Auslandstierschutz

2009 war ein schweres Jahr - insbesondere für den Auslandstierschutz - . Zahlreiche Transporte mit Tieren aus Tötungsstationen wurden von Polizei, Zoll und Amtsveterinären gestoppt, Tiere beschlagnahmt und sichergestellt und es wurde wild über die tatsächlichen Vorgänge spekuliert in Fernsehen und Presse. So erst erfuhren einige tierliebe Menschen von gesetzlichen Vorschriften und Gefahren, die von illegalen Transporten ausgehen und dass es auch schwarze Schafe unter Tierschützern gibt.

Der hilflose Leser musste feststellen, dass - wie im wirklichen Leben - alles seine zwei Seiten hat. Es gibt eine berechtigte Sicht und berechtigte Einwände der Behörden, die versuchen die heimische Tierwelt gesund zu erhalten und somit Gefahren von den Menschen fern zu halten. Und es gibt eine berechtigte Sicht und berechtigte Einwände der Tierfreunde, die versuchen ALLEN Tieren dieser Welt ein besseres Leben zu ermöglichen. Dabei sind sich diese beiden Seiten nicht immer ganz einig. Dazu gibt es noch eine dritte Partei, die sich heftig an den Diskussionen beteiligt - die Presse und das Fernsehen. Viele Beiträge waren über die Vorfälle zu lesen und ließen ratlose Tierfreunde zurück, die nun nicht mehr wissen, ob sie denn nun den armen, geschundenen und gequälten Tieren aus dem Ausland helfen sollen oder nicht. Wir möchten versuchen das Ganze ein wenig zu durchleuchten.

Nehmen wir einmal die eine Gruppe, die der Öffentlichkeitsarbeit. Was wollen Presse und Fernsehen erreichen? Sicherlich gibt es einige Zeitungen, Zeitschriften und einige Fernsehsender, die ihren Auftrag die Öffentlichkeit sachlich zu informieren, wirklich ernst nehmen. Aber es ist ja wohl auch JEDEM Tierfreund bekannt, dass viele davon nicht existieren könnten, würden sich nicht auch über Einnahmen verfügen. So sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass spektakuläre, emotionale Beiträge die Auflagen eher hochschnellen lassen als sachliche Berichterstattungen, die auf ordentlichen Recherchen beruhen und alle Sichtweisen beleuchten, oder? Denn z. B. Privatsender finanzieren sich in erster Linie über Werbung und Werbeaufträge und die  kommen nun mal leichter hinein, wenn spektakuläre Beiträge dem Fernsehzuschauer Tränen der Wut, der Verzweiflung oder des Mitgefühls entlocken und so für hohe Zuschauerzahlen sorgen. Ähnlich ist es bei der Presse. Auch Zeitungen und Zeitschriften bekommen mehr Werbeaufträge und höhere Auflagenzahlen wenn sie eher Unterhaltung als Informationen drucken. Wen wundert es da, wenn genau das veröffentlicht wird, was hohe Einnahmen oder gute, einflussreiche Freunde bringt. Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, wo unsere Deutschlehrerin uns auf dem Gymnasium auf die Zusammenhänge in der Öffentlichkeitsarbeit hinwies und weiß noch sehr genau wie die gesamte Klasse in schallendes Gelächter ausbrach als sie uns ein Dia des Deckblattes eines Zeitung vorführte. Dort stand geschrieben: Bayernkurier - unabhängig, überparteilich - und klein darunter - Herausgeber: Franz-Josef Strauß.

Wir möchten nur zu EINEM anregen, wenn man Beiträge im Fernsehen oder in Zeitungen liest - überlegen Sie bitte immer, wer bezahlt die Beiträge! Und machen Sie sich dann selbst ein Bild von der Intention, die hinter dem jeweiligen Beitrag steht.

Dann die nächste Gruppe, die Behörden. Was wollen die Behörden erreichen? Viele Tierfreunde denken, dass Amtsveterinäre dazu da sind, Tiere zu schützen. Das ist nur sehr eingeschränkt der Fall. Amtsveterinäre haben in erster Linie die Aufgabe, Menschen zu schützen, und zwar vor gesundheitlichen Risiken, Seuchen und Krankheiten. Daher besteht ihre Aufgabe in erster Linie darin solche Risiken von Menschen fern zu halten. Nun gibt es aber leider immer wieder schwarze Schafe, die z. B. Welpen aus dem Ausland nach Deutschland einführen, die keine ordnungsgemäße Tollwutimpfung haben. Sei es, weil Einfuhrpapiere gefälscht wurden oder gar keine vorhanden sind. Und die Tollwut ist eine Erkrankung, die eben auch von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Dem gilt es vorzubeugen, indem die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften über die Einfuhr von Tieren überwacht werden. Nichts anderes tun die Amtsveterinäre, wenn sie einen solchen Transport aus dem Ausland stoppen und kontrollieren. Unweigerlich müssen bei unklarer Lage dabei die Tiere zunächst einmal sichergestellt oder vorläufig beschlagnahmt werden, denn erst tierärztliche Kontrollen und Prüfung der Papiere erbringen den Nachweis, ob die eingeführten Tiere eine Gefahr für die Menschen hier bedeuten oder nicht. Das ist richtig und gut, denn kein Tierfreund der Welt befürwortet eine Verbreitung der - für Tier und Mensch - lebensgefährlichen Tollwut oder gar anderer Seuchen wie Staupe, Parvovirose oder anderer gefährlicher Krankheiten, die wir hier in Deutschland mit langjährigen Impfaktionen gut im Griff haben und die im Ausland noch verbreiteter sind. Wir werben daher um ein wenig Verständnis für die Behörden, die ihre Arbeit zu unserem - und unserer Tiere - Schutz tun.

Eine weitere Aufgabe der Amtsveterinäre ist es - Dank der Tierschützer, die sich für entsprechende Gesetze eingesetzt haben - dass gesetzliche Transportauflagen überwacht werden müssen. Dazu gehört, dass keines unserer Mitgeschöpfe - und das ist ein Tier -  nicht ein Minimum an Platz, Sauerstoff, Bewegungsmöglichkeit und Wasser während eines langen Transportes hat. Auch wenn denn allzu verständlich ist, dass einige Tierschützer, insbesondere die, die Tötungsstationen im Ausland gesehen haben, eine andere Vorstellung von diesem Minimum haben als die Behörden, so haben doch TIERSCHUTZVERBÄNDE nicht umsonst genau dieses Minimum an Gesetzen hart erstritten, um den Tieren minimalen Schutz vor Qualen zu gewähren. Wir bitten daher um Verständnis der Tierschützer, die Leben retten wollen, dass auch hier die Behörden genau die Pflicht wahrnehmen, die wir als Tierschützer hart erkämpft haben.

Dann schauen wir einmal auf die Gruppe der Tierschützer, die solche Transporte fahren und ggf. gestoppt werden. Sie wollen in erster Linie Leben retten, denn überall im umliegenden Ausland gibt es gesetzliche Fristen zur Tötung von Tieren in Tötungsstationen, die zwischen 10 Tagen und drei Wochen variieren. Wer einmal eine solche Tötung gesehen hat, wird den Anblick der Tiere nie vergessen, denn zumeist wird kommerziell vorgegangen und die Tötungsmethoden im Ausland haben häufig nichts damit zu tun, was man hier unter "schmerzlos einschläfern beim Tierarzt" versteht. Da werden Tiere mit Baseballschlägern halb erschlagen, um rasch große Mengen von Straßenhunden zu töten, die sonst die Strände für die Touristen und die Hotelanlagen und Straßen besiedeln. Da werden billige, nicht schmerzfreie Gifte zur Tötung eingesetzt, die den Tieren große Qualen bescheren bis sie endlich sterben, nur um zu sparen. Da werden dreckige Injektionsnadeln lieblos in Tiere gehauen, nur um an Hygienemaßnahmen zu sparen. Da werden ungeschulte Kräfte zur Tötung eingesetzt, um Personalkosten für Tierärzte zu sparen, die auch im Ausland nicht so gering sind... Wer will es da den Tierschützern verdenken, dass sie versuchen möglichst viele Leben dieser Tiere zu retten? Es ist gut, dass sich Organisationen dafür einsetzen, dass kein sinnloses Tiersterben stattfinden muss, wenn im Nachbarland nette, gut sozialisierte Tiere noch ein Heim finden könnten. Aber man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass Deutschland in der Mitte von vielen solcher "Tötungsländer" liegt und dass nicht alle Tiere aus dem Ausland gerettet werden können.

So ist es wichtig, dass Tiervermittlung aus dem Ausland unter der notwendigen Verantwortung für die Tiere geschieht. Gesetzliche Vorschriften müssen trotz allem eingehalten werden, wenn wir Mensch und Tier in Deutschland schützen wollen. Also bitte nicht die Tiere vom Regen in die Traufe bringen. Verantwortungsvoll handelt, wer Seuchen und Krankheiten vermeidet und zu diesem Zweck Impfungen und Tierärzte einsetzt, die den Gesundheitszustand der Tiere überwachen. Verantwortungsvoll handelt, wer entsprechende Hygiene- und Quarantänevorschriften und gesetzliche Bestimmungen befolgt. Verantwortungsvoll handelt, wer nicht auf Teufel komm raus Tiere aus dem Ausland einführt und wild in der Gegend verteilt, sondern wer die Tiere zunächst in Pflegestellen aufnimmt, sie kennen lernt und gesundheitlich beim Tierarzt überprüfen lässt. Verantwortungsvoll handelt, wer das neue Heim eines Tieres vorkontrolliert, ob es dem Tier gerecht wird, die Tierhalter berät und die Tiere zurück nimmt, wenn sie - auch nach Jahren - ihr Heim verlieren durch Allergien, Scheidungen oder veränderte Lebensumstände. Natürlich kann nicht jeder Tierschutzverein zu jeder Zeit alle Tiere sofort zurücknehmen, wenn ein Tier sein Zuhause verliert, aber nach absehbarer Zeit sollte man dies tun können. Dies geht aber nicht, wenn man Hunderte von Tieren in kürzester Zeit vermittelt, denn so eine Aufnahmekapazität hat kein Verein. Doch wer verantwortungsvoll vermittelt, hat auch geringe Rücklaufzahlen und steht bei Problemen mit dem Tier den Adoptanten auch nach der Vermittlung noch als Ratgeber zur Verfügung. Alleine dadurch lassen sich viele unbedachte Abgaben vermeiden.

Wir flehen also alle Auslandstierschützer an: Wenn Ihr den Tieren im Ausland helfen wollt, dann verdammt noch einmal verantwortungsvoll und in überschaubaren Mengen, so dass Ihr noch für Tierarztkosten und Tierfutterkosten aufkommen könnt und die Fehler Eurer Vermittlungen selbst tragen könnt - ohne damit seriöse andere Vermittler zu belasten.

Es macht keinen Sinn einen Angsthund aus dem Ausland hier wahllos zu vermitteln, der dann zwei Tage später hier entläuft und überfahren wird. Es macht keinen Sinn ein krankes Tier hier hin zu holen, wenn dann niemand für die notwendigen Tierarztkosten aufkommt. Es macht keinen Sinn Rassen wie Schäferhunde oder so genannte Kampfhunde nach Deutschland zu holen. Davon sind die hiesigen Tierheime selber brechend voll und die armen Tiere vegetieren in ihren engen Zwingern mit nahezu NULL Vermittlungschance dahin! Und es macht erst Recht keinen Sinn ansteckend kranke Tiere mit gefälschten Papieren oder ohne Papiere zu importieren, die hier die Tiere oder gar Menschen anstecken!

Habt doch einfach mal alle etwas mehr Verständnis für einander! Mit gegenseitigen Beschimpfungen erreicht Ihr alle nichts für die Tiere, sonst bringt nur den Auslandstierschutz, der Hilfe so bitter nötig hat, in Verruf.

Es gibt auch noch andere Möglichkeiten im Ausland den Tierschutz zu fördern als nur die Tiere nach Deutschland zu holen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und vieles, vieles mehr...

 

unterstützen Sie uns darin

 

DAS TEAM DER TIERHILFE LICHT IM DUNKELN E.V.

 

Ist Auslandstierschutzarbeit Hundehandel/Welpenhandel ?

Irene Schellenbeck

Tierhilfe Licht im Dunkeln e. V.