unterliegt und dessen Vorstand somit rechtlich verantwortlich gemacht werden kann, wenn etwas schief geht? Kann man Sitz und Anschriften der rechtlich Verantwortlichen auch leicht feststellen und gibt es öfter als einmal jährlich die Möglichkeit diese kennen zu lernen?
Werden Möglichkeiten genutzt durch Sachspendenaufrufe viel Geld zu sparen oder wird alles, was der Verein benötigt gleich gekauft?
Wird die Arbeit des Vereines verständlich und transparent dargestellt?
Bekommen die Mitglieder auf Wunsch Einblick in Buchhaltungsunterlagen?
Darf man auch als Nichtmitglied an der Jahreshauptversammlung teilnehmen?
Kann man die Satzung einsehen ohne gleich Mitglied zu werden, damit man weiß, wofür der Verein Spenden ausgeben darf?
Darf man sich einen Einblick in die Arbeit des Vereins verschaffen ohne gleich Mitglied zu werden zu müssen?
Wie bei allen Lebensfragen sind unserer Ansicht nach nicht teure, externe Buchprüfer die letzte Rettung vor schwarzen Schafen, sondern aufmerksame, kritische Bürger, die Fragen stellen und auf ihr Bauchgefühl hören!
Sicherlich gibt es große Dachverbände und Organisationen, deren Buchhaltung und weit verzweigte Organisationen nicht mehr ohne externe Buchprüfungen und Behördenkontrollen für Otto-Normal-Spender überschaubar bleiben würden und es ist gut, dass es Kontrollorgane gibt, die dies überwachen, bevor Spendengelder in Millionenhöhe im Ausland verschwinden, wie es leider immer mal wieder vorkommt. Und ganz klar sind auch solche Organisationen wichtig und erforderlich, aber deshalb den Bürgern zu empfehlen, nur an solche Organisationen zu spenden, ist ganz klar der falsche Weg! Denn sind nicht auch diese Organisationen aus 7 gleich gesinnten Bürgern entstanden, die sie einst gründeten?
Also, liebe Presse, nicht aus der Konserve leben, sondern z. B. das "Sommerloch" nutzen, um auch Prüfkriterien zu finden, die die schwarzen Schafe bei kleineren Vereinen aufdecken und den seriösen, kleinen Vereinen eine Chance geben, Spender zu finden. Diese Vereine tun nämlich sehr viel für das Wohl der Tiere und ihr Tod bedeutet mehr Leid für die Tiere.
Irene Schellenbeck
Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.