
Vögel das ganze Jahr füttern ?
Knapp 300 Brutvogelarten gibt es in Deutschland, die in unterschiedlichste Kategorien aufgeteilt sind. Die rote Liste erfasst bei welchen Vögeln der Bestand erloschen ist, welche stark gefährdet, welche weniger gefährdet sind und welche Vögel auf der Vorwarnliste stehen. Vorwarnliste bedeutet, dass auch diese Vögel in Kürze im Bestand bedroht sein könnten.
50 % unserer heimischen Vögel stehen inzwischen auf diesen roten Listen, gebietsweise sind es sogar 89 % des Vogelbestandes. Ihre Bestandsgefährdungen haben die Vögel in erster Linie der menschlichen Verfolgung zu verdanken. Seit man zurückdenken kann, fangen, essen und bekämpfen Menschen Vögel auf die unterschiedlichsten Arten. Sei es, weil sie sie direkt auf dem Teller liegen sehen, weil sie angeblich die Landwirtschaft bedrohen oder einfach "nur" durch die katastrophalen Umwelteinflüsse, die durch menschliche Einmischung in die Natur entstanden sind - Leid tragend sind immer die Vögel, die sich nicht wehren können.
So sind inzwischen sogar "Allerweltsvögel" wie Haus- und Feldsperling, Stare und verschiedenen Schwalbenarten mehr und mehr gefährdet durch gewaltige Monokulturen, sauren Regen und Umwelteinflüsse, die durch den Menschen provoziert wurden.
Gleichzeitig geben Parasitologen alarmierende Zahlen bekannt von Insekten und Parasiten, die teilweise - für Mensch und Tier gefährliche - Krankheiten übertragen, wovon Leishmaniose, Erlichiose, Babesiose und Borreliose (die im Volksmund oft Mittelmeererkrankungen genannt werden) noch zu den harmlosen zählen. Längst sind diese Erkrankungen keine Mittelmeererkrankungen mehr. Die Klimaerwärmung hat dazu geführt, dass es inzwischen auch in Deutschland Gebiete mit "Mittelmeerklima" gibt und die Lebensbedingungen für die Überträger von diesen Erkrankungen gibt es auch direkt vor unserer Haustür.
Nun wäre es komplett der falsche Weg als nächstes die Insekten und Parasiten zu verteufeln und in der typisch menschlichen Art auch hier wieder Überreaktionen zu zeigen ! Dies würde nur an anderer Stelle dazu führen, dass das biologische Gleichgewicht kippt und sicherlich wären auch diese Folgen wieder mal fatal. Nützliche Insekten würden in riesigen Mengen vernichtet und das nächste Problem wären dann z. B. Vergiftungserscheinungen bei Mensch und allen Tieren, der Hochgang der gefürchteten Atemwegserkrankungen und Allergien sowie die Verseuchung unserer Lebensmittel.
Da die Vögel immer schon geholfen haben Insekten und Parasiten zu verringern, sollten wir lieber über Methoden nachdenken, wie wir unsere Fehler, die Lebensräume der Vögel kaputt gemacht zu haben, wieder sanft das biologische Gleichgewicht herstellen und den Vogelbestand bewahren und vielleicht vergrößern können.
In Deutschland gilt es nach wie vor als Fehler Vögel ganzjährig zu füttern. In Großbritanien sieht man dies etwas anders. Nirgends in unserer Umgebung werden so viel und so lange die Vögel gefüttert wie dort. Eine gute Möglichkeit für Ornithologen diese Thesen zu überprüfen. Programme zur Untersuchung des Einflusses der Fütterung auf die Vögel wurden gestartet und dabei fand man etwas heraus, was eigentlich ebenso logisch wie einfach klingt
Je besser das Futterangebot - desto mehr Nachwuchs in der Vogelwelt !
Dies ist eigentlich nichts Neues, oder ? Warum also nicht auf dieser simplen These aufbauen ? Wird ganzjährig gefüttert vermehren sich die Vögel wieder und erstaunliche Erfolge zeigen sich, die Vogelpopulation anheben zu können.
Jetzt sollten Sie aber nicht sagen: "Toll, ganz einfach.", und einen Sack Sonnenblumenkerne in den Garten schütten, denn es ist sehr wohl ein bisschen schwieriger, wenn wir nicht die nächsten Fehler in der Vogelfütterung machen möchten.
Lassen wir uns lieber von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten und lernen zunächst, wie das geht. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie wir mit kleinen und simplen Mitteln unseren Vögeln zu besserem Futter in unserem Garten verhelfen können und auch Tipps für Nichtgartenbesitzer sich an der Aktion zu beteiligen. Einige davon sind so simpel, dass man schon drüber lachen kann, wie z. B. "lassen Sie doch mal einfach ein Stückchen Wiese im hinteren Garten als Wildwiese stehen und mähen es nicht". Ich kenne eine Menge Männer, die regelmäßig zum Rasenmähen verdonnert werden und die jetzt begeistert klatschen ;-).

Ein verwilderter Garten mit Teich bieten vielen Tieren natürlichen Lebensraum
Hilfreiche Tipps wie man Vögel ganzjährig füttern sollte, wie man in seinem Garten für natürliches Futter sorgen kann und auch interessante, wissenschaftlich fundierte Gegenargumente für die Gegner der Vogelfütterung finden Sie in dem Buch. Mit einfachen Handgriffen können Sie den Lebensraum unserer Vögel verbessern.
Das Buch "Vögel füttern - aber richtig" ist erschienen im Franckh-Kosmos Verlag und wurde geschrieben von Peter Berthold und Gabriele Mohr. Das Vorwort ist erstellt von Heinz Sielmann, dessen Stiftung das Buch auch empfiehlt. Das kleine Taschenbuch umfasst 79 Seiten und enthält 106 Farbfotos, 4 Farb- und 3 Schwarzweißgrafiken. Mit 7,95 Euro liegt es im Bereich des Erschwinglichen, selbst in unseren harten Zeiten und ist schnell gelesen.
Prof. Dr. rer. nat. Peter Berthold gehört zu den zehn weltweit führenden Ornithologen und Gabriele Mohr ist seit 1978 als Technische Assistentin an der Vogelwarte Radolfzell tätig und beschäftigt sich seit 20 Jahren beschäftigt sie sich mit der Fütterung frei lebender Vögel.
Lassen Sie uns also Vögel ganzjährig RICHTIG füttern und den Vögeln helfen !
Die Fa. Vivara arbeitet mit der Nabu zusammen und gibt tolle Tipps zur Vogelfütterung und zur Gestaltung von Gärten mit wichtigen Pflanzen für Vögel und Amphibien, sowie Schmetterlinge. Hier finden Sie auch Produkte, die vor Katzen schützen, Nistkästen, Amphibienhöhlen, Futterspender und vieles mehr ...
Irene Schellenbeck
Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.