
Wohnimpressionen für Tierhalter
Es ist ja nicht so als wenn wir außer Tieren
keine Hobby hätten, oder? Einer fährt Rollschuh, wir lesen viel, einige
spielen in Bands, andere gehen gerne auf Konzerte. Eines meiner Hobbys sind
Wohneinrichtungen und Dekorationen. Ob ich damit den grauenhaften Knüngel
übertünchen möchte, den eine Hilfslieferung aus Sachspenden in meinem
Haushalt anrichtet oder die Pipi- und Kotzflecken der Tiere auf dem Teppich?
Ich weiß nicht, aber irgendwann hat sich dieses Hobby herauskristallisiert.
Dies war lange, bevor wir den Verein gründeten und hat sich bis heute
gehalten.
Von daher lese ich außer Fachzeitschriften, Veterinärkatalogen und Tiersachbüchern auch Bücher und Zeitschriften, die sich mit Wohneinrichtungen beschäftigen. Nur... ich muss feststellen, ich lese sie heute anders. Tierschutz ist ein Bestandteil meines Lebens geworden und dass macht sich in allen Lebenssituationen bemerkbar. Tierschutz kann man eben nicht "machen", man kann ihn nur leben und dies zieht sich durch alle Lebensbereiche.
Als ich mich vom Tierschutz einmal ablenken wollte, bestellte ich einen Katalog mit Wohnimpressionen. Auf den ersten Blick sah ich viele Dinge, die eine Wohnung gemütlich machen können und doch ließ sich der Tierschützer in mir nicht so ganz kalt stellen und auf Urlaub schicken. Als ich eine hübsche Brotdose sah, beschloss ich sie aber doch nicht zu kaufen, da sie ja nur mit einem lose aufliegenden Deckel versehen war, den die Hunde zu leicht herunter geworfen hätten. Bevor man da eine Magendrehung begünstigt, also doch lieber keine attraktive Dose, die auf der Anrichte steht, sondern weiterhin das Brot im Backofen hundesicher verstecken, dessen Tür hat wenigstens eine Kinder- und Hundesicherung.
Als nächstes schaute ich mir die hübschen, dekorativen Blech- und Emailleschilder an, für die ich schon immer eine Schwäche hatte. Aber was sollte ich mit einem Text wie "Carpe diem", zumal ich ein neusprachliches Gymnasium besucht hatte und Latein nu eh nicht so mein Ding ist. Für viel sinnvoller hätte ich das gleiche dekorative Emailleschild mit der Aufschrift "hier bitte kein Gras auskotzen" gefunden oder ein Erinnerungsschild "feed your cat" oder "clean the cat-toilet", aber die gab es nicht.
Den hübschen Standspiegel im Vintage-Stil sah ich auch schon bei einer temperamentvollen Hunderunde um das Bett fliegen und mich anschließend Hundepfoten verbinden und blätterte weiter zu den Sammelgeschirren. Eigentlich, dachte ich mir, hatte ja auch ich ähnliche "Sammelgeschirre", wenn man das so bezeichnen will, wenn einem die großen Hunde bis auf eine Tasse von einem Service alle vom Tisch geworfen hatten in unbeaufsichtigten Momenten. Mit der Zeit hatten sich da nämlich so einige Sammeltassen angehäuft, die von solchen Service übrig blieben. Vielleicht sollte ich den einzigen Teller des einen Service mal mit dem einzigen Unterteller des anderen Service und einer meiner "Sammeltassen" zusammen stellen und jeder würde denken, ich hätte ein dekoratives "Sammelgeschirr". Es würde mich nicht mal etwas kosten und wirke stilvoller. In Zukunft werde ich also dran denken, dass meine Service von ähnlicher Art, aber anderer Farbe wären, dann würde das sicher ebenso dekorativ harmonieren.
Der Bayrische Hüttenlook jedoch, dem konnte ich nun mal gar nichts abgewinnen. In Gedanken sah ich schon meine aufgespießte Katze am Kronleuchter aus künstlichem Rehgeweih stecken und verwarf die Idee, dass dieser Einrichtungsstil etwas für mich sei. Mit viel gemütlichem Filz kombiniert sah ich vor meinem inneren Auge schon die Hunde- und Katzenhaare, die an den Kissen pappen würden und verwarf die Idee meine Wohnung mal im Hüttenstil umzudekorieren.
Gehen wir also in die Technik-Abteilung des Kataloges. Aber nachdem ich sah, dass es dort auch keine Telefone mit 348 Tage-Stand-by-Akku gab, wie der Tierschutz sie benötigt, blätterte ich gleich weiter. Witzig fand ich den Bilderrahmen in den die Dekorateure für den Katalog wie im Memory-Stil immer zwei gleiche Bilder gepackt hatten. Vielleicht wäre solch ein Riesenbilderrahmen eine Möglichkeit unsere Vereinstiere vorzustellen, die nur im Doppelpack vermittelt werden konnten, weil sie so aneinander hingen? Auch der XXL Bilderrahmen für 11 Fotos wäre eine sinnvolle Anschaffung. Da könnte ich gleich im Flur unsere Vermittlungstiere ausstellen.
Der wunderschöne Naturholztisch aus aufbereitetem Altholz gefiel mir sehr gut, aber da wegen der Hunde bei uns die Katzen auf dem Tisch gefüttert werden, damit die Hundefraktion nicht zu stark proteinhaltigem Futter kommt, verwarf ich die Idee solch einen Tisch anzuschaffen. Schön anzusehen, aber wie sollte ich jemals verkleckertes Katzenfutter aus den "natürlichen" Rillen im Altholz kratzen?
Das Kerzentablett, welches unter der Decke hing, erwies sich allerdings als praktische Idee für Tierhalter. So waren Kerzen doch endlich mal in sicherer Höhe untergebracht. Die hübschen, weißen Möbel im Vintagestil findet man ja derzeit überall, aber wie würde die Farbe aussehen, wenn sich darauf dreckige Katzenpfötchenabdrücke tummeln würden, weil Mietze vorher durch die Blumenerde gestiefelt war? Auch der attraktive Lamellentürschrank mit den Naturborkenseiten wirkte zwar äußerst gemütlich und dekorativ, aber nur bis Mietze die Borke als Kratzwand zu schätzen lernt. Immerhin würden die Lamellentüren dafür sorgen, dass Mietze nicht erstickt, wenn sie mal wieder in den Schrank schlüpfen würde, ohne, dass wir es merken und wir würden ihr dünnes Stimmchen auch besser hören durch die Lamellenlücken.
Wieder blieb mein Blick an den geliebten Blech- und Emailleschildern hängen, die hinter den Möbeln die Wände zierten. Wenn es sie doch nur mit einer nützlichen Aufschrift geben würde, wie z. B. "Tierasyl", statt "Bistro". Überhaupt scheinen Schriftzüge überall ja jetzt Mode zu sein. Hätte auf der angebotenen City-Handtasche dann auch statt "runaway-Hippie" vielleicht "ausgesetzter Hund" gestanden, hätte ich sie vielleicht sogar gekauft. Statt dem Schild "träume süß" über dem Bett, fände ich Schilder mit der Aufschrift "schlaf nicht ein - geh mit den Hunden raus" überaus praktisch und hilfreich. Das Schild "bless this house with love and laughter" hätte ich denn auch lieber mit "bless this house with cats and dogs" gesehen. Doch es waren auch Schilder dabei, die man auch im Tierschutz unverändert hätte einsetzen können, wie "keep calm and carry on" (Fresse halten, weiter arbeiten) oder "hey, you, get busy - order of the management" (haut rein, Befehl des Vorstands) ;-).
Die chicen Schuhe mit den angebotenen hohen Plateausohlen waren zwar sicherlich nicht praktisch für den Hundespaziergang oder den Pferdestall, aber für das Meerschweinchengehege hätten sie vielleicht sogar sittlichen Nährwert, man hätte damit nicht so schnell Meerschweinchenköttelchen an den Socken kleben wie mit den desinfizierbaren Gummiclogs. Endlich fand ich auch nützliche Gegenstände für Leute wie mich. Ein Flaschengestell ähnlich wie in einer Bar wurde unter die Decke gehängt. Kopfüber tummelten sich darin die Flaschen. "Praktisch", dachte ich, hier könnte man alle Flaschen des Haushaltes unterbringen, kopfüber und sie wären hunde- und katzensicher untergebracht und ihre Splitter würden nicht mehr mühsam weggesaugt werden müssen, weil Wuffel eine von der Anrichte geholt hätte. Hier hingen sie sicher. Ich werde eine solche Anschaffung glatt noch überdenken. Zwar hätte ich keinen Alkohol darin, aber das Olivenöl, die Essigflasche, die Soja-Soße und viele mehr wären so sicher untergebracht.
Der nächste praktische Artikel, der mir ins Auge stach, wird hoffentlich bald meinen Haushalt ergänzen. Eine Kommode mit Pseudoschubladen, die nur wie Schubladen aussahen, war praktisch. Die "Schubladenfront" wird nämlich nicht nach vorne rausgezogen, was bei uns häufig nicht geht, weil vor fast jeder Kommode ein Hundekorb steht, sondern es sind seitlich eingeschobene Schiebebretter. So könnten die Hunde in der Kudde oder im Körbchen liegen bleiben, wenn ich dahinter aus der Lade ein Tischtuch holen möchte und ich müsste nicht warten bis Wuffel ausgeschlafen ist, bevor ich ein Pflaster aus der Schublade holen kann ohne den Korb beiseite zu rutschen. Auch der Wassernapf könnte dann zukünftig vor der untersten Schublade stehen bleiben, denn Schubladen nach vorne herausziehen entfiele ja dann.
Den Kaffeekapselbaum fände meine Katze sicherlich spannend, und würde die Kaffeekapseln lustig durch die Gegend kollern, die sie dort heraus geporkelt hätte - also auch nichts für mich, aber sobald ich die Blechschilderhersteller überzeugen kann ein Schild mit "Bein heben verboten" anzufertigen, kaufe ich eines für meinen Schuhschrank, den neu ankommende Rüden immer markieren wollen.
Praktisch fand ich auch die Emailleeimer im Vintagestil mit den Deckeln. Zwar wären sie zur Aufbewahrung von Kartoffeln und Zwiebeln mit ihren großen Luftlöchern nicht so interessant, weil die Katzenhaare sicherlich durch die Löcher passen, aber ich könnte mir vorstellen diese Eimer als Wecker einzusetzen, wenn Mietze den Deckel pünktlich runter auf die Fliesen schmeißt auf ihrer morgentlichen Erkundungstour. Die im Hintergrund zu sehene Designertapete beeindruckte mich allerdings auch schwer. Es gab also tatsächlich Menschen, die Geld dafür ausgaben, dass ihre Wände so tapeziert werden, wie ein vor 5 Jahre vertäfeltes Katzenzimmer aussieht? Das konnte ich kaum glauben ;-).
Eine wirkliche dekorative und praktische Anregung fand ich dann noch unter den Dekorationsartikeln. Hier gab es wunderschöne Bambusstöcke mit Federbüschel als Staubmagneten. Damit könnte man prima die Katzenhaare vom Tisch wedeln, wenn Besuch käme und sie hingen immer parat, da ja als Schmuck für die Wand gedacht und trotzdem dekorativ. Ganz IN sind nun auch Buchstaben aus Holz. Die Buchstabenfolge "Psst" beeindruckte mich sehr und ich dachte schon daran sie im Garten aufzuhängen, damit der Hund am Wochenende nicht so früh im Garten kläfft, aber dann fiel mir ein, dass Hunde nicht lesen können.
Und wenn nun schon alles modisch beschriftet wird, warum dann Geschirrtücher mit der Aufschrift "Tellerwischer" oder "Sauberfrau" und nicht mit der Aufschrift "Katzennäpfe" oder "Hundenäpfe", die könnte auch ich gebrauchen. Auch die Schmuckdose mit den vielen kleinen Fächern im Vintagestil gefiel mir, wenn auch nicht für Schmuck, so doch für alte Hundemarken oder Adressanhänger der Hunde oder die Tollwutimpfmarken, die eh immer vom Halsband fallen. So wären diese wenigstens mal attraktiv untergebracht und ließen sich besser dekorativ in den Haushalt integrieren.
Neuerdings sind riesige Schlüsselbretter für viele, viele Schlüssel - natürlich ebenfalls im Vintage-Stil - modern. Die allerdings wären auch für uns sinnvoll. Hätte man doch genügend Platz für Schlüssel wie "Lager 1, Lager 2, Gartenhaus, Garage, Quarantäne, Nagerterrarium, Katzenfreisitz 1 oder 2, Kaninchenstall oder Gartentor und Weidegatter". Die gefilzten Mäuseeierwärmer fände Mietze bestimmt toll zum Spielen und so wie der Garten derzeit unter Regenwasser steht, wüsste ich auch wohin mit dem Hinweisschild "Pool" mit dem deutlichen Richtungspfeil.
Die 120 cm breite Handtuchstange ließe sich für unsere Leinensammlung gut nutzen oder man könnte nasse Hundemäntel daran trocknen, denn rostig ist heute eh modern. Wer sagt also, dass sich für Tierschützer nichts in Wohnkatalogen befindet... Das Wandtatoo aus Tafelfolie mit 12 Monatstafeln regte mich dazu an, den Hersteller um eines mit 31 Tafeln, für jeden Tag im Monat, anzubieten. Dann hätten wir unseren Terminkalender gleich auf der Wand und endlich mal Platz für die zahlreichen Termine.

Immer wieder stieß ich beim Durchblättern des Kataloges auf hübsche Schilder. Aber solange darauf eine Kaffeetasse mit dem Schriftzug "have a break" zu sehen ist, die wir uns im Tierschutz nicht erlauben können und nicht ein Bild von einem dampfenden Hundehaufen mit dem Schriftzug "clean the garden" tragen, werde ich wohl keines davon kaufen. Den praktischen Flaschenöffner, der fest mit der Wand verschraubt ist, werde ich jedoch anschaffen. Gleich am Lager befestigt, brauchen die Helfer nach getaner Arbeit so nicht erst in der Küche suchen, um Durst zu stillen und das Ding kann nicht verloren gehen, wie alle meine anderen Flaschenöffner.
Als ich plötzlich auf ein Schild "Staff only" stieß, dachte ich doch glatt, ich hätte endlich Gesinnungsgenossen gefunden, aber das Schild meinte wohl eher Personal als einen Staffordshire-Terrier. Enttäuschung machte sich in mir breit. Vielleicht denken aber auch andere so wie ich und verschönern ihren Staffordshire-Haushalt künftig mit diesem Schild, um der Rasse wieder Ansehen zu verleihen...
Chic ist es heute offensichtlich auch Möbel umzugestalten, indem man sie beklebt mit Tapeten oder Papier. Immerhin eine Möglichkeit unansehnliche Möbel aus Tierschutzhaushalten durch Serviettentechnik oder Einsatz von Restetapeten und Geschenkpapier aufzupeppen und somit Kratzspuren von Hund und Katze zu überdecken.

Unverzichtbares für den Tierschutz fand ich dann in der Rubrik "dies & das". Hier gab es kleine Puzzle mit der Aufschrift "so, jetzt habe ich mich wieder beruhigt", die wir des öfteren brauchen könnten, wenn nachts um 23:00 Uhr jemand auf der Tierrettungsleitung anruft und sagt, er habe einen Hund von einem anderen Verein gerade in der Nacht aus dem Ausland geliefert bekommen und dieser Hund vertrage sich nicht mit der Katze und müsse SOFORT weg. Ich bräuchte dann nur 10 Mal das Puzzle zu legen und die beruhigende Aufschrift "so, jetzt habe ich mich beruhigt" zu lesen und schon wäre wieder alles im Lot. Man könnte das Puzzle auch zum Einsatz bringen, wenn wieder jemand an Weihnachten anruft und seinen 15 Jahre alten Schäferhund loswerden möchte, weil er den neuen Welpen unter dem Weihnachtsbaum gebissen habe oder wenn die Dame wieder anruft, die ihren Wellensittich abgeben möchte, weil er farblich nicht mehr zum neuen Sofa passt. Auch in der Nacht als die jungen Ausländer anriefen, die um 1:00 Uhr einen Dobermannmix abgeben wollten, der nicht mal ihnen gehörte, weil sie diesen eigentlich nach Wuppertal verkauft hätten, aber die Käuferin ihn nun doch nicht wolle und die Herrschaften jedoch nun einen Diskobesuch geplant hätten und nicht wüssten wohin mit dem Hund ihrer Bekannten. Ich wüsste so viele Einsatzzeiten für dieses Puzzle, dass ich es unbedingt anschaffen muss.
Nette Schilder auf künstlich auf alt getrimmten Holzlatten gibt es nun auch. Aber solange darauf steht "Beach" und nicht "Achtung, nicht auf herumstehende Volierenteile treten!", weiß ich eigentlich nicht, was ich damit anfangen sollte, denn einen Strand haben wir ja nun mal nicht, auch wenn die Hunde manchmal recht viel Sand an den Pfoten ins Haus schleppen. Man könnte allerdings Beach auch rasch überstreichen und den Schriftzug "Achtung, gestapelte Hundenäpfe, nicht den untersten nehmen, sonst kippt Stapel" für denkunfähige Praktikanten darauf schreiben. Und obwohl ein Schild "nicht in den Vorgarten kacken" bekanntlich nichts bringt, da über 10 Millionen Hunde nicht lesen und schreiben können und die wenigsten Hundehalter oder Tierpfleger solche Schilder beachten, wäre es doch einen Versuch wert, ob der Garten damit optisch aufgewertet wird - zumal ich das Schild schließlich im Vintage-Stil anfertigen würde.
Endlich fand ich auch etwas, womit ich mich identifizieren konnte. Ein Bett dessen Kopfteil die Aufschrift "never dream alone" zierte. Stimmt! Mein Bett ist immer besiedelt mit etlichen Vierpfotern, ich träume nie alleine. Die Anschaffung des Kataloges "Impressionen" hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn beim Durchblättern des Taubenzuchtkataloges Sollfrank, den Veterinärkatalogen Eickemeyer oder Henry Schein, dem Speditionskatalog mit desinfizierbaren Kunststoffpaletten und den Baumarktkatalogen mit Bauartikeln für Partnertierheime ist er in jedem Fall an Attraktivität vorzuziehen.
In diesem Sinne - "never dream alone"...
I.H.M.
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