
Trus - ein Podenco mausert sich...
Trus in Madrid
Doch mit liebevoller Pflege und Dank Homöopathie bekamen wir die Durchblutung und Nervenschäden in den Griff. Das Nervenmittel "Hypericum" leistete dabei - auch bei dieser alten Verletzung - zuverlässige Dienste, Calendula-Essenz und Arnica taten ein Übriges zur Heilung.

Eine Babystretchsocke schützte die Pfote im Haus
Schnell reichte statt Verband in der Wohnung eine schicke Stretchkindersocke und auf Spaziergängen wird Trus heute vorsorglich mit Tontechnikerklebeband die Pfote weiß "getaped". Weiß, damit nicht ständig jemand den - sonst kerngesunden - Hund auf seine Behinderung anspricht und bedauert. Schließlich hat man einen Ruf als echter Kerl zu verlieren und möchte nicht durch ständiges Bemitleiden zum seelischen Krüppel werden. Das weiße Klebeband, dass die Pfote vor den Witterungseinflüssen und vor Verletzungen schützt - fällt dabei bei seinem blütenweißen Fell nicht auf und ist auch erheblich preiswerter als ein Hundeschuh.
Trus ist übrigens inzwischen unser Produkttester für Hundeschuhe ...

Gezieltes Haltitraining lehrte den - damals - unverträglichen Rüden auch Großveranstaltungen ohne Stänkereien zu besuchen

Trus beim Anti-Jagdtraining an der Schleppleine mit Packtaschen
Der "gelernte" Jagdhund war in Spanien für die Jagd auf Wildschweine und Rehe eingesetzt worden und jetzt galt es - in unseren dicht besiedelten Gebieten - den Jagdtrieb in den Griff zu bekommen. Hier half nur geduldiges Training an der Schleppleine, was sein neues Frauchen brav absolvierte. Da ein solcher "Gebrauchshund" ohne echte Aufgabe nach Alternativen sucht, wurde Trus an eine neue Aufgabe gewöhnt: Das Tragen von Packtaschen, die auch gleich das Durchstarten eines Jagdhundes hemmen. Mit entsprechendem erzieherischen Training erledigte er seine Aufgabe bald stolz und gewissenhaft und wurde so vom Jagdtrieb abgelenkt. Sobald wir nun mit ihm in ein Lokal kamen und der Kellner fragte, wer die Rechnung bezahle, kam von uns einhellig der Kommentar "Trus zahlt !", denn sicher bewachte er Frauchens Portemonnaie in den Packtaschen. Da traute sich kein Taschendieb ran.

Das Anti-Jagdtraining fördert die Bindung zwischen Halter und Hund

Positive Motivation durch Leckerchen
So durfte denn auch die Leckerchentüte auf keinem Spaziergang fehlen. Dank Trus Packtaschen war denn auch der Faltnapf und der Wassernachschub nie weit auf Ausflügen!

Packtaschen zu tragen ist nicht nur eine prima Ersatzaufgabe anstelle von JAGEN, sondern es macht auch stolz und ist obendrein praktisch, wenn der Hund seinen Proviant selbst trägt - Voraussetzung ist natürlich, dass man richtig trainiert die Packtaschen stolz zu tragen!
Durch das intensive Training wurden Trus und sein Frauchen bald ein unzertrennliches Gespann. Podenco Trus geht heute auch mit seinem Frauchen - einer freiberuflichen Cutterin - regelmäßig zur Arbeit beim Fernsehen und benimmt sich dort so mustergültig, dass viele Redakteure ihn sehr loben. Wer sagt also, dass ein Podenco NUR zur Jagd taugt ? Schließlich haben diese Windhunde auch noch viele andere Qualitäten und sind im Haus pflegeleichte, leise und ruhige Begleiter. Früher in einem Haus mit Kindergarten lebend, zeigte er sich auch als wunderbarer Therapiehund für ängstliche Kinder und konnte so manchem Kind die Angst vor Hunden nehmen. Oftmals hörten wir die Kinder schon von weitem rufen "Trus, da ist der Trus!" und immer wedelt der brave Hund dann mit der Rute und lässt sich - auch heute - immer furchtbar gerne auch von einer ganzen Kindergartengruppe gleichzeitig beschmusen.
Heute hat Trus wichtigere Aufgaben als zu jagen (zumindest meistens ;-)) ). So muss er sein Rudel zusammentreiben, seine Menschen- u. Hundefreunde bewachen und vieles mehr.
Längst kann er in nahezu allen Gebieten frei laufen und hört dabei prima. Um rechtzeitig die Vorzeichen zu erkennen, wann Trus "windhundmäßig durchstarten" möchte, hat sein Frauchen erstmal das 1 * 1 der Hundesprache erlernen müssen und erkennt heute schon an der Ohren- u. Rutenhaltung, wenn Wild in der Nähe ist oder eine Fährte verlockend duftet. Dann wird der tüchtige Jagdhund halt rechtzeitig abgerufen und bekommt schnell eine "Ersatzaufgabe" verpasst.
Parkanlagen mit "nur Kaninchen und Eichhörnchen", die schnell in Löchern oder auf Bäumen verschwinden, sowie die wildarmen Rheinwiesen eignen sich für einen jagdtriebigen Hund genauso wie ein Wiesengebiet umrahmt von Flüssen oder der Strand. Einem jagdeifrigen Hund sollte man den Auslauf außerdem vorzugsweise mitten am Tag genehmigen, denn Morgengrauen und Abenddämmerung - mit dem dann aktiven Wild - sind besonders aufreizend.

In liebevollen Spielen lernt der ehemalige "Wildkiller" seine Beißhemmung auf "zärtlich" umzustellen und Menschen nicht im Spiel blaue Flecke zu verpassen.

Leckerchensuchspiele im Gras beschäftigen alternativ zur Fährtensuche die Nase des eifrigen Podis und statt Wild holt man halt heute stolz Stöckchen oder Ball und bringt es zu Frauchen als Beute.


Seinen Arbeitseifer stillt der einst unverträgliche Podenco heute damit, dass er für uns der beste "Testrüde von allen" ist um den Rang und die Dominanz von Neuankömmlingen zu testen. Schnell zeigt er uns, wohin ein neuer Hund in der Hierarchie des Rudels gehört und ob dieser verträglich mit Rüden ist. Des weiteren ist er ein überaus zuverlässiger Beschützer unserer unterschiedlich zusammengesetzten Tierschutzrudel auf Spaziergängen, denn er duldet keine Übergriffe auf sein Rudel und beschützt Menschen und Tiere - notfalls mit seinem Leben. Heute tut er dies auch gelassen Seite an Seite mit anderen Rüden mit Führungsqualitäten. Damit nutzt er seinen Mut, sein Durchhaltevermögen, seine Aufmerksamkeit, seinen Schutztrieb und seine Kraft heute nur noch positiv.

Leider ist Trus inzwischen verstorben - er litt an einem Lebertumor und musste erlöst werden.
Copyright:
Text: Irene Schellenbeck,
Fotos: Uta Rasquin
Tierehilfe Licht im Dunkeln e.V.