
Unfallflucht mit verletzter Taube ?!

Im Notdienst ging der Anruf ein. Eine junge Frau benachrichtigte uns, dass sie eine verletzte Taube bei sich aufgenommen habe. Die Taube sei völlig desorientiert, drehe sich im Kreise, nachdem sie von einer Autofahrerin angefahren worden sei. Das Kennzeichen habe man notiert. Die Fahrerin sei sogar noch ausgestiegen und habe das verletzte Tier angesehen, sich dann aber nicht mehr darum gekümmert. Es könnte daher keineswegs die Rede davon sein, dass sie den Unfall nicht bemerkt habe. Die junge Helferin habe das Tier dann in ihre Wohnung geholt, um es in dem hilflosen Zustand zu schützen. Hätte sie dies nicht getan wäre das verletzte Tier vielleicht einem Hund, einer Katze, spielenden Kindern oder einem weiteren Verkehrsunfall zum Opfer gefallen. Fachkundig hatte sie das Tier auf ein Handtuch gesetzt und einen Wäschekorb darüber gestülpt, damit dem verletzten Tier nichts mehr passieren konnte bis zu unserem Eintreffen.
Bei der Gelegenheit ein Hinweis: Schwer verletzte Tiere bitte nicht füttern und kein Wasser geben. Sie könnten innere Verletzungen haben und in ungeeigneten Trinkgefäßen sogar ertrinken!
Wir holten die Taube ab, packten sie in eine Transportbox und erfragten über den Tierärztlichen Notdienst Wuppertal die Telefonnummer des diensthabenden Tierarztes, denn die normalen Sprechzeiten waren bereits vorbei. Der diensthabende Tierarzt erwartete uns nach telefonischer Ankündigung, die man im Notdienst immer absetzen sollte, denn es gibt leider viele Notfälle in Wuppertal und auch ein diensthabender Tierarzt kann nur einen Notfall nach dem Anderen bearbeiten und nicht alle gleichzeitig. Zudem kann dies sinnvoll sein, falls ein OP für das verunfallte Tier vorbereitet werden muss. Dies kann insbesondere bei angefahrenen Katzen oder Hunden wertvolle Sekunden sparen. So erwartete uns die Tierärztin auch schon auf heißen Kohlen, denn bei einer Geburt wurde ihre Hilfe ebenfalls benötigt. Die Taube wurde untersucht und zur weiteren Behandlung und Beobachtung stationär aufgenommen.
Inzwischen geht es der Taube soweit wieder besser, so dass sie ins Taubenhaus Wuppertal zur weiteren Beobachtung verlegt werden konnte. Dort hat sich Frau Dönneke vom Arbeitskreis Stadttauben liebevoll um das Tier gekümmert, bis es wieder alleine zurecht kam. Dank der jungen Frau, die uns benachrichtigte, ist diese Taube noch am Leben und musste nicht jämmerlich und unter Schmerzen verrecken. Selbst schwer verletzte Tiere haben den Anspruch im Notfall wenigstens eingeschläfert zu werden und müssen sich nicht quälen, wenn nicht mehr geholfen werden kann. Gerade verletzte Tiere sind obendrein weiteren Gefahren, wie in diesem Fall durch Katzen, ausgesetzt und benötigen unsere Hilfe.
Wir danken der jungen Frau und ihrer Familie, die nicht wegsahen und sich für das Lebewesen eingesetzt haben. SIE nahmen sich die Zeit im Internet nach einer Notrufnummer zu schauen und dem Tier Hilfe zukommen zu lassen. Tiere sind Mitgeschöpfe und kein Tier hat es verdient qualvoll zu sterben, weil sich niemand um es kümmert. Tiere sind hilflose Wesen, die alleine keinen Notruf absetzen können!
Entsetzt sind wir über die Verhaltensweise der Autofahrerin, die sogar selbst Tierhalterin sein soll, denn sie führte einen kleinen Hund mit sich. Wie kann man, wenn man auch noch selbst Tierhalter ist, so verantwortungslos mit einem Mitgeschöpf umgehen? Manchmal lassen sich Unfälle mit Tieren nicht vermeiden, ob es in diesem Fall so war, können wir nicht beurteilen, aber absolut verwerflich ist es, wenn man ein Tier anfährt, es bemerkt und sich nicht darum kümmert. Rein gesetzlich gesehen eine Unfallflucht, die sogar den Führerschein kosten kann, denn dies ist ein absolut unverantwortliches Vorgehen für Autofahrer, wenn sie sich nicht um Unfallopfer kümmern. Ja, auch ein Tier ist ein Unfallopfer, dem es zu helfen gilt!
Diese Dame hatte den Unfall bemerkt, denn sie stieg aus und schaute nach dem Tier, was hilflos flatternd auf dem Boden lag und ... sie ließ das Unfallopfer zurück! Wie wir uns rückversichert haben, hat sie nicht mal das Wuppertaler Tierheim angerufen, was sich sonst um den Notfall ebenfalls gekümmert hätte oder welches auch über die Polizei benachrichtigt worden wäre. Unfallflucht ist strafbar - bei Tieren aber meist sehr schwierig nachzuweisen.
Wir hoffen, dass es zu dieser Situation einzig und alleine dadurch kam, dass die Unfallfahrerin sich vielleicht überfordert fühlte und nicht wusste, an wen sie sich wenden könnte (wovon bei einer Hundehalterin eigentlich nicht auszugehen ist). Daher möchten wir schreiben, was man tun kann.
Wenn also ein Tier verletzt wird, gibt es verschiedene Hilfsmöglichkeiten:
* die beste Möglichkeit ist natürlich unter Tel. 0202-7999490 den Tierärztlichen Notdienst zu erfragen, den Sie im Internet unter
finden und das Tier sofort zum Tierarzt zu bringen. Bitte aus den oben genannten Gründen immer den Tierarzt vorher anrufen und erfragen, ob er da ist und den Notfall ankündigen. Oftmals ist der nächste Tierarzt gar nicht weit. Doch nicht alle verletzten Tiere lassen sich so problemlos wie eine Taube transportieren. Ein verletzter Hund z. B. kann beißen.
* der Tierschutzverein Wuppertal hat einen Notdienst. Zwar läuft außerhalb der Öffnungszeiten ein Band, aber wenn man seine Telefonnummer hinterlässt, wird man zurückgerufen. Bis 23:00 Uhr wird das Band regelmäßig abgehört.
* da man aber unterwegs nicht immer etwas zu schreiben mit hat oder vielleicht gar ortsunkundig ist, hilft im Notfall auch die Polizei Wuppertal ( Tel. 0202-846230 )weiter, die Kontakt zum Tierheim ( Tel. 0202-735136 ) aufnehmen kann.
* Wuppertal hat auch wieder eine Tierklinik, leider, leider nur eine Tagesklinik, hinter deren Öffnungszeiten WIR noch nicht vollends gestiegen sind, obwohl uns eine Visitenkarte vorliegt. Angeblich ist bis 21:00 Uhr geöffnet, leider haben wir auch schon vor 21:00 Uhr gelegentlich niemanden erreicht, sondern durften uns nur eine Bandansage anhören, dass die Klinik geschlossen habe. Auch dort lohnt sich ggf. ein Anruf, denn die Klinik liegt City-nah. Tel. 0202-60062.
* unser Verein unterhält wegen ausschließlich ehrenamtlicher Mitarbeiter lediglich einen Ersthelfer-Notdienst, der leider nicht immer erreichbar ist. Zu wenige Mitarbeiter fahren Ersthelfer-Einsätze und manchmal sind wir gerade selbst bei einem Notfall, wenn Sie anrufen - manchmal fehlt auch uns schlicht das Personal. Ab 16:30 Uhr und an den Wochenenden versuchen wir weiter zu helfen - Tel. 0177-6864160 -, wenn wir können, doch die Einsätze werden mehr und mehr und Helfer sind rar. So kann es gerade in der Urlaubszeit zu Engpässen kommen. Doch immer konnten wir weiterhelfen und zumindest Ersatzhelfer nennen.
Übrigens finanzieren wir solche Rettungseinsätze, die teure Rettungsausstattung sowie die Ausbildung unserer Mitarbeiter alleine durch Spenden und diese sind in diesen harten Zeiten dünn gesät. Daher freuen wir uns über jede Unterstützung.
weitere Rettungslinks für andere Gebiete Deutschlands
Brieftaube gefunden?
Haben Sie Interesse an der Tierrettungsarbeit oder möchten Sie gezielt Tauben helfen? Dann kommen Sie doch einmal zu unserem Tierschutzstammtisch. Wir informieren Sie gerne. So schwierig ist die Arbeit eines Ersthelfers gar nicht, wie viele denken. Ein Handy, ein Führerschein und ein Auto sowie etwas gesunder Menschenverstand gehören allerdings schon zur Grundausstattung eines Ersthelfers ;-). Allerdings gibt es auch vielfache Möglichkeiten sich anders im Tierschutz zu engagieren.