
Notfallkarte für Tierbesitzer
Als Tierbesitzer hat man eine ungeheure Verantwortung für ein lebendes Wesen, was in der Regel nicht in der Lage ist, sich in vollem Umfange selbst zu versorgen. Dass Ihr Tier sich nicht selbst versorgen kann, kann verschiedene Gründe haben...
weil es sich um ein Tier in Gefangenschaft, Käfig-, Stall- oder Weidehaltung handelt
weil es ein Tier ist, welches hier kein artgerechtes Futter findet
weil die Umgebung für das Tier zu gefährlich ist um alleine zu leben
und vieles mehr.
Diese Tiere sind auf uns angewiesen und fallen wir für eine Weile aus, muss gewährleistet sein, dass sich eine andere kompetente Person darum kümmert. Gerade bei manchen Tierarten muss gewährleistet sein (z. B. Vögel, Meerschweinchen, Kaninchen...), dass aufgrund der Beschaffenheit des Magen-Darmtraktes IMMER Futter zur Verfügung steht, weil sie sonst schnell verhungern oder verdursten, wenn sich niemand in den nächsten Stunden um sie kümmert. Schnell ist mal eine Wassertränke ausgelaufen, das Heu oder die Körner aufgefressen und schon kann es zu Problemen kommen - selbst wenn Sie nur einen Tag nicht ansprechbar sind.
Ihre Pferde müssen vielleicht von der Weide geholt werden, weil sie sonst durch den Zaun gehen, wenn sie ihr Abendessen nicht pünktlich bekommen und in der Stallgemeinschaft niemand Ihre Abwesenheit bemerkt (was übrigens in großen Stallgemeinschaften auch an Turniertagen/Jagdtagen passieren kann, weil alle abgelenkt sind). Hier ist es gerade bei kleinen Stallgemeinschaften, Einzelställen oder ländlich ruhig gelegenen Weiden wichtig anzugeben, wo sich die Weide oder der Stall befindet.
Sehr wichtig, gerade für allein lebende Menschen, ist daher eine Notfallkarte beim Personalausweis, wenn Sie Tiere haben. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Herzinfarkt, einen Asthmaanfall, eine Unterzuckerung, einen Unfall oder ähnlich Schreckliches und kommen ins Krankenhaus oder sind zunächst - z. B. durch eine Bewusstlosigkeit oder Schock - nicht ansprechbar...
So kann es passieren, dass nun Ihr Tier
selbst beim Unfall dabei war und ebenfalls medizinischer Versorgung bedarf (ggf. aus dem Auto geschleudert wurde)
alleine zu Hause oder in seinem Stall oder auf der Weide darauf wartet, dass Sie es versorgen
Diesen Tieren muss nun jemand helfen. Sie benötigen Gesellschaft, artgerechte Versorgung, evt. Medikamente, Futter und vieles mehr.
Eine Notfallkarte - beim Personalausweis - in der Brieftasche / in der Geldbörse sorgt dafür, dass Ihr Tier Hilfe bekommt, wenn Sie nicht darum bitten können.
Bei jeder Art Hilflosigkeit Ihrer Person werden Helfer nach Ihren Personalien schauen, um ggf. Angehörige zu benachrichtigen. So wird dann auch die Notfallkarte gefunden und beachtet.
Die Notfallkarte führt auf welche Tiere (Tierart) und wie viele Tiere (Anzahl) der Versorgung bedürfen, damit die Helfer im Notfall die richtigen Fachleute zu Rate ziehen (Tierschutzvereine, Tierärzte, Zoo...), die dann auch die richtige Ausrüstung dabei haben.
Wenn Ihr Tier die Betreuung durch fremde Menschen nicht so gewohnt ist oder gar bei einem Unfall entlaufen ist, kann es hilfreich sein den Rufnamen Ihres Tieres zu kennen. Dabei sollten Sie nicht den Züchternamen, sondern den tatsächlich gewohnten Rufnamen des Tieres anführen. Es nützt schließlich nichts, wenn Ihr Hund bei einem Unfall aus dem Auto geschleudert wird und man ruft ihn mit dem Namen "Insel vom Eidechsenstein", wenn der Hund sonst "Tibbi" gerufen wird. Kommen wird der Hund bestenfalls, wenn man ihn mit seinem täglich benutzten Namen anspricht. Den gewohnten Namen zu hören, kann den Tieren auch helfen Hemmungen gegenüber evt. fremden Helfern abzubauen und ihnen weniger misstrauisch gegenüber zu stehen. Sie erleichtern damit dem Tier und auch den Helfern die ungewohnte Situation.
Auch die Geschlechtsangabe und ob das Tier kastriert ist oder nicht, kann hilfreich für die Helfer sein. Es gibt versierten Helfern Aufschluss darüber, wie sie ggf. mit dem Tier umgehen müssen und schon so manch ein unkastrierter Rüde hat sich durch Hinzuziehung einer Hündin - oder gar läufigen Hündin - eher einfangen lassen.
Natürlich ist es auch wichtig, das Tier eindeutig identifizieren zu können, wenn man es gefunden hat. Dazu dient die Angabe über Tätowierung oder Mikrochip. Ist das Tier - z. B. nach einem Unfall entlaufen - können mit dieser Angabe auch gleich alle Tierregistrierstellen (Tasso, Ifta, Deutscher Tierschutzbund...) auf den Verlust aufmerksam gemacht werden. Mit Hilfe des Chips oder der Tätowierung erhält man auch Gewissheit, wenn das Tier tödlich verunglückt ist. So traurig dieser Fall auch ist, so schafft er doch Gewissheit und Helfer wissen, wann sie die Suche abbrechen müssen.
Insbesondere bei kranken Tieren ist die Angabe über bestehende Krankheiten, Verletzungen wichtig, um ihnen die richtige Aufmerksamkeit und Pflege zu Teil werden zu lassen. Bekommt Ihr Hund, Ihre Katze z. B. Herzmedikamente, regelmäßig Augentropfen oder sonstige Tabletten oder Medikamente ? Gibt es Besonderheiten wie etwa, dass Ihr Tier blind, taub oder gehbehindert ist ? Ist Ihr Tier evt. frisch operiert und bedarf der Nachsorge ? Hat Ihr Tier evt. wegen einer HD oder Arthrose Probleme aufzustehen ? Ist Ihr Tier besonders scheu, bissig, lässt es sich nicht gerne anfassen von Fremden ? Hat es evt. irgendwelche Allergien gegen Medikamente (es könnte sein, dass Ihr Tier am Unfallort erstversorgt werden muss) oder gegen Futtermittel (es könnte sein, dass man Ihr Tier gerade versucht mit besonders interessantem Futter einzufangen oder sein Vertrauen zu gewinnen).
Es gibt mehr und mehr Tierschutztiere, die in Familien leben. Einige davon haben in der Vergangenheit schlimme Dinge erlebt und haben evt. Abneigungen gegen bestimmte Personen, Situationen. Dies kann das Einfangen eines entlaufenen Tieres oder das Anleinen eines Tieres in der Wohnung schwerer machen. Beschreiben Sie diese Besonderheiten im Verhalten, wie "mag keine Männer..., lässt sich von Fremden nicht anfassen..., bekommt Panik, wenn man über ihm steht...". Sie erleichtern damit den Helfern und Ihrem Tier die Situation.
Hierzu gehört zum Beispiel auch die Angabe, ob Ihr Schutzhund die Feuerwehrmänner oder das Tierheimpersonal ggf. nicht in die Wohnung lässt oder zerfleischt, wenn Ihre Vertrauensperson nicht gleich zu finden ist. Oder die Angabe, ob Ihr Hengst regelmäßig austritt oder beißt, wenn man ihn am Halfter fasst und von der Weide holen muss. Auch die Angabe, ob Ihre Katze sich gleich durch die Beine der Helfer drückt und sofort aus der Wohnung flitzt, wenn man die Tür aufmacht, oder ob die Wellensittiche in der Wohnung frei fliegen oder Ihr Hund Helfer in Uniform sowieso vorzugsweise auffrisst ...
Ist Ihre Vertrauensperson nicht gleich greifbar und es müssen sich erst Fremde um das Tier kümmern, kann es wichtig sein bestimmte Aversionen anzugeben, wie "frisst gerne Kinder, tötet gerne Katzen...", denn gerade wenn Sie einen privaten Tierschutzverein beauftragen, arbeiten diese oftmals mit Pflegestellen und haben keine Zwinger. Dann muss der richtige Platz für IHR Tier gefunden werden. Die Angabe von Besonderheiten kann da hilfreich sein und erspart den Helfern Zeit und Mühe und es kann schneller gezielt Ihrem Tier geholfen werden.
Bei den Angaben über den Tierbesitzer ist es wichtig, dass diese stets auf dem aktuellen Stand sind. Nehmen wir an, Sie haben einen Unfall gehabt und Helfer müssen Tiere versorgen, die bei Ihnen zu Hause sind. Ihre Vertrauensperson ist nicht erreichbar. Dann ist es äußerst ärgerlich, wenn die Polizei oder Helfer erst zu einer alten Adresse fahren und dann mühselig ermitteln müssen, wohin Sie denn umgezogen sein könnten, um Ihren Hund zu füttern oder auszuführen.
Über die Verhaltensweisen Ihres Tieres und über Krankheiten und Medikamentenverordnungen kann gut Ihr Tierarzt, Ihre Tierklinik Auskunft geben. Deshalb ist es wichtig, hier den Arzt anzugeben, der Ihr Tier am Besten kennt und so auch am ehesten angeben kann, ob Ihr Hund schon vor dem Entlaufen beim Unfall humpelte oder dies eine alte Geschichte ist. Gerade auch starke Medikamente gibt kein Tierarzt gerne, wenn die Diagnose noch nicht klar ist. Ein neuer Tierarzt muss erst eine Diagnose stellen, Ihr Haustierarzt jedoch weiß bereits welche Medikamente Ihr Hund, Ihre Katze bekommt, welche Vorerkrankungen bestehen oder ob eine Diät angezeigt ist. Vergessen Sie also nicht Ihren Tierarzt anzugeben (ggf. zusätzlich mit seiner Notrufnummer außerhalb der Sprechzeiten).
Ganz wichtig ist natürlich die Angabe über die Person Ihres Vertrauens, die auch mit dem Tier gut vertraut ist und am stressfreiesten mit dem Tier umgehen kann. Sicherlich haben Sie als verantwortungsbewusster Tierhalter Nachbarn, Verwandte, Tiersitter oder Freunde, die sich auch sonst schon dem Tier angenommen haben, es gesittet haben oder betreut haben in der Vergangenheit. Vermutlich hat diese Person auch Ihren Ersatzwohnungsschlüssel und kann - wenn telefonisch benachrichtigt - gleich die Katze, den Hund zu sich holen, während Sie sich im Krankenhaus erholen ?
Da jedoch auch diese Person gerade in Urlaub sein kann, ist es sinnvoll als Ersatz immer noch einen Tierschutzverein zu beauftragen, mit dem Sie für einen evt. Notfall solche Notlagen besprechen können. Hier können Sie dann auch Hinweise geben wie "Fritzi bekommt morgens immer sein Leberwurstbrötchen zum Frühstück" oder "im Notfall können Sie auch Tante Elli anrufen und sie kümmert sich, aber Ihr Mann darf nichts davon wissen". Glauben Sie uns, mit solchen Situationen kommen wir Tierschützer klar ;-), Feuerwehr oder Polizei haben dafür selten die Möglichkeiten. Zudem haben die meisten Tierschutzvereine Tag und Nachtdienst und Fiffi muss dann nicht erst eine Nacht im Tierheim oder in der Polizeihundestaffel verbringen, wenn sonst niemand erreichbar ist.
Nicht nur wichtig für allein lebende Menschen
Der Partner kann in der Ferne auf Seminar sein, über Nacht bei Bekannten, selbst im Krankenhaus oder in Urlaub und schon trifft die Situation auch auf Menschen zu, deren Tiere normalerweise vom Partner betreut werden. Ob Sie in solchen Ausnahmesituationen an eine solche Notfallkarte denken, ist fraglich ("ach, Liebling, Du fährst ja jetzt aufs Seminar, da muss ich noch schnell die Notfallkarte in die Geldbörse legen...").
Tiere in der Wohnung
In Wohnungen gibt es zudem Katastrophen wie Brände, Gasexplosionen... Natürlich sind Hilfskräfte wie Feuerwehr und Polizei gehalten auf alle Lebewesen zu achten, wenn sie in Wohnungen gehen um Leben zu retten und sie werden dies unaufgefordert tun, WENN sie die Tiere entdecken. WENN diese aber - aufgrund dichten Rauches - nicht wissen, dass sich noch Lebewesen in der Wohnung befinden, bleiben Mieze oder Meerschweinchen Quiekie vielleicht zurück. Hier kann ein Schild an der Wohnungstür Helfern einen Hinweis geben. Sie selbst sind dazu evt. nicht in der Lage.
z. B. Meerschweinchen in der Wohnung.
Ebenso wichtig kann für Helfer wie Feuerwehr und Polizei das Schild sein
Achtung ! Wachhund/Schutzhund/bissiger Hund in der Wohnung !
Man wird Ihnen in solchen Fällen gezielter und besser helfen können, wenn ein Notruf für Ihre Wohnung kommt, denn dann sind Helfer vorbereitet und auch für Sie kann es bei einem Herzinfarkt um Minuten gehen.
Hilfreich kann es zudem sein, Nachbarn über die Anzahl der Tiere in der Wohnung aufzuklären, damit diese ggf. Helfern Auskunft geben können.
Tierschutzvereine erteilen gerne weitere Auskünfte zu solchen Notfällen und geben auch Hinweise zu Testamenten, die die Versorgung der Tiere gewährleisten !
Selbstverständlich wünschen wir Ihnen, dass diese Notfälle nie eintreten, aber es ist besser sich vorher in Ruhe diese Gedanken zu machen als in einer Notsituation. Denn wie Sie gerade gelesen haben, gibt es einiges zu bedenken und wir wünschen uns, dass Ihre Tiere optimal versorgt sind und Sie sich keine Sorgen machen müssen, wenn Sie einmal ausfallen als Tierbetreuer.
Irene Schellenbeck
Tierhilfe Licht im Dunkeln e.V.